„Autoreifen aus Löwenzahn keine Utopie“

Olpe/Hünsborn..  Dass man aus Raps- oder Palmöl Bio-Diesel gewinnen kann, weiß heute jedes Kind. Dass es aber auch möglich ist, aus den Wurzeln von Löwenzahn Kautschuk für Autoreifen zu machen, wohl nur wenige. Einer davon ist Unternehmer Prof. Dr. Henning Zoz, der Entwicklungs- und Produktionshallen sowie Verwaltungsgebäude in Hünsborn und Olpe sein Eigen nennt: „Im Rahmen dieses Projektes freue ich mich ganz besonders auf die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut.“ Schon in der kommenden Woche, so der aus Freudenberg stammende Unternehmer, der bisher vor allem mit seinen Nanotechnologie-Produkten von sich Reden machte, werde sich das Institut in seinem Technology-Center im Industriegebiet Dahl-Friedrichsthal (Raiffeisenstraße 17) in einer halben Hochregal-Halle niederlassen. Mit im Boot auch der Reifen-Riese Continental, der bereits seit Jahren mit dem Institut für seinen Werkstoff „Taraxa-Gum“ zusammen arbeite.

Zuverlässige Alternative

Den abenteuerlich klingenden Namen hat Continental nicht ohne Grund gewählt, lautet der lateinische Fachbegriff für den „Gewöhnlichen Löwenzahn“ doch „Taraxacum“.

Und da der üblicherweise verwendete Naturkautschuk, so klärt Zoz auf, „meist aus Schwellenländern kommt und mitunter politisch motiviert beeinflusst wird“, suchte Conti zuverlässige und heimische Alternativen.

Und in der Wurzel von Löwenzahn, der komplett aus deutschen Anbaugebieten stamme, stecke eben genau das Material, das sich entsprechend bearbeitet bestens für die Reifen-Produktion eigne. Beim Stichwort „Bearbeitung“ kommt Henning Zoz und sein Unternehmen wieder ins Spiel: „Wir haben bereits eine Maschine entwickelt, einen kleinen Proto-Typ, mit dem wir seit etwa zwei Jahren genau das schon können.“ Da sich das Prinzip bewährt habe, wolle man jetzt aber „auch Geld verdienen.“

Bis zum Jahresende würden in der Olper Produktionsstätte mit einer dann ,erwachsenen“ Maschine – Kostenpunkt: rund 400 000 Euro – rund 50 Tonnen Rohmaterial entstehen.

Reigen mit Öko-Label

Details über den Produktionsprozess will Entwickler Zoz zwar nicht verraten, auch seine Maschine bekommen wir nicht zu Gesicht. Die Produktion habe aber, so verrät der ruhelose Unternehmer, etwas mit Erhitzen und Zerquetschen zu tun. Aus 50 Tonnen Taraxa-Gum, so schätzt er grob, könne Conti etwa 1000 Reifen mit dem grünen Öko-Label produzieren. Das Fraunhofer Institut trete dabei als Käufer der Maschine auf, werde seinen Leuten sicher auch „über die Schulter schauen“, aber, so versichert Zoz: „Die Arbeit machen wir.“

Dass das Projekt zukunftsfähig sei, davon ist Prof. Zoz überzeugt. „Eine Forschungsleiterin von Conti hat mir gegenüber mal versichert, eine Löwenzahn-Anbaufläche in der Größe eines Pkw-Stellplatzes reiche aus für die Produktion eines Reifensatzes. Das hört sich doch gut an und dürfte Zukunfts-Potenzial haben.“

Und wer ökologisch so Sinnvolles tue, so das Credo des Unternehmers, brauche sich auch nicht verstecken, ganz im Gegenteil. In den nächsten Tagen will er das Taraxagum-Projekt NRW-Umweltminister Johannes Remmel vorstellen, der aus Düsseldorf anreist.