Auf Weg zur Inklusion viele Wünsche offen

Kreis Olpe..  „Auch im Kreis Olpe entscheiden sich immer mehr Eltern, ihr Kind mit besonderem Unterstützungsbedarf nicht eine spezielle, sondern eine allgemeine Schule besuchen zu lassen. So waren es im Grundschulbereich 2006 noch 25, 2014 bereits 205 Kinder; im Sekundarbereich stieg die Anzahl der Schüler mit Beeinträchtigungen von 33 auf 149. An immer mehr Grund- und weiterführenden Schulen im Kreis findet mittlerweile Gemeinsames Lernen statt.“

Es geht nur um das Wie

Das schreiben die beiden Vorsitzenden - Thomas Heinemann und Thomas Franzkowiak - des Vereins „Gemeinsam leben, gemeinsam lernen - Olpe plus“ in den „Beiträgen zur Reform der Grundschule, Band 138“. Die dort erwähnte Entwicklung ist vermutlich zu einem wesentlichen Teil auf die Arbeit des Vereins zurück zu führen.

So gibt es seit April die LernWirkstatt Inklusion Olpe mit dem klaren Ziel, Eltern, Lehrern und weiteren Fachleuten auf dem Weg in den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern, Informationen, Weiterbildung und Unterstützung zu bieten und gleichzeitig der richtige Ort für den Erfahrungsaustausch zu sein. Deshalb wurden im Laufe des Jahres vielfältige Projekte - Infoveranstaltungen, Vorträge und sogar eine Filmvorführung - angeboten, aus denen nach einhelliger Meinung der Teilnehmer „jeder etwas mitnehmen konnte“. Dabei geht es nicht mehr um das Ob, sondern um die Frage, wie man den Inklusionsprozess weiter optimieren kann, so Franzkowiak. Und genau dabei „möchten wir mitgestalten“, sagt er.

Dafür muss man auch Antworten auf Fragen geben, die Interessierte anderswo nicht bekommen. Dafür muss man Lehrer mit und ohne Erfahrung in Sachen gemeinsamen Unterrichts vernetzen. Dafür muss man Eltern informieren, die sich bislang (zu) wenig mit dem Thema auseinander gesetzt haben.

Finanzierung offenlegen

Mittlerweile steht dem Verein für diese Arbeit ein Raum in der Realschule in Olpe zur Verfügung. Hier wird eine Anlaufstelle für alle Interessierten entstehen, wenn auch - mit Blick auf die ungewisse Zukunft des Realschulgebäudes - möglicherweise nur auf Zeit. Auf Dauer angelegt ist dagegen der Weg zur Inklusion. Das sei nämlich „keine Reformwelle“ wie manch andere Schulreform, die in ein paar Jahren wieder vom Tisch ist, sind Heinemann und Franzkowiak überzeugt.

Die engagierte Arbeit des Olper Vereins wurde mittlerweile auf vielen Ebenen gewürdigt. Im April wurde die LernWirkstatt beim TatKraft-Abend von Hannelore Kraft in der Stadthalle vorgestellt, im Juli wurde der Verein für den deutschen Engagementpreis 2014 nominiert, im September war er beim Bürgerfest des Bundespräsidenten vertreten.

Aber bei aller Anerkennung sind viele Wünsche offen. So würde sich Olpe plus mehr Kooperation und Vernetzung der unterschiedlichen Akteure in der Region wünschen. Der Aufbau eines unabhängigen Beratungs- und Unterstützungszentrums Inklusion mit Beteiligung aller Betroffenen steht ebenso auf der Wunschliste wie eine transparente Inklusionsplanung der Kommunen und des Kreises sowie die Offenlegung der Finanzierung der inklusiven Bildung im Kreis. Immerhin gibt es vom Land Geld zur Finanzierung der schulischen Inklusion.