Beeindruckende Bilder von der Stunde Null

Wilma Ohly vom Museumsverein begrüßt die etwa 120 Besucher der Filmvorführung "Als die Amerikaner kamen" im Alten Lyzeum in Olpe.
Wilma Ohly vom Museumsverein begrüßt die etwa 120 Besucher der Filmvorführung "Als die Amerikaner kamen" im Alten Lyzeum in Olpe.
Foto: WP

Olpe/Kreis Olpe..  Keine Frage: Das Kriegsende im Sauerland interessiert die Bürger im Kreis Olpe, auch nach 70 Jahren. Und nicht nur die Älteren, die den Untergang des dritten Reiches damals miterlebt haben, auch viele Jüngere sind interessiert daran, was damals vor der eigenen Haustür passierte. So mussten am Dienstag Abend im Alten Lyzeum erst einmal zusätzliche Stühle für die rund 120 Besucher im Vortragssaal gestellt werden, bevor das LWL-Medienzentrum aus Münster in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Stadtmuseum seine neueste Dokumentation mit dem Titel „Als die Amerikaner kamen“ zeigen konnte.

Gut 55 Minuten lang liefert die Dokumentation bewegte Schwarz-Weiß-Bilder über die letzten Kriegswochen im Frühjahr 1945 in Westfalen. Auch die Dörfer des Sauerlands wurden im März/April ‘45 von amerikanischen Soldaten zum Teil gegen deutschen Widerstand, zum Teil kampflos erobert. Begleitet wurden sie von Kamerateams, die die Besetzung der Region zwischen Ruhr und Weser auf Film festhalten. „Eingebettet“ in die vorrückenden Einheiten drehten die Kameraleute Bilder von Sieg und Niederlage, Ende und Neuanfang des Jahres 1945.

Es gibt einige Fotos aus jener Zeit, aber echtes Filmmaterial war bis jetzt nicht bekannt. Denn die Reste der Deutschen Wehrmacht und die Zivilbevölkerung hatten damals andere Sorgen, als zur Filmkamera zu greifen. „Wir saßen voller Angst in Bunkern und Kellern“, erinnert sich Wilma Ohly, Vorsitzende des Museumsvereins.

Kaum Ausschnitte aus dem Kreis

So hatten viele Besucher im Lyzeum auf längere Filmausschnitte aus dem Kreis oder vielleicht sogar aus dem eigenen Dorf oder Wohnviertel gehofft. Hier blieb der Film hinter den Erwartungen zurück. Bis auf einige, kurze Sequenzen aus Würdinghausen, wo unter der zerstörten Eisenbahnbrücke gekämpft wird, aus Altenhundem, wo das Vorrücken in der heutigen Helmut-Kumpf-Straße zu sehen ist, oder aus Elspe, wo zerstörte Häuser nach der Einnahme durch die Amerikaner gezeigt werden, gibt es kaum Ausschnitte aus dem Kreisgebiet. Der Schwerpunkt liegt mehr auf den Städten des Ruhrgebiets, der Zerstörung des Bahnhofs in Hamm oder der Schließung des Ruhrkessels bei Lippstadt. „Ein beeindruckender Film, aber leider zu wenige Bilder aus Olpe“, so auch ein 15-Jähriger Filmbesucher nach der Vorführung.

Abgesehen davon zeigen die kommentierten Aufnahmen ein facettenreiches und anschauliches Bild vom Kriegsende in Westfalen: Kriegszerstörungen, die massenhafte Gefangennahme deutscher Soldaten, die perfekte Organisation des US-Nachschubs, Begegnungen mit der Zivilbevölkerung sowie alliierte Siegesfeiern und die allmähliche Rückkehr zum Alltag, denn das Leben musste ja weiter gehen.

Zahlreiche Aufnahmen lassen klar erkennen, dass sie inszeniert oder nachgestellt wurden. Die Filme wurden damals zensiert von der US-Propaganda in Wochenschauen gezeigt. So sieht man zum Beispiel nur einen einzigen verwundeten US-Soldaten, obwohl im Ruhrkessel 1500 US-GIs ihr Leben ließen.

Trotzdem bleibt der zeithistorische Wert der US-Filmaufnahmen unbestritten und sie werfen einen externen Blick auf die deutsche Gesellschaft. So sind zum Teil schockierende Bilder aus Zwangsarbeiterlagern oder von der Aufdeckung von Kriegsverbrechen zu sehen.

Bilder, die ihre beeindruckende Wirkung am Dienstag nicht verfehlten. „Wir sollten dankbar sein, dass wir heute in Frieden und Freiheit leben dürfen“, zog Wilma Ohly nach dem Ende ihr Fazit. Dem stimmte wohl jeder im Saal zu.