Beschwingtes Konzert mit Radetzkymarsch und Neujahrsbrezel

Meggen..  Das Neujahrsrezept von Goethes Mutter („ Man nehme zwölf Monate, putze sie ganz sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst…“) las Beate Schmies, Leiterin des WDR-Studios Siegen, als eine Art Leitlinie für das Jahr 2015 vor, ehe die „Philharmonie Südwestfalen“ unter der Leitung ihres Chefdirigenten Charles Olivieri-Munroe im ausverkauften PZ in Meggen den letzten Teil ihres genussvollen Reigens aus Märschen, Walzern und Ouvertüren zu Ende brachte.

Ausverkauft

Genauso gedrängt wie im Publikumsbereich ging es auf der Bühne zu. Vierzig Musiker mit Geigen, Harfe, Flöten, Klarinetten, Trompeten, Bratschen, Kontrabässen und Schlagwerk mussten dort nicht nur Platz zum Sitzen, sondern auch zum Arbeiten finden. Bevor aber Beate Schmies und die Musiker begannen, wünschte Vorsitzender Paul-Wilhelm Thiel allen Besuchern im Namen der Kulturgemeinde Hundem-Lenne ein gutes neues Jahr.

Er dankte den Sponsoren, ohne die, wie er ausführte, Konzerte und Theateraufführungen in der gewohnten Form nicht möglich wären, aber auch allen anderen Besuchern für ihr anhaltendes, reges Interesse. Unzweifelhaft hat sich das Neujahrskonzert im PZ, das die „Philharmonie Südwestfalen“ mehrfach im Siegener und Sauerländer Raum aufführt, zu einer Muss-ich-hin-Veranstaltung entwickelt.

Walzer und Ouverture

Beate Schmies, die – von jedem Komponisten ein Apercu auf den Lippen – durchs Programm führte, konnte denn auch die heimische Politprominenz begrüßen, die Bürgermeister von Lennestadt und Kirchhundem Stefan Hundt und Andreas Reinéry.

Sie erzielte einen ersten Lacher mit dem Satz, sie freue sich, dass die beiden Bürgermeister, wie sie gehört habe, gut zusammenarbeiteten, aber dadurch würde es hoffentlich nicht passieren, dass die Lennestädter auch eine Steuererhöhung bekämen. Ein erstes musikalisches Ausrufezeichen folgte nach der Ouvertüre zum „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß mit dem Walzer aus der „Streicherserenade“ von P. Tschaikowsky. Dieser Walzer hat nach der Uraufführung der Serenade 1880 ein Eigenleben begonnen. Nicht umsonst. Sein Thema ist leicht und gleichzeitig fest wie feiner Chiffon. Wesentlich weniger schwebend ist dagegen die Rhapsodie „Espana“, der größte populäre Erfolg des französischen Komponisten Emmanuel Chabrier. Er schrieb sie als Antwort auf einen Spanienaufenthalt.

Frisch aus der Pause

Nach der Pause wirkte das Orchester frischer und direkter. Die zweite Hälfte begann mit der beeindruckenden Ouvertüre zu der russischen Oper „Ruslan und Ludmila“ von Michail Glinka und dem äußerst starken Intermezzo Puccinis aus seiner einaktigen Oper „Sour Angelica“.

Suppé und Strauß waren die weiteren Stationen dieser Reise durch das musikalische 19. Jahrhundert Europas. Auch deswegen eine gelungene Mischung. Aber auch, weil nicht nur ein Evergreen den anderen jagte, sondern sich die Musik breiter, offener darstellte.

Der Walzer „An der schönen blauen Donau“ beschloss den Programmzettelteil des Konzerts. Das durchweg begeisterte Publikum bekam seine Zugaben wie die „Pizzicato-Polka“ von Johann Strauß und natürlich den obligatorischen Radetzkymarsch.

Danach naschten sämtliche Beteiligte des Konzerts zufrieden von den Neujahrsbrezeln einer heimischen Großbäckerei oder fuhren sofort durch Dunkelheit und Regen nach Hause.