Beim Fußball spielt Sprache keine Rolle

Olpe..  „Raus aus dem Heim, rein ins Trikot“. Dieses Motto trifft den Nagel auf den Kopf, wenn dienstags in der frühen Nachmittagszeit auf dem Nebenplatz des Kreuzberg-Stadions in Olpe zwei bunt gemixte Mannschaften dem runden Leder hinterher jagen. Auf dem Platz geht es international zu, die Champions-League ist nichts dagegen. Auffällig unüberhörbar das babylonische Sprachengewirr.

Rund zwanzig Asylbewerber tummeln sich an diesem Tag vor den Augen von Michael Olberts, lizenzierter Trainer der Spielvereinigung Olpe und Initiator eines Asylantenprojekts, und sie freuen sich über gelungene Spielzüge und Tore. Doch das sind nur Nebenprodukte des Projekts, das Olberts in Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Warenkorb e.V. Olpe, der Caritas St. Marien Olpe und der Spielvereinigung Olpe vor fünf Monaten angestoßen hat.

„Zeitvertreib und Aggressionsabbau waren das erste Ziel“, erläuterte Olberts die Triebfeder für das Projekt, „aber auch das gemeinsame Spiel unter Gleichgesinnten.“ Und das ist gar nicht so einfach, betrachtet man nur die Vielzahl der Herkunftsländer, die von Vorderasien über Nord-, Nordost- und Westafrika bis auf den Balkan reichen.

Hilfe erforderlich

Natürlich weniger abenteuerlich als die verschlungenen Wege aus ihren Heimatländern in den Kreis Olpe ist der Transport von ihren Unterkünften in Olpe, Gerlingen und Hillmicke auf den Kreuzberg. „Dafür stellt der Verein seinen Kleinbus zur Verfügung. Zudem sind regelmäßig vier Pkw notwendig, um die Kicker einzusammeln, aber auch wieder zurückzubringen“, erzählt Olberts weiter und ergänzt: „Für diese Transporte sind wir dringend auf Hilfe angewiesen.“

„Trainingsbekleidung stellt der FLVW aus Altbeständen zur Verfügung, weitere Kleidung kommt aus der Kleiderkammer und von privaten Spendern. Fußballschuhe werden von Aktiven des Vereins gespendet oder von der Caritas in Olpe und Wenden finanziert“, weist Olberts auf die Ausstattung mit sportlichen Utensilien hin, allerdings „besteht bis heute ein Mangel daran.“

Mittlerweile Vereinsmitglieder

Die Liste der Teilnehmer, die Michael Olberts präsentiert, ist lang. „Doch einige haben nach Erhalt ihrer Grundausstattung den Kreuzberg nicht mehr betreten“, weist der engagierte Pensionär auch auf Probleme hin, „doch jetzt sind wir mit der Ausgabe nicht mehr so schnell bei der Hand.“ Etwa 18 bis 24 Asylbewerber nehmen derzeit regelmäßig am Training, das natürlich auch hohe Spielanteile beinhaltet, teil.

„Aus Gründen des Versicherungsschutzes sind alle Spieler mittlerweile dem Verein beigetreten.“ Aber, so Olberts: „Die Bezahlung der Mitgliedsbeiträge ist noch ungeklärt. Die Sozialämter der Kommunen sehen keine Möglichkeit, diese Kosten zu übernehmen.“ Das Niveau kann sich sehen lassen. Im Moment nehmen fünf Spieler sogar am Training der Zweiten teil.

Gelebte Integration

Wenn auch das Niveau zur Teilnahme am aktiven Spielbetrieb ermutigt, so müssen bis dahin doch hohe bürokratische Hürden überwunden werden. Der Weg zum „Welcome United 03 “-Team des Regionalligisten SV Babelsberg 03, einer reinen Flüchtlingsmannschaft, ist noch weit. Aber der Einbau in bestehende Mannschaften ist angedacht. Sport als gelebte Integration für Asylbewerber sollten sich alle Sportler – und nicht nur diese – auf ihre Fahne schreiben.