Als Vatis Auto noch als Gau-Wagen diente

Attendorn..  Manch ein Passant in Attendorn und Finnentrop schaut schon ein wenig verwundert, als eine Kolonne hupender Autos kurzfristig den Kreisverkehr besetzt, darunter ein Auto mit der Aufschrift Abi 1985! Abi 85? Zeitreisende? Nicht ganz, aber irgendwie auch schon. „Bäumchen setzen 1985 bis 2015: Der Wahnsinn nimmt kein Ende“.

Rückblick ins Jahr 1985

123 Rivianer und Ursulinen haben es geschafft. Das Abi ist in der Tasche und was kann es schöneres geben, als „Bäumchen setzen“? Im Radio dröhnt dazu von der Kassette (!) der Boss mit „Born in the USA“ und Opus singt „Live is life“. Die Autos sind noch von Vati, der jedes Mal ein stummes Gebet zum Himmel schickt und hofft, dass die Familienkutsche auch wieder heil zu Hause ankommt. Kommt sie, jedenfalls meistens. Man fährt vom tiefen Frettertal bis ins Repetal, von Plettenberg bis nach Rönkhausen. Kolonne fahren ist noch erlaubt.

Für den „Joker“ bekommt man noch die örtlichen Schützenhallen und beide Attendorner Gymnasien feiern gemeinsam, ohne irgendwelche Sprechchöre und Gesänge gegen die jeweils anderen Schule. Man hat Spaß auch ohne spektakulären Showeinlagen mit Sprüngen von Garagendächern, und nach dem Einsatz des Spatens im Garten ist dieser auch nicht ein Golfplatz mit 18 Löchern. Gesungen wird auch: Gaudeamus igitur, beinhart, alle Strophen. Vorher gibt es kein Bier und auch keine Mettbrötchen. Die gehörten dazu.

Kritik am „Mauerbau“

Der Gau-Leiter, der so heißt, weil er Gaudeamus igitur anstimmt und auch sonst das Sagen hat, heißt Matthias Plugge und führt die Kolone mit seinem Gau-Wagen an. An jeder Stelle verkündete er ein Motto, natürlich auf Latein mit seiner ganz persönlichen Übersetzung dazu. Trotzdem wird auch damals schon mit kritischen Augen auf dieses Treiben geschaut. Etwa, als am letzten Schultag kurzum der Eingang des Rivius Gymnasiums zugemauert wird. Ein Aufschrei geht durch die Presse und der Vergleich mit der Berliner Mauer lässt nicht lange auf sich warten. Die Abiturientia 1985 ist ein guter Jahrgang; so gut, dass er gleich vier Ehepaar vorweisen kann - mit einer nullprozentigen Scheidungsquote. Das erste Kind kommt noch während des Abiturs zur Welt und feiert nun seinen 30. Geburtstag.