Alte Eichen fallen Motorsäge zum Opfer

Der Platz an der SGV-Hütte ist jetzt luftiger.
Der Platz an der SGV-Hütte ist jetzt luftiger.
Foto: WP

Grevenbrück..  Seit gestern hat der Kindergarten Ratz und Rübe die Grevenbrücker SGV-Hütte im Stadtwald im Beschlag. Zwei Waldwochen lang wird das Gelände um die Hütte zum Abenteuerspielplatz. Doch diesmal ist es anders als sonst. Die Stadt Lennestadt hat rund um die Hütte rund 20 alte Laubbäume fällen lassen, aus Sicherheitsgründen. Der Platz um die Hütte hat jetzt einen anderen, luftigeren Charakter.

Da, wo die Kinder in den letzten Jahren in ihren Matschhosen den Hang herunter rutschten, liegt jetzt noch Astwerk der gefällten Bäume. Nun, die Kinder werden sich andere Betätigungen suchen. Naturschützer dagegen sind nicht so schnell zu beruhigen, denn sie halten die städtische Abholzungsaktion für völlig überzogen. „Eine Unverschämtheit“, nennt es Liesel Kipp aus Oberelspe. „Wie kann man nur 120 bis 150 alte Bäume rigoros abholzen“, sagt sie.

Kleinod der Natur

Gerade der Stadtwald mit dem herrlichen, alten Laubbaumbestand sei doch ein Kleinod der Natur. „Wir müssen doch solche Schätze bewahren“, sagt die empörte Naturschützerin.

Sie ist nicht die Einzige, die die Aktion nicht verstehen kann. Auch Reinhild Oberste, Schriftführerin der SGV-Abteilung Grevenbrück, schüttelt den Kopf ob des Flurschadens. „Also krank waren die Bäume mit Sicherheit nicht.“

Gerade die Sicherheit ist laut Reinhard Korth, im Rathaus zuständig für die städtischen Grundstücke, der Grund für die Aktion.

Die Stadt als Eigentümer des Stadtwalds trage die Verkehrssicherheitspflicht und diese sei in der Rechtsprechung zu Lasten der Eigentümer weiter verschärft worden. Schon im vergangenen Jahr habe die Stadt deshalb einen Fachmann des Forstamts eingeschaltet, der einige „Problembäume“ besonders im Bereich der öffentlichen Wanderwege markierte. Zum Teil wurde damals auch Totholz entfernt, weil diese Äste herunter zu fallen drohten. „Wir verlassen uns dabei auf die Fachleute“, so Reinhard Korth.

Nicht aus Lust und Liebe

Vor einigen Wochen kippten während eines Sturms einige mächtige Eichen im Stadtwald krachend um. Für die Stadt ein Indiz jetzt tätig zu werden, bevor noch weitere nicht mehr standfeste Bäume umfallen. So fielen in den letzten Wochen weitere gekennzeichneten Bäume der Motorsäge zum Opfer. Reinhard Korth: „Wir nehmen unsere Verkehrssicherheitspflicht sehr ernst. Es tut uns leid, dass die Bäume weg mussten, aber wir machen das nicht aus Lust und Liebe.“

Zwar sei jeder, der den Wald betritt, für sich selbst verantwortlichen. Aber der Platz vor der SGV-Hütte habe einen öffentlichen Charakter und wegen der öffentlichen Wanderwege greife auch hier die Verkehrssicherheitspflicht“, so Korth.

Otmar Schneider aus Grevenbrück, stadtbekannter Umwelt- und Naturschützer, gibt der Stadt zum Teil Recht: „Auf dem Lehmboden im Stadtwald sind die Eichen nicht so standfest wie auf Felsuntergrund. Aber ein paar Bäume weniger hätten sicher auch ausgereicht.“