Berater und Gewerkschaft unnötig
08.08.2007 | 15:51 Uhr 2007-08-08T15:51:24+0200Fortsetzung von Seite 1 Attendorn/Kreisgebiet. (pep) Bei der Mittelstands-veranstaltung der Volksbank Bigge-Lenne überraschte Trigema-Chef Wolfgang Grupp mit seinen Thesen.
Etwa mit der Aussage, dass bei ihm weder Unternehmensberatungen noch Personalvermittlungen ins Haus kommen und auch kein Geld für Stellenangebote ausgegeben wird. Seine Erklärung: "80 Prozent der Unternehmensberater waren selber Unternehmer und wurden nach ihrer Insolvenz Berater." Auf Personalvermittler kann er verzichten, weil: "Wer in Hamburg keine Arbeit findet und bereit ist, nach Schwaben zu kommen, muss eine Flasche sein, sonst hättte er Arbeit in Hamburg".
Arbeitskräfte rekrutiert Wolfgang Grupp mit Vorliebe aus den Familien der Mitarbeiter, deren Kindern er eine Beschäftigungsgarantie gibt. Auch wegen der sozialen Kontrolle, die die Eltern ausüben. Der gut ausgebildete Nachwuchs ist auch das Becken, aus dem der Trigema-Chef seine Führungskräfte fischt.
Die engen Bindungen "in der großen Firmenfamilie" lassen sich die Mitarbeiter auch einiges Kosten. So führte Grupp bereits frühzeitig und ohne wirtschaftliche Not die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ein, und die Abschaffung der Überstundenzuschläge sei sogar "auf Wunsch der Mitarbeiter" erfolgt, so Grupp. Allerdings resultierte dieser Wunsch aus der Ankündigung des Firmenpatriarchen, angesichts nach Entlassungen "beim Daimler" Schlange stehender Arbeitsplatzbewerber die beliebten freiwilligen Überstunden zugunsten von Neueinstellungen abzuschaffen.
Grundlage für eine hohe Zufriendenheit und Motivation der Mitarbeiter sei Gerechtigkeit bei den Löhnen sowie Ehrlichkeit im Umgang. "Was versprochen wurde, wird eingehalten. Was nicht versprochen wurde, kann auch die Gewerkschaft nicht einfordern". Zu der hat Wolfgang Grupp ebenfalls eine Meinung: "Die Stärke der Gewerkschafen resultiert aus der Schwäche des Unternehmers".
Thesen nicht für alle Branchen richtig
Die Teilnhemer an der folgende Podiumsdiskussion konnten sich nicht allen Thesen Grupps anschließen. Jürgen Hillesheim, Geschäftsführer des Attendorner Automobilzulieferers GEDIA, machte deutlich, dass es in seiner Branche überlebensnotwendig ist, den Kunden auch mit Produktionen in die Märkte, also auch nach Asien, zu folgen. Allerdings, und da war er dann wieder mit Grupp einig, müsse das technische Know-How in Deutschland bleiben, was den Standort stärke. Felix Hensel erklärte, auch die Elektroinstallations- und Verteilerindustrie müsse zumindest vor Ort teilmontieren, sonst habe man heute "keine Chance".
Der von Volksbankchef Peter Kaufmann als "unser Mister Mittelstand" vorgestellte Parlamentarische Staassekretär im Wirtschaftsministerium Hartmut Schauerte machte deutlich, dass Grupps Weg "nicht der Weg für alle sein kann. Wir brauchen beide Unternehmertypen". Die Rückkehr Deutschlands zur Wettbewerbsfähigkeit sei vor allem mit der Abkehr vom "kollektiven Wahnsinn der Arbeitszeitverkürzung" verbunden.
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