Beunruhigender Einblick in eine Parallelwelt

Berlin / Hofolpe..  „Schon die Nominierung war eine Überraschung. Bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises in Riga staunten Regisseur Mark Bauder und Cutter Hansjörg Weißbrich nicht schlecht, als die Jury „ihren“ Dokumentarfilm „Der Banker - Master of the Universe“ mit dem Europäischen Filmpreis auszeichnete. Im Mittelpunkt des Filmes stehen ein verlassenes Bankgebäude, ein hochrangiger Investmentbanker und ein beunruhigender Einblick in eine Parallelwelt.

Dokumentarfilm

Zum ersten Mal packt in diesem Dokumentarfilm ein echter Insider des internationalen Finanzgewerbes aus, einer der ehemals führenden Investmentbanker Deutschlands. Rainer Voss, der in seiner aktiven Zeit locker mit Millionen hantierte, erzählt aus eigener Anschauung, wie es in der glitzernden Finanzwelt wirklich zugeht, von all ihren Abgründen, Skrupellosigkeiten und quasi-religiösen Gesetzmäßigkeiten.

Cutter Hansjörg Weißbrich war unmittelbar an dem Film beteiligt. Zusammen mit seiner Kollegin Rune Schweitzer stellte er die ausgezeichnete Produktion aus rund 30 Stunden Filmmaterial zusammen. Zunächst wurde das Material mit Regisseur Mark Bauder gesichtet. „Die Schwierigkeit beim Dokumentarfilm liegt darin, dass es kein Drehbuch und keine vorgegebene Struktur gibt“, erklärt der gebürtige Hofolper im Gespräch mit unserer Zeitung.

Meilenstein

Für Hansjörg Weißbrich war „Der Banker“ der zweite Dokumentarfilm und die Preisverleihung ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere. Bereits im Mai wurde Hansjörg Weißbrich in Berlin mit der „Lola“, dem höchstdotierten deutschen Kulturpreis, ausgezeichnet, der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, in diesem Fall Staatsministerin Monika Grütters, in 21 Kategorien vergeben wurde (wir berichteten). Es war das zweite Mal, dass Hansjörg Weißbrich diese hohe Auszeichnung in Händen hielt. Vor vier Jahren erhielt der 47-Jährige den Deutschen Filmpreis für den Schnitt des Films „Sturm“.

Ein Glücksgefühl, das so schnell nicht vergeht, und die Belohnung für die jahrelange, akribische Arbeit eines engagierten Mannes, der sich im hartumkämpften Filmgeschäft längst einen Namen gemacht hat. Das erfolgreiche Jahr 2014 setzte sich schon im Juni mit der Auszeichnung mit dem Deutschen Kamerapreis für den besten Schnitt beim Film „Traumland“ fort. Und wie geht´s weiter? Die nächste, spannende Herausforderung liegt bereits auf dem Tisch. Seit Dezember sind die Dreharbeiten zu „Colonia“ abgeschlossen. Ein Thriller mit hochkarätiger Starbesetzung. In den Hauptrollen: Emma Watson (Harry Potter, Noah, The Bling Ring) in ihrer ersten Hauptrolle seit Harry Potter, und Daniel Brühl (Rush, Good Bye Lenin).

Internationale Produktion

Eine internationale Produktion, für die in Luxemburg, München, Berlin und Südamerika gedreht wurde. Im Mittelpunkt stehen die Machenschaften der Sekte „Colonia Dignidad“ im Süden Chiles. Ein spannender Film, nach dem Drehbuch von Oscar-Gewinner Florian Gallenberger und Torsten Wenzel, mit dem Hansjörg Weißbrich noch etwa zwei bis drei Monate beschäftigt sein wird. Was danach kommt, steht noch in den Sternen. Einige interessante internationale Projekte liegen dem gebürtigen Hofolper bereits vor. „Die Entscheidung treffe ich nach der Berlinale“, so Hansjörg Weißbrich, der hervorhebt, froh zu sein, dass der Beruf des Cutters ihn gefunden und er nach wie vor viel Spaß daran habe.