Das Ende einer Brieftauben-Ära

Lütringhausen/Dortmund..  Es war ein einzigartiger Höhenflug der Rennpferde der Lüfte aus Lütringhausen. Jahrzehntelang eilten die Tauben der Henneckes am Firmament von Erfolg zu Erfolg. Vater Walter wurde 1986 Deutscher Meister, zuletzt hatte Tochter Iris erfolgreich allein die Brieftauben-Ära in Lütringhausen fortgesetzt. Allerdings ist der Höhenflug nun endgültig beendet. Notgedrungen. Wegen der Greifvögel zieht Iris Hennecke zum Wohl der Tiere einen Schlussstrich (wir berichteten). „Sperber, Habicht und Wanderfalken machen es nicht mehr möglich, die Tauben am Haus zu trainieren“, so Iris Hennecke.

Speedy doch kein Superstar

Einen allerletzten großen Ausflug in Sachen Brieftauben gab es für die Lütringhauserin am vergangenen Wochenende. Bei der weltgrößten Brieftaubenausstellung in der Dortmunder Westfalenhalle hatte sie sich mit „Speedy“ für den „Superstar 2015“ qualifiziert. Bereits 2014 hatte die leidenschaftliche BVB-Anhängerin mit ihrer Taube „Kloppo“ an diesem Wettbewerb teilgenommen.

„Leider ist Speedy nicht Superstar 2015 geworden, jedoch hat er sich als die mit Abstand älteste Taube im Wettbewerb in die Herzen vieler Besucher gebracht“, sagte Iris Hennecke im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihr Vater Walter habe aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mitfahren können. „Speedy“ habe sehr gute Kritiken von nationalen und internationalen Züchtern bekommen: „Einige sagten mir, dass er sich noch sehr gut und vital für sein Alter von 12 Jahren präsentiert hätte und man ihm das erhabene Alter gar nicht ansehen würde.“

In Dortmund stand Iris Hennecke in der Männerdomäne Brieftaubensport im Fokus: „Es ist ja selten geworden, dass eine Frau sich alleine so für den Brieftaubensport engagiert und auch noch in den letzten zwei Jahren so erfolgreich war und sich erstmalig zweimal hintereinander für den Superstar 2014 und 2015 in Dortmund qualifiziert hatte.“

Besonders interessant sei in der Westfalenhalle die Begegnung mit zwei Chinesen gewesen, die auch an Taubenrennen in ihrem Land teilnehmen. „Sie waren so begeistert von Speedy und meinen Erfolgen mit den Sporttauben, dass wir Adressen ausgetauscht haben“, berichtete Iris Hennecke. Und: „Sie meinten hinterher, ich sei ein Multitalent, als ich ihnen von meiner früheren Karriere als Fußballerin beim TSV Siegen, mit dem ich dreimal Deutsche Meisterin und viermal Deutsche Pokalsiegerin wurde, und meiner Berufung in den erweiterten A-Nationalmannschaftskader der Fußballfrauen 1984 mit erst 15 Jahren erzählte. Sie staunten auch, als sie hörten, dass ich als Sportschützin viele Erfolge hatte, wie dreimal Westfalenmeisterin mit der Luftpistole bzw. Kleinkaliber-Sportpistole und fünfmalige Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in München.“

Autogramm auf der Eintrittskarte

Auch auf dem Galaabend des Deutschen Brieftaubenverbandes in Dortmund habe sich ihre frühere sportliche Karriere schnell herumgesprochen: „Ein Taubenzüchter kam und wollte unbedingt ein Autogramm auf seiner Eintrittskarte, als er hörte, dass ich mit Silvia Neid zusammen in Siegen gespielt habe. Er bekundete auch Interesse an meinen Tauben. So wurden viele Freundschaften geschlossen, und es war ein gelungener und würdevoller Abschied für mich. Es tut mir im Herzen weh, nicht mehr aktiv am Taubensport teilzunehmen. Jedoch bleibe ich meinen Tieren treu, denn ohne sie hätten wir die Erfolge nie erreicht.“