Der Flüchtlings-Strom ist kaum zu bewältigen

Olpe/Arnsberg..  Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg, warb gestern im Gespräch mit unserer Zeitung um Verständnis für die Notmaßnahme, das „Regenbogenland“ in Olpe kurzfristig zur Notunterkunft für Flüchtlinge zu machen (wir berichteten): „Wir sind selbst von dieser Situation überfahren worden.“ Wer erlebe, was tagtäglich über die Mitarbeiter der Bezirksregierung in Sachen „Flüchtlings-Strom’ hereinbreche, stelle manche Fragen erst gar nicht.

Seit etwa acht bis zehn Tagen seien die Zahlen nach oben gegangen: „Als an einem Tag 800 Menschen kamen, dachten wir, das wäre der absolute Spitzentag, vorgestern waren es dann etwa 1 000 und heute bis jetzt schon fast 700“, beschrieb Söbbeler den akuten Notstand. Hinzu komme noch die Ankündigung aus anderen Bundesländern, dass NRW, das bevölkerungsreichste Land, noch etwa 1 000 Menschen aus diesen Bundesländern aufnehmen müsse.

„Nicht, um Leute zu ärgern“

Drastische Maßnahmen wie die Ordnungsverfügung für das „Regenbogenland“ „tun wir nicht, um die Leute zu ärgern.“ Es sei schlicht eine Reaktion auf die Extrem-Situation gewesen. Söbbeler: „Wir haben keinen Handlungs-Spielraum.“

Zu den Zahlen, auf die sich Olpe und das „Regenbogenland“ einstellen müssten, meinte der RP-Sprecher: „Ganz genau können wir das nicht beziffern. Wir gehen davon aus, dass im Regenbogenland 350 Menschen untergebracht werden können. Wie viele jetzt am Samstag eintreffen werden, steht noch nicht fest.“ Die vorhandenen etwa 180 Betten könnten aber „sehr schnell“ belegt sein.

Gespräche mit allen Landräten

Söbbeler: „Wir sind derzeit darum bemüht, weitere Betten zu bekommen.“ Das Flüchtlingsproblem sei natürlich kein reines Olper Problem: „Es laufen Gespräche mit allen Landräten im Regierungsbezirk, auch in den anderen Regierungsbezirken.“

Keine zusätzlichen Zuweisungen

Söbbeler bestätigte die Auskunft von Bürgermeister Horst Müller, dass in dem Moment, wo das Regenbogenland zur Notunterkunft werde, keine weiteren Flüchtlinge über den normalen Zuweisungs-Schlüssel nach Olpe kämen. Wenn jemand helfen wolle, so Söbbeler, seien derzeit sicherlich Kleider- und Spielzeugspenden das Notwendigste. Betten-Spenden würden keinen Sinn machen, das bekomme man logistisch nicht so schnell geregelt.

Die Betreuung der Flüchtlinge in der ehemaligen Familienferienstätte würden in erster Linie die DRK-Kreisverbände der Region übernehmen.

Auch Beckehoff überrascht

Landrat Frank Beckehoff bestätigte auf Anfrage, auch für ihn sei die Entwicklung überraschend gekommen: „Wir haben erst gestern eine Mitteilung aus Arnsberg erhalten, dass mit bundesweit rund 30 000 Flüchtlingen pro Monat zu rechnen sei. Etwa 6 000 davon entfallen auf Nordrhein-Westfalen. Daraus ergibt sich dieser dringende Handlungsbedarf.“

Alle Städte und Gemeinden seien angesprochen worden, nach geeigneten Notunterkünften Ausschau zu halten. „Die Voraussetzungen, die solche Notunterkünfte erfüllen sollen, sind eine Aufnahme-Kapazität von mindestens 150 Personen, die dort zwei bis vier Wochen bleiben könnten.“ Darüber hinaus müssten ausreichende und geeignete sanitäre Einrichtungen vorhanden sein.