Attendorner Caterer-Team feiert Jubiläum auf der Berlinale

Gut gelaunt beim Filmfestival: Küchenchef Christian Kaufmann, Caterer Oliver Rüsche, Büroleiterin Eva Bender und Eventmanagerin Melanie Hennecke auf der Berlinale 2015.
Gut gelaunt beim Filmfestival: Küchenchef Christian Kaufmann, Caterer Oliver Rüsche, Büroleiterin Eva Bender und Eventmanagerin Melanie Hennecke auf der Berlinale 2015.
Foto: Hannah Rauterberg
Seit fünf Jahren sorgt der Attendorner Caterer mit seinem zehnköpfigen Team für einen reibungslosen Verlauf der Berlinale-Reihe „Kulinarisches Kino“.

Berlin.. Oliver Rüsche bleibt bescheiden. Aber dass er „ein kleines Jubiläum“ feiert, betont er doch mit Stolz. Seit fünf Jahren sorgt der Attendorner Caterer mit seinem zehnköpfigen Team für einen reibungslosen Verlauf der Berlinale-Reihe „Kulinarisches Kino“.

Rüsche-Mannschaft serviert im Spiegelzelt

Abend für Abend werden Filme rund ums Essen serviert und dann gibt es in einem Spiegelzelt für 250 Gäste ein Menü, das immer wieder ein anderer Sterne-Koch speziell kreiert. Jetzt ist es Sven Elverfeld vom Wolfsburger Restaurant Aqua, der mit gleich drei Michelin-Sternen und 19 Gault-Millau-Punkten dekoriert ist. Die Rüsche-Mannschaft serviert und hilft in der Küche bei der Zubereitung. Eine logistische Meisterleistung, inmitten einer doch irgendwie improvisierten Situation hochprofessionelle Ergebnisse auf Tische und Teller zu zaubern.

In der Berliner Caterer-Szene sei man „not amused“, dass ein Sauerländer Jahr um Jahr den Zuschlag für diese prestigeträchtige Aufgabe mit internationaler Strahlkraft bekommt, hört man hinter den Kulissen. Für die Attendorner Service-Truppe ist es nicht nur eine Auszeichnung, sondern immer eine Riesenchance, mit den Besten der Küchen-Liga zu arbeiten und dabei manchen Trick abzuschauen.

Sylter Auster mit Büsumer Krabben

Nach der Berlinale-Premiere des Films „Noma – My Perfect Storm“ über den derzeit weltbesten Koch Rene Redzepis in Kopenhagen gibt es quasi als Hommage an seinen dänischen Kollegen von Sven Elverfeld pochierte Sylter Auster mit Büsumer Krabben, dann schwarze Wintertrüffel an Blattspinat und Eigelb sowie als Hauptgang Bachsaibling mit Kaviar, Kopfsalat, Champignons und Haselnuss. Und zum Abschluss noch Rote Beete mit Fichtensprossen, Araguani Schokolade und Herbsttrompeten.

„Essen“, so sagt es Starkoch Redzepis in seinem Film, „ist eine Metapher für unsere Interaktionen mit der Welt“. Mit diesem durchaus philosophisch unterfütterten Gedanken hätte der Däne, der einst als Flüchtling vom Balkan nach Skandinavien kam, auch gut in den französischen Berlinale-Wettbewerbsfilm „L’avenir“ in der Regie von Mia Hansen-Love gepasst.

Isabelle Huppert spielt die Hauptrolle im Film „L’avenir"

Isabelle Huppert spielt darin die Hauptrolle. Sie ist eine Philosophielehrerin, die nach über 30 Ehejahren plötzlich von ihrem Mann verlassen wird. Die Kinder sind längst aus dem Haus, und als auch noch ihre Mutter stirbt, wird die bislang so selbstsichere und weltgewandte Frau mit einer nie dagewesenen Form der Freiheit, der völligen Unabhängigkeit konfrontiert.

Tiefgründiges Kammerspiel

Es ist ein akademisches, ein intellektuelles Kammerspiel mit tiefgründigen Mono- und Dialogen. Es ist ein Ausloten menschlicher Möglichkeiten und sinnstiftender Entscheidungen. Isabelle Huppert ist für diese Rolle ein Glücksfall. Ihre ohnehin stets latent vorhandene Rätselhaftigkeit kann sie prachtvoll und überzeugend ausspielen.

Dass Klugheit nicht immer auch bei der Bewältigung von Lebenskrisen hilfreich sein muss, verkörpert die Huppert mit ganzem Einsatz und auch in wundervoll kleinen, genauen Gesten. „L’avenir“ wirkt wie ein Schatzkästchen in der Darstellung wie in der Botschaft.

In Berlin präsentiert sich der französische Filmstar dabei keineswegs divenhaft, sondern freundlich aufgeschlossen und sympathisch publikumsnah. Den Vorwurf, sie sei eine „Eiskönigin“, weist sie zurück: „Ich bin nicht distanziert und auch nicht unnahbar. Im Gegenteil. Mit der Frau in diesem Film kann ich mich sehr gut identifizieren. Sie ist eine starke Person, die mit großen Umbrüchen fertig werden muss. Ich weiß wie sie, dass die Antworten auf die Fragen des Lebens nur aus einem selbst kommen können.“

Tabubruch gewagt und viel gewonnen

Und dann sagt Isabelle Huppert noch etwas Bemerkenswertes: „Filme über intelligente Frauen sind leider nicht sehr üblich. Das ist manchmal wie ein Tabu. Die meisten Regisseure haben Angst, sich daran die Finger zu verbrennen.“ Mia Hansen-Love hat sich von dieser Angst jedenfalls nicht anstecken lassen. Sie hat den Tabubruch gewagt und mit Isabelle Huppert viel gewonnen.

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