Beeindruckendes Spiel mit den Elementen

Es war ein denkwürdiger Klavierabend an einem denkwürdigen Tag: Tamar Beraia aus Tiflis begeisterte mit ihrer wundervollen Klaviermusik – genau 70 Jahre nach Kriegsende. Zu diesem Anlass war das Auditorium mit vorwiegend französischen und englischen Gästen verstärkt im fast ausverkauften Saal des Olper Kreishauses.

Reizvolles Programm

Bemerkenswert war das von der Künstlerin äußerst reizvoll zusammengestellte Programm, das an sich schon ein eigenes Gesamtkunstwerk darstellte: Sehr sorgsam hatte die Pianistin kleinere Stücke von Claude Debussy, Luciano Berio, Maurice Ravel und Manuel de Falla, die sich allesamt der musikalischen Darstellung der vier Elemente widmen, zu einer farbigen, vielseitigen und dennoch als Einheit wahrnehmbaren Klangcollage verbunden, die beim Hören en bloc eine ganz eigene innere Dynamik und Dramaturgie zu entwickeln vermochte.

Hier vernetzte die Künstlerin beispielsweise die wundervoll sphärisch-geheimnisvollen Klänge des bekannten Stückes „Clair de lune“ (Mondschein) von Debussy mit dem polyphon geprägten und ein hohes Maß an Virtuosität einfordernden „Luftklavier“ von Berio. Als wahres pianistisches Feuerwerk gestaltete sich dann tatsächlich das „Feux d’artifice“ von Debussy.

Ausdrucksreichtum und Fantasie

Beraia kreierte hier vor dem inneren Auge ihrer Zuhörer sprühende Funken und bengalische Feuer. Berios „Wasserklavier“, in dem Motive aus der Feder von Brahms und Schubert verarbeitet wurden, vermochte durch seinen innere Ruhe ausstrahlenden Gestus die zuvor entfachten Feuer zu löschen, bevor die Reflexionen des Lichts auf dem Wasser in Debussys „Reflets dans l’eau“ mit bewegtem Klangfarbenspiel und tonmalerischen Elementen beim Zuhörer innerlich eine weitere Abkühlung ermöglichten.

In Maurice Ravels „Jeux d‘ eau“ (Wasserspiele) offenbarte die Künstlerin am Steinway-Flügel insbesondere die belebende Frische des Elements Wasser und konnte dabei ihre technische Perfektion und Virtuosität eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Dann brannte es wieder lichterloh. Das „Feuerklavier“ von Berio entwickelt sich von einem ersten Funken sprühenden Tremolo bis hin zu einem brausenden hochexpressiven musikalischen Feuersturm, der allerdings am Ende ermattet in sich zusammenbricht.

Wahrhaft spanisches Feuer wurde dann am Schluss des ersten Konzertteils hörbar: Manuel de Fallas „Danza ritual del Fuego“ (Ritueller Feuertanz) krönte mit seiner reizvollen andalusisch-folkloristischen Einfärbung das beeindruckende Spiel der Elemente.

Nach der Pause erklang dann Schubert. Wie schon im ersten Teil des Klavierabends wusste die Pianistin am Steinway-Flügel auch bei der Darbietung der Sonate A-Dur D959 durch ihren Ausdrucksreichtum, die Tiefe ihrer Interpretation sowie durch ihr hohes Maß an künstlerischer Fantasie zu überzeugen.

Es gelang ihr auf unnachahmliche Art und Weise. Das Publikum würdigte dies mit Standing Ovations.

Tim Fellner ist nächster Gast

Nächster Gast im Kreishaus ist der Wiener Pianist Till Fellner am Freitag, 18. September. Seit mehr als 20 Jahren ist er ein gefragter Gast bei wichtigen Orchestern und in den großen Musikzentren Europas, der USA und Japans. Seit 1997 ist er auch ein regelmäßiger Gast bei Piano Solo.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE