Blick auf die Klagewoche

Jawohl, die gibt es: Einmal im Jahr ist Karneval – heißt es in einem alten Karnevalsschlager, aber einmal im Jahr ist auch die Klagewoche. Das Datum der Klagewoche hängt sogar vom Karneval ab: Sie fängt nämlich, wenn man mit dem Tag nach Fastnacht beginnt, fünfeinhalb Wochen danach an.

Wer rechnen kann, der merkt, dass der Sonntag, mit dem die Klagewoche beginnt, der Palmsonntag sein muss. Und vielleicht denkt jetzt die eine oder der andere: Will uns der Kerl veräppeln? Die heißt doch gar nicht Klagewoche, das ist doch die Karwoche!“

Veräppeln will ich gewiss niemanden. Aber das Kar- im Wort Karwoche geht auf ein altdeutsches Wort kara zurück, das „Klage“ bedeutet. Dieser Begriff richtet den Blick vor allem auf die Qual und das Leiden, das Christus bei seinem Erlösungswerk für die Menschheit auf sich genommen hat.

Im Plattdeutschen existiert noch ein Wort, das auch damit verwand ist: karmen, was auch „klagen, jammern“ bedeutet. Auf so etwas verstehen sich auch eingebildete Kranke, sogenannte Hypochonder. Kalle ist auch so einer, seine Frau weiß davon ein Lied zu singen: „Ick sin et leie, ratz leie! Der Keerl is liuter amme Karmen, dann hiät hei düet, dann hiät hei dat, un wann de Dokter iämme dat eine futtkuiert hiät, dann karmet hei all wier üewer wat anners. (Ich bin es leid, völlig leid!

Der Kerl ist immer am Jammern, dann hat er dies, dann hat er das, und wenn der Arzt im das eine weggeredet hat, dann klagt er schon wieder über etwas anderes.)“

Die Bezeichnung „Karwoche“, im sauerländer Platt „Karwiäcke“ ist eine typische Bezeichnung des deutschen Sprachraums. In den romanischen Sprachen ist es die „heilige Woche“: italienisch settimana santa, spanisch semana santa, französisch semaine sainte.

Im Rumänischen wird die Karwoche „săptămână patimilor“ genannt, was übersetzt Woche der Leiden (Christi) bedeutet. In Russland spricht man von der swjatája i welíkaja ßedmítza, die deutsche Übersetzung dazu lautet: Heilige und große Woche. Denselben Namen trägt die Karwoche in Griechenland; in griechischer Sprache klingt das so: i agía ke megáli ebdomáda. Die Engländer machen es etwas schlichter: Ihre „Holy Week“ entspricht einer deutschen Heiligen Woche.

Das Schönste ist, dass die Karwoche in das Osterfest einmündet. Da ist mit Fasten und Verzichten endlich Schluss (awwer gint Johr kümmer’t wier – aber nächstes Jahr kommt das wieder)!