Beruf Försterin – wenn Frauen den Wald erobern

Forstinspektorin Silke Düllmann ist in männlicher Begleitung in ihrem Revier in Welschen Ennest unterwegs: Ihr Hund Leo ist meist dabei.
Forstinspektorin Silke Düllmann ist in männlicher Begleitung in ihrem Revier in Welschen Ennest unterwegs: Ihr Hund Leo ist meist dabei.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Silke Düllmann ist Försterin im Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland. Sie betreut private Waldbesitzer. Frauen in diesem Beruf sind die Ausnahme.

Olpe.. Der Förster wohnt mit seiner Familie im Forsthaus. Er hat einen grünen Hut auf dem Kopf, eine Flinte auf dem Rücken und einen Rauhaardackel am Fuß. So weit das Klischee.

Dagegen die Realität: „Lohnt das, hier noch einmal durchzuforsten?“ „Es ist schon sehr licht. Bei noch dünnerem Bewuchs würde der Wind zum Problem. Also lieber ganz entnehmen. Wollen sie selber hauen?“ „Nee, machen Sie es nur runter. Und was packen wir dann drauf - Laub oder Nadel?“ „Ich würde die Küstentanne empfehlen. Die ist wildresistenter als die Douglasie.“

Fichten bezahlen Kachelofen

Ein Gespräch im Wald, Alltag für Silke Düllmann. Die Försterin für den Bezirk Welschen-Ennest berät vier Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) und fünf Waldgenossenschaften. Im Privatwald bietet sie Betreuung gegen (vom Land subventioniertes) Honorar. Heute steht sie mit Karl-Heinz Greiten, dem Vorsitzenden der FBG Benolpe, vor den 60 Jahre alten Fichten, die der als Kind selbst mit gepflanzt hat.

Und jetzt will der Rentner in sein Haus investieren, einen neuen Kachelofen kaufen und Geld von der Waldsparkasse abheben. Und er nutzt die Kenntnisse und die Organisation der Forstinspektorin: „Ich bin kein Forstwirt, sondern gelernter Kaufmann und ererbter Waldbesitzer. Ich brauche die Kompetenz des Fachmanns.“

Jetzt hat er also „Mann“ gesagt. Aber das meint er nicht so. Er hat kein Problem damit, dass der Förster eine Frau ist. Und falls andere Waldbesitzer oder Kollegen eines hätten, lassen sie die 38-Jährige das nicht spüren. Silke Düllmann kann von keinen unangenehmen Erfahrungen berichten. Sie ist zwar immer noch die Ausnahme, aber nicht mehr die absolute Pionierin: „Ich bin zwar die einzige Försterin im Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland, aber nicht die erste.“ Es gab also eine Vorgängerin.

In NRW beträgt die Försterinnen-Quote inzwischen neun Prozent. Richtig viel ist das noch nicht. Doch die Ausbildung wurde erst 1974 von den Waldarbeiterschulen an die Fachhochschulen übertragen. Seitdem sind Frauen zugelassen. Als Düllmann in Göttingen studierte, waren immerhin zwei Frauen im Semester. Bei der Ausbildung zum Forstwirt im Münsterland war sie das einzige Mädchen. Die Lehre hat sie gemacht, weil sie wissen wollte, was sie den Leuten abverlangt, die im Wald Hand anlegen.

Der jagende Vater

Doch was treibt ein Mädchen aus Castrop-Rauxel überhaupt in den Wald? „Der jagende Vater hat mich da sicher geprägt. Ich wollte nie etwas anderes.“

Nach ihrer Anwärterzeit im damaligen Forstamt Arnsberg hat Silke Düllmann dann die ganz großen Wälder gesehen. Für acht Jahre war sie in den USA, erwarb einen Master im Umweltmanagement, arbeitete für den Forest Service in Oregon, war für ein Revier von 150 000 Hektar zuständig und im Sommer als Fire Fighter tätig.

Sie ist damals nicht ganz freiwillig weg: „Es gab bei uns keine Stellen.“ Das hat sich geändert. In NRW werden in den kommenden zehn Jahren 150 Förster in den Ruhestand gehen. Im höheren Forstdienst gab es zwischen 1992 und 2012 keine Einstellungen. „Wer jetzt auf dem Weg ist, hat perfekte Berufsaussichten“, sagt der Olper Forstamtsleiter Klaus Lomnitz. Einen höheren Frauenanteil wünscht er sich.

Ganz ohne männliche Begleitung fährt jedoch auch Silke Düllmann nicht in den Wald. Neben der Kuppe zum Messen der Stammdicke, dem Maßband für die Länge des gefällten Holzes und der Spraydose zur Markierung ist auch Leo, ihr ungarischer Vorstehhund, immer dabei. Zur Sicherheit. Seine Eigenschaften als Jagdhund sind im knapp 2000 Hektar großen Revier nicht gefragt. Die Försterin jagt. „Aber nur privat.“

Die Arbeit hat sich verändert. Die Technik hat manches erleichtert. Es geht heute um die Balance zwischen Ökonomie und Ökologie, um Umweltbildung und Verkehrssicherung. Handy und Laptop sind selbstverständlich, zur digitalen Karte lassen sich online Standortbedingungen abfragen. Die Vielfalt der Aufgaben, die Abwechslung, die Arbeit im Freien - das ist es immer noch, was Silke Düllmann begeistert. Auch wenn sie gut ein Drittel ihrer Zeit im Büro verbringt. Berichte, Stellungnahmen. Im Forstamt stecke die Fachkompetenz, betont sie: „Der Förster ist kein Einzelkämpfer, nur das Gesicht vor Ort.“ Und öfter mal ein weibliches. Langsam erobern die Frauen auch den Wald.