Auf die Katastrophe folgte die Katastrophe

Das Wetter passte zum Anlass. Christian Pospischil erinnerte an den Bombenangriff auf Attendorn vor 70 Jahren und der Explosion des Munitionslagers, was zahlreichen Attendornern das Leben gekostet hat.
Das Wetter passte zum Anlass. Christian Pospischil erinnerte an den Bombenangriff auf Attendorn vor 70 Jahren und der Explosion des Munitionslagers, was zahlreichen Attendornern das Leben gekostet hat.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Zahlreiche Menschen fanden sich am Samstagabend trotz Regens zur Gedenkfeier anlässlich „70 Jahre Bombenangriffe auf Attendorn“ an der Gedenkstele neben dem Rathaus ein.

Attendorn..  Zahlreiche Menschen fanden sich am Samstagabend trotz Regens zur Gedenkfeier anlässlich „70 Jahre Bombenangriffe auf Attendorn“ an der Gedenkstele neben dem Rathaus ein.

Nach einer musikalischen Einstimmung durch den evangelischen Posaunenchor ergriff Bürgermeister Christian Pospischil das Wort und dankte den Anwesenden für ihre Bereitschaft, den Toten und ihren Angehörigen Respekt zu erweisen. „Indem wir gedenken, setzen wir ein Zeichen: Wir bekunden, dass wir uns unserer Geschichte stellen.Wir verleihen unserer Trauer und unserem Entsetzen Ausdruck. Wir machen deutlich, welche Werte für uns zählen und Geltung beanspruchen.“

Munitionsdepot im Keller

An der Stelle, wo heute direkt neben den Rathaus die Gedenkstele steht, explodierte vor fast 70 Jahren ein Munitionsdepot im Keller des Rathauses und riss 35 Menschen in den Tod, die genau dort auf dem Klosterplatz standen, um ihre Lebensmittelkarten in Empfang zu nehmen. Vorausgegangen war eine weitere Katastrophe, die sich auf den Tag genau am Samstag vor 70 Jahren ereignet hat. Am 28. März 1945 warfen 22 Bomber der Royal Air Force um 10.50 Uhr und um 11.10 Uhr ihre tödliche Last in Form von 132 Fünf-Zentner-Bomben über Attendorn ab. Dabei starben 140 Menschen, 286 Wohnungen wurden zerstört. Am 28. März 1945 - und damit sechs Wochen vor Kriegsende - war die Stadt noch in eine Katastrophe gestürzt worden. Mit dem Einmarsch der Amerikaner am 10. und 11. April hofften die Menschen auf ein schnelles Ende des Krieges, dass durch die bedingungslose Kapitulation am 8. Mai auch erreicht wurde. Für Attendorn bedeutete dies gleichzeitig die unheilvolle Vorbereitung einer weiteren Katastrophe, als nämlich die Alliierten den Befehl ausgaben, sämtliche Munitionsreste, die sich in Attendorn und Umgebung befanden, im Keller des Rathauses einzulagern.

65. Jahrestag

Am 65. Jahrestag der Detonation- vor fünf Jahren - konnte im Rathausfoyer mit der Dokumentation „Opfer von Krieg und Gewalt“ ein weiterer Teil dieser Erinnerungsstätte der Öffentlichkeit übergeben. Ziel war und ist es, vor allem den zukünftigen Generationen nicht nur die Namen von 432 Opfern zu erhalten, sondern vor allem in Text und Bild die Erinnerung an die dunklen Ereignisse des 20. Jahrhunderts wach zu halten. Insbesondere Stadtarchivar Otto Höffer ist es zu verdanken, dass mit dieser beeindruckenden und multimedial aufbereiteten Erinnerungsstätte ein bleibendes Zeichen der Mahnung und Erinnerung gesetzt wurde. Nach seiner Rede legte Bürgermeister Pospischil einen Kranz als ein sichtbares Zeichen der Trauer und der Erinnerung nieder. „140 Menschen, die viel zu früh aus ihrem Leben gerissen wurden und denen die Chance genommen wurde, ihre Träume zu verwirklichen. Menschen, die Angehörige und Freunde hatten, die sie vermissten und um sie trauerten.“