Das Ehrenamt in der Krise

Wilgersdorf..  Bis zur nächsten Sommersynode in einem Jahr soll sich eine Projektgruppe Ehrenamt mit der Zukunft dieses wichtigen Bestandteils der Arbeit im Kirchenkreis beschäftigen. Darauf einigten sich die rund 150 Delegierten der Kreissynode gestern Mittag. Wie immer trafen sie sich in der CVJM-Bildungsstätte in Wilgersdorf.

Ursprünglich war geplant, erste Leitlinien für ein kreiskirchliches Konzept zu diesem Jahresthema bereits im Rahmen der Synode in Kleingruppenarbeit zu erstellen. Die setzten sich allerdings erst mit deutlicher Verspätung zusammen und präsentierten keine greifbaren Ergebnisse. Genaugenommen hatte Superintendent Peter-Thomas Stuberg den aktuellen Stand der Befindlichkeit auch bereits in seinem Vortrag „Gestaltung und Zukunft des Ehrenamtes in einer sich verändernden Kirche“ vorweggenommen, der mehr oder weniger die Essenz aller Berichte aus dem Einrichtungen, Gemeinden undf Referaten lieferte.

Probleme bei der Telefonseelsorge

Grundtenor war die Feststellung, dass die Bereitschaft der Menschen, sich überhaupt und dann auch noch längerfristig zu engagieren, durch verschiedene Faktoren stark abgenommen hat. Habe etwa die Telefonseelsorge in Siegen in früheren Jahren nie Probleme gehabt, neue Freiwillige zu finden, sei dies heute lange nicht mehr so. Die Menschen seien allgemein eher durch einzelne Projekte ansprechbar, wollten sich nicht mehr automatisch für lange Zeit binden. Die Kirche müsse darauf reagieren, kleinteiliger werden.

Das hatte auch Dechant Werner Wegener als Gastredner in anderer Form schon angesprochen. Die Kirche müsse sich darauf einstellen, die Menschen abzuholen und zu fördern, die sich mit ihren Gaben einbringen wollten, und dafür in veränderten Zeiten auch neue Wege finden. In dieser Hinsicht seien die beiden christlichen Kirchen gar nicht so weit auseinander, befand danach Dr. Ulrich Möller als Vertreter der Landeskirche. Neue Formen des Miteinanders in der Kirche seien gefragt. Auch strukturell müssten sich die Gemeinden an einen anderem Umgang miteinander gewöhnen und zugleich daran, sich selbst zu organisieren, statt wie früher von „oben“ durchweg versorgt zu werden.

Superintendent Stuberg betonte, dass es vor allem auch wichtig sei, den Ehrenamtlichen mit Wertschätzung zu begegnen, erntete mit seinen Ausführungen allerdings auch Kritik.

Wofür soll Kirche künftig stehen?

Ute Waffenschmidt-Leng etwa forderte eine Grundsatzdiskussion über die Ausrichtung der Kirche. Wolle diese eine große Marketingorganisation werden, die sich mit Leuchtturmprojekten an die Öffentlichkeit begebe, oder solle sie nicht vielmehr ihre Energie in die Arbeit vor Ort, für die Menschen und den Frieden stecken. Die Ehrenamtler dürften auch nicht den Eindruck bekommen, für die wegen angeblicher Geldprobleme reduzierten Hauptamtlichen in die Bresche springen zu müssen: „Angeblich deshalb, weil die Gewinne in den Kassen nach wie vor steigen!“

Eine weitere Delegierte bedauerte das Fehlen „eines altmodischen Wortes wie Pflicht.“ Es könne doch nicht sein, dass jeder nach ein paar Woche sagen könne, ‘das ist mir zu langweilig, ich höre wieder auf’. Eine solche Neuausrichtung gefalle ihr nicht.