Der Brennstoffhändler geht neuerdings zur Jagd

Kreis Olpe..  Montagmorgen, das Thermometer schafft es einfach nicht aus dem Minusbereich, der Wind schneidet, das Schneetreiben über dem Vorstaubecken in Olpe wird dichter. Ingo Erhardt und Roland Schwarzkopf haben trotzdem beste Laune. Aber nicht trotz, sondern wegen des miesen Wetters.

Die beiden sind Geschäftsführer der Bigge Energie, und die verdient ihr Geld nun mal mit Gas und Strom und deshalb haben sie ein - natürlich rein geschäftliches - Interesse an kalten Wintern, in denen die Heizungen hochgedreht werden und die Lampen möglichst früh und lange „brennen“.

Seit anderthalb Jahren gibt es die Bigge Energie. Sie ist am 15. Juli 2013 aus der Fusion der Stadtwerke Olpe und Attendorn sowie den Lister- und Lennekraftwerken hervorgegangen und davon, dass sich die Fusion, die zumindest in Attendorn politisch umstritten war, gelohnt hat, sind Erhardt und Schwarzkopf nach wie vor überzeugt. Mit der Bigge Energie sei ein Unternehmen entstanden, dass die Möglichkeit habe, sich auf dem Energiemarkt deutlich günstiger einzudecken, als es die drei Fusionspartner jeder für sich gekonnt hätten.

Knapp 82 Millionen Euro Umsatz machte die Bigge Energie 2013, 6,8 Millionen wurden als Jahresüberschuss an die Gesellschafter im Verhältnis ihrer Anteile überwiesen. Da die Verluste der Hallenbäder in Olpe und Attendorn gegengerechnet werden müssen, blieben in Olpe 486 000 (623 000) Euro, in Attendorn 1,08 (999 000) Millionen Euro übrig (in Klammern Ergebnis 2012).

Finanziell war 2013 also kein schlechtes Jahr, „organisatorisch eine Katastrophe“ erinnert sich Roland Schwarzkopf: „Wir haben aus Kisten und in Kisten gelebt. Vieles, was wir nach der Fusion relativ schnell erledigen wollten, haben wir nicht geschafft. Da waren die Planungen zu optimistisch.“ Das erste komplette Fusionsjahr war also 2014. Ein Jahr, das nach einer ersten Einschätzung von Ingo Erhardt aber schlechter enden wird als das vorangegangene. Was einerseits mit Investitionen zu tun habe, andererseits aber auch mit dem Wetter: „Das war“, so Schwarzkopf, „kein Winter.“ Vier Frosttage habe es gegeben: „Davon kann kein Brennstoffhändler leben.“

Der Gejagte wird zum Jäger

Dass die Bigge Energie aber auch besser mit warmen Wintern umgehen könne als die früheren Stadtwerke liegt nach Aussage von Schwarzkopf unter anderem am sogenannten Portfolio-Management. Versorger in einer Größe wie die Bigge Energie hätten die Möglichkeit, Energie viel exakter abgestimmt auf den tatsächlichen Bedarf einzukaufen. Die Stadtwerke hätten sogenannte „Korridore“ kaufen müssen, „und die sind teuer.“

Auch die Perspektive verschiebt sich. Aus den Gejagten, die sich von Billiganbietern Kunden abwerben lassen, sind Jäger geworden. „Das macht Spaß“, sagt Schwarzkopf. Gemeint sind Werbeaktionen, mit denen Bigge Energie in Lennestadt, Finnentrop, Drolshagen und Wenden auf Kundenfang geht. Flyer werden verteilt, auf denen Kunden aufgefordert werden die RWE-Preise für Strom und Gas mit denen der Bigge Energie zu vergleichen.

Ein Gebiet, auf dem es aber noch Luft nach oben gibt, wie ein Blick auf die Verkaufs-und Netzmengen zeigt. Die Vertriebsmenge ist die, die Bigge Energie an ihre Kunden verkauft hat, die Netzmenge die, die durch ihr Netz fließt (Grafik). Beim Strom fließt fasst doppelt so viel Energie durch das Netz der Bigge Energie, wie sie selbst verkauft.