Altes Osterbrauchtum lockt Tausende an

Auf von Hand gezogenen Karren wurden die mächtigen Osterkreuze auf den Aten Markt gefahren.
Auf von Hand gezogenen Karren wurden die mächtigen Osterkreuze auf den Aten Markt gefahren.
Foto: WP

Attendorn..  In Attendorn strömten am Karsamstagnachmittag kurz vor 14 Uhr wieder mehrere tausend Menschen auf dm Platz an der Rückseite der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zusammen. Sie kamen aus allen Himmelsrichtungen und sorgten dafür, dass der Platz innerhalb von nur wenigen Minuten voll mit Menschen war. Selbst die angrenzenden Straßen waren gefüllt, als Pfarrer Andreas Neuser auf das kleine Podest stieg, um wie jedes Jahr die Ostersemmel zu segnen.

Zuvor war „die Stunde geblasen” worden. Dabei waren vom Kirchturm der Pfarrkirche zwei lang anhaltende Töne zu hören, die im Oktav-Intervall auf einem alten Nachtwächterhorn in alle vier Himmelsrichtungen geblasen werden. Gleichzeitig zogen die Messdiener mit sogenannten Ratschen, die ein weit hörbares Geräusch verursachen, um die Kirche. Da an Gründonnerstag während des Abendgottesdienstes Orgel und Glocken verstummen, gehört auch dieser Brauch an Karfreitag und Karsamstag dazu.

1658 erstmals erwähnt

„Das Osterbrauchtum ist den Menschen hier viel wert“, so Pfarrer Neuser bei der Begrüßung vor der Semmelsegnung. „Daher kommen hier stets viele Menschen zusammen. Gerade in Attendorn liebt man die Tradition. Tradition ist alles, was gut ist und schon mehr als drei Mal stattfand“, schmunzelt der Pfarrer. Das Semmelsegnen ist allerdings schon um einiges älter. Das Segnen der Kümmelbrote am Karsamstag ist in Attendorn wurde zum ersten Mal im Jahr 1658 urkundlich erwähnt, und darauf sind die Attendorner zurecht stolz.

„Der Brauch, gerade an Karsamstag die Ostersemmeln, die mit Kümmel durchzogen sind, zu essen, steht höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Ende der Fastenzeit“, so Neuser. „Die Menschen mussten sich nach dem strengen Fasten erst wieder an üppigere Nahrung gewöhnen. Und dabei half der Ostersemmel, der gut bekömmlich ist.“ Als der Pfarrer die Semmel segnete, wurden tausende Brote in die Luft gehalten, große wie kleine Semmel, von Kindern wie von Erwachsenen.

Plattdeutsche Ansprache

„Unser besonderer Dank geht an die Bäcker, Konditoren und auch die Verkäuferinnen, die oft Sonderschichten eingelegt haben, damit heute allen einen Semmel haben“, bedankte sich Andreas Neuser „bei den vielen helfenden Händen im Vorfeld.“ Nachdem der Segen erteilt und das Lied „Großer Gott wir loben dich“ gesungen worden war, wünschte Pfarrer Neuser allen Poskebrüdern „guet Füer“ (ein gutes Feuer). Danach zogen diese in den Stadtwald, um die Fichten für die vier Osterkreuze zu schlagen. Diese hatten sie schon am Karfreitag ausgesucht. Mit dem Lied „Dat Poskekrüz dat is dei Stolt“ auf den Lippen zogen dann gegen 18 Uhr die vier Po(or)rten mit ihren Kreuzen auf dem Alter Markt ein. Alle vier Fichten wurden nebeneinander aufgereiht. Nachdem Herbert Lenninger das Maßband gezückt und gemessen hatte, konnte Dieter in seiner ersten plattdeutschen Ansprache mitteilen, dass die Waterpoote mit 1,55 Metern Umfang den dicksten und die Niederste Poorte mit stolzen 35,73 Metern den längsten Stamm hatte.

Danach zogen die Poskebrüder auf die Osterköppe, wo die Kreuze am Sonntagnachmittag von Hand aufgestellt und das Feuerholz aufgeschichtet wurden. Pünktlich um 21 Uhr wurden die vier Feuer über der Stadt entzündet.

Trotz des vielen Regens an den Vortagen brannten die Feuer sehr gut und boten einen beeindruckenden Anblick.