Auf Biegen und Brechen

Asylpolitik in Olpe..  Zum Jahresende äußerte sich Bürgermeister Müller zum Thema Asylpolitik. Er bedauert, dass man mit den Bürgern kaum rational diskutieren kann. Sein Bedauern ist scheinheilig. Fakt ist, dass die Stadt initiativ der Bezirksregierung die Errichtung einer zentralen Unterbringungseinheit angeboten hat.


Die Öffentlichkeit wurde rein zufällig - eine Bürgerin beobachtete eine Delegation der Stadt und der Bezirksregierung bei der Begehung der Immobilie Kolpingferienheim - auf die städtischen Aktivitäten aufmerksam. Offensichtlich wollte man nicht, dass sich Bürger rational mit dem Thema Integration von Flüchtlingen auseinander setzen. So geht man mit Untertanen und nicht mit Mitbürgern um.


Abenteuerlich ist die Schönfärberei bei der Zahl der Menschen. Im Interview spricht Herr Müller zunächst von 500 Leuten. Die Zahl reduziert er dann auf 300 bis 400 Menschen im Durchschnitt. Alle Erfahrung zeigt, dass solche Einrichtungen chronisch überbelegt sind. Bei einer Verweildauer 1 bis 8 Wochen werden pro Jahr bis zu 10.000 Asylanten durch diese Einrichtung geschleust. Das wird in Olpe nicht unbemerkt bleiben. Bewusst überfordert man ein Wohngebiet, wenn man die Anwohnern jährlich mit mehreren tausend neuen Nachbarn versorgt. Wo der Vorteil für die Asylanten liegt, den Herr Müller sieht, wenn Olpe keine Einrichtung hat, die Flüchtlinge auf Dauer beherbergt und damit keine Integrationsmühen auf sich nimmt, bleibt sein Geheimnis.


Politisches Ziel aller Parteien ist die Integration von Flüchtlingen; auch Olpe darf sich hier nicht in die Büsche schlagen. Die Alternative, die Herr Müller zur zentralen Unterbringungseinheit aufzeigt, ist nicht zwangsläufig. Nach einem Erwerb der Immobilie durch die Stadt, die ja nicht unbedingt erfolgen muss, gibt es viele Verwendungsmöglichkeiten für das Kolpingferienheim, u. a. auch die, dort zugewiesene Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen.


Derzeit sind in Olpe ca. 100 Asylbewerber dezentral untergebracht. Warum will man diese Kapazität verdreifachen? Massenunterkünfte - und bei 200 Personen, die dauerhaft im Kolpingferienheim leben sollen, handelt es sich um eine Massenunterkunft - sind für die Integration völlig ungeeignet. So entstehen soziale Brennpunkte. Treffender als Rationalität ist für das Vorgehen der Stadt die Bezeichnung Schlaumeierei zu Lasten der Flüchtlinge, die eine dauerhafte Bleibe suchen und der Olper Bürger, denen man auf Biegen und Brechen eine Massenunterkunft in die Gemeinde holen will.


Josef Hähner
Olpe