Den Alltag mit Behinderung meistern

Kreis Olpe..  Sie kochen, sie putzen, sie kaufen ein. Das ist für Andreas Weil und Siegfried Weigt nichts Besonderes. Doch nun geschieht dies in ihren eigenen vier Wänden und sie sind selbst für sich verantwortlich.

Alltagskompetenzen erlernen

Andreas Weil und Siegfried Weigt lebten mehr als 15 Jahren mit bis zu zehn anderen Personen in den Außenwohngruppen (AWG) der focus-Wohnhäuser für Menschen mit geistiger Behinderung am Nordwall in Attendorn, einer Einrichtung des Caritasverbandes Olpe. Hier erlernten sie mit Unterstützung der Mitarbeiter die notwendigen Fertigkeiten zum Führen eines Haushalts, den Umgang mit Geld, die Planung einer sinnvollen Freizeitgestaltung, den Umgang mit Konflikten und die Umgangsformen im Miteinander sowie dem Aufbau von Kontakten und Beziehungen.

Selbstvertrauen gewinnen

Auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Behinderung war immer wieder Thema. Durch diese vielen zu bewältigenden Aufgaben wuchs ihr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein soweit, dass sie nun endlich in ihrer eigenen angemieteten Wohnung leben wollten.

Andreas Weil hatte schon seit längerer Zeit den Wunsch, mit mehr Selbstverantwortung und weniger Betreuerpräsens in einer eigenen Wohnung zu leben. Die Wohnungssuche gestaltete sich als sehr schwierig, da Weil neben seiner geistigen Behinderung auch stark sehbehindert ist. Die bestehenden Wohnungsangebote kamen für ihn meistens nicht in Frage.

Siegfried Weigt konnte sich erst mit dem Gedanken die Wohnform zu wechseln anfreunden, als er hörte, dass er nicht unbedingt alleine in einer Wohnung leben muss, sondern das es möglich ist, auch in einer Wohngemeinschaft zu leben, die vom Fachdienst des Ambulant Betreuten Wohnens der Caritas unterstützt wird. Daraufhin taten sich die zwei Männer zusammen, um sich ihren Lebenstraum zu erfüllen.

Wohnung in zentraler Lage

Zusammen mit den Mitarbeitern der Außenwohngruppe ging es nun auf Wohnungssuche. Doch dies erwies sich als ein schwieriges Unternehmen. Zentrumsnah sollte die Wohnung sein, damit sie ihre bekannten Ärzte, Geschäfte, Freizeitmöglichkeiten beibehalten konnten. Gerade für die beiden mit ihren Handicaps ist es wichtig, die bekannten Wege weiterhin zu nutzen. Motorisiert sind beide auch nicht, so dass alles fußläufig erreichbar sein sollte. Ein ebenerdiger Zugang wäre gut, damit Treppen nicht zur Stolperfalle werden und Dachschrägen zu Kopfverletzungen führen könnten. Überdies sollte die Wohnung preiswert sein, damit sie für die beiden überhaupt finanzierbar wird.

Nach langem Suchen konnte im Herbst des vergangenen Jahres endlich zentral in Attendorn eine kleine Wohnung von sehr netten Vermietern bezogen werden. Zunächst war es für beide Herren doch eine große Umstellung, in einer eigenen Wohnung zu leben. Aber die beiden „Hausmänner“ haben sich gut eingelebt und meistern ihren Alltag weitgehend selber. Sie fühlen sich jetzt sehr wohl und genießen ihre eigenen vier Wände zu zweit.