Alles, was beweglich ist, muss raus

Industrieversteigerung bei ASA in Attendorn
Industrieversteigerung bei ASA in Attendorn
Foto: WP
Was wir bereits wissen
„Wir haben Interessenten aus Polen, England, Frankreich, Holland, Russland und der Türkei hier“, sagte Michael Mekelburger der Dienstag das gesamte bewegliche Anlagevermögen der Firma ASA versteigerte.

Attendorn..  „We supply more than 60 industries“ stand auf einer ASA-Werbetafel, mit der der Attendorner Hersteller von Spezialarmaturen zu seinen besten Zeiten um internationale Kundschaft warb. So international wie gestern war ASA aber wohl nie. „Wir haben Interessenten aus Polen, England, Frankreich, Holland, Russland und der Türkei hier“, sagte Michael Mekelburger, Geschäftsführer und Auktionator der Firma IndustrieWert aus Düsseldorf, der gestern das gesamte bewegliche Anlagevermögen im Auftrag des Insolvenzverwalters Klaus Siemon versteigerte.

Sportliche Einstellung zum Beruf

Zu seinem Beruf hat Mekelburger eine durchaus sportliche Einstellung - und das muss er auch. Rund 700 Positionen umfasst die Versteigerungsliste. „Wenn ich gut bin“, sagt er, „schaffe ich das in sieben Stunden.“

„In der Mitte eine Pause?“

„Nein ohne.“

„Sieben Stunden ohne Pause!?“

„Ja, ich weiß, wovon ich rede, ich mache das öfter.“

Er weiß nicht nur, wovon er spricht, er weiß auch, wie er spricht. Wer sich noch erinnert, wie Dieter-Thomas Heck den Abspann der ZDF-Hitparade heruntergeleiert hat, ahnt, wie Mekelburger 700 Positionen an einem Tag versteigert. Heck war schnell, Mekelburger ist schneller und weiß, wie er die mehr als 600 Interessenten ködert. Regelrechte Bieterschlachten sind zwar selten, aber stehen bzw. liegen bleibt wenig. Es dauert eine gute halbe Stunde bis Mekelburger zum ersten Mal keinen überzeugen kann: den hässlichen Pausentisch für 10 Euro will wirklich niemand. Es geht aber auch anders: 30 Euro für eine Druckluftpistole will zunächst auch niemand bezahlen. Mekelburger bietet sie für 20 Euro an, dafür gibt’s Interessenten, die sich dann innerhalb von wenigen Sekunden bis 30 Euro hochbieten: „Mehr wollte ich auch nicht“, grinst er und ist zufrieden.

Zur Belohnung schiebt er die Geschichte von der Schubkarre nach, die er bei anderer Gelegenheit an den Mann gebracht hat: „Sie hatte ein Loch und nur einen Griff und ich hab sie trotzdem für 20 Euro verkauft.“

Beifall für 220 Euro

Das Publikum lacht und ist in Bieterlaune, als das erste Betriebsfahrrad aufgerufen wird. Ein robustes Teil mit zwei Gepäckträgern, 50 Euro will Mekelburger. Der Sturkopf, der bis 220 Euro durchhält, bekommt internationalen Beifall für seinen Erfolg. Unter Schnäppchenjägern sind die mit einem langen Atem zwar die Deppen, aber auf die Schulter klopft man ihnen dennoch.

Und dann ist da noch die Geschichte mit der Position Nr. 80 - ein Amboss. „Ein schickes Teil“, meint Mekelburger, „eine Zierde für jede Lobby, man muss halt nur jemanden finden, der ihn nach Hause trägt. Lediglich 240 Euro zahlt ein Bieter, der gestern ein Schnäppchen und heute Morgen vermutlich schon einen Termin beim Physiotherapeuten gemacht hat.

Was an diesem Morgen immer geht sind Teleskopschubladenschränke, bei ASA gab es sie massenhaft, zurück bleibt keiner. Was nicht gut geht sind die großen Spezialmaschinen. Eine Rundtaktmaschine für 20 000 Euro? Kein Gebot. Eine Spänezentrifuge für 40 000 Euro? Kein Gebot. Was aber nicht bedeutet, dass sie stehen bleiben.

Kaufen kann man immer noch, auch nach Ende der Versteigerung. Da kann man dann auch über die Preise noch mal reden.