Der Biggesee hat seinen Reiz nicht verloren

Olpe/Attendorn..  Er ist ein bisschen in die Jahre gekommen. Das ist kein Wunder, denn immerhin wird der Biggesee zwischen Attendorn und Olpe in diesem Jahr runde 50 Jahre alt. Nach Baubeginn im Jahr 1957 begann im November 1965 der Einstau der zweitgrößten Talsperre in Südwestfalen und der fünftgrößten in ganz Deutschland.

Wohl kein Bauprojekt hat die Region so nachhaltig geprägt wie der Biggesee. Schon lange ist der See, seine Betriebe und Nebenanlagen zu einer Selbstverständlichkeit in den Tälern zwischen der Kreisstadt Olpe und der Hansestadt Attendorn geworden. Das war in den ersten Jahren nach der Verabschiedung des Biggeseegesetzes 1956 durch den NRW-Landtag nicht so. Das Gesetz regelte die Finanzierung der Bauarbeiten.

Acht Jahre Bauzeit

Acht Jahre lang bestimmten Baufahrzeuge und Bauarbeiter das Leben in den Tallagen bevor das erste Wasser kam. Die ersten Planungen um die Wasserversorgung für das Ruhrgebiet sicher zu stellen, die Wasserstände der Ruhr und ihrer Nebenflüsse zu regulieren und einen riesigen Hochwasserschutzraum zu schaffen, reichen bis in das Jahr 1938 zurück.

Bereits 1912 hatte der damalige Ruhrtalsperrenverein, heute: Ruhrverband, die Listertalsperre gebaut, die später zu einem Vorbecken der neu entstandenen Biggetalsperre werden sollte.

Das Gesamtsystem umfasst heute ein Stauvolumen von 171,7 Mio. Kubikmeter, 150,1 Millionen in der Bigge- und 21,6 Millionen in der Listertalsperre. Somit ist die Biggetalsperre vom Fassungsvermögen her die fünftgrößte Talsperre Deutschlands.

Auch nach 50 Jahren ist die Biggetalsperre das Erholungsgebiet Nummer ein für die Bürger aus dem Kreis Olpe, aus der südwestfälischen Region und darüber hinaus und hat von ihrem Reiz nichts verloren, wie erst kürzlich eine Umfrage unserer Zeitung dokumentierte. Andererseits wünschen sich viele Besucher wieder einen ungehinderten Blick auf den See, der an vielen Stellen durch die Vegetation nach 50 Jahren nicht mehr frei einsehbar ist.

Regionale-Projekt

Im Zuge der Regionale 2013 in Südwestfalen soll der See mit dem Projekt „Naturerlebnisgebiet Biggesee – Listersee“ mit Blick auf Freizeitwert und Tourismusangebote weiter aufgefrischt und aufgewertet werden. Mit der Aussichtsplattform „Biggeblick“ nahe der SGV-Hütte Attendorn zwischen dem Staudamm des Biggesees und der Waldenburger Bucht sowie der Touristenbahn „Biggolino“ wurden in den letzten Jahren weitere Attraktionen geschaffen. Großer Beliebtheit erfreut sich seit jeher die Personnenschifffahrt auf dem Biggesee.

Patina angesetzt haben auch die technischen Einrichtungen. Deshalb plant der Ruhrverband für den Sommer 2015 die umfangreiche Sanierung des Biggehauptdamms. „Die Asphaltdichtung des Damms hat nach 50-jähriger Betriebszeit die erforderliche Elastizität verloren und ist in der Wasserwechselzone (oberer Bereich des Hauptdamms) durch rund 400 Risse geschädigt. „Die Erneuerung der oberen Dichtungsschicht ist zwingend erforderlich, um weitere Schäden und eine spätere wesentlich teurere Sanierung zu vermeiden“, so der Ruhrverband.

Daher muss der Wasserspiegel der Talsperre ausgerechnet im Jubiläumsjahr um 15 Meter abgesenkt werden. Einen vergleichbar niedrigen Wasserstand gab es zum Beispiel im Herbst 2003.

Wiederaufstau im Herbst

Nach Beendigung der 8 Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten, voraussichtlich im Herbst dieses Jahres, wird direkt mit dem Wiederaufstau begonnen – 50 Jahre nach dem Beginn des Einstaus vor 50 Jahren.