Alle einig im Amtsgericht Olpe: Therapie statt Strafe ist von Nöten

Amtsgericht Olpe: Hier muss sich seit Montag ein 19-jähriger Brandstifter verantworten.
Amtsgericht Olpe: Hier muss sich seit Montag ein 19-jähriger Brandstifter verantworten.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein 19-Jähriger ehemaliger Auszubildender des Christlichen Jugenddorfes in Olpe zündelt immer dann, wenn Stress in seinem Kopf den Schalter umlegt.

Olpe..  Ganz offensichtlich sind sich alle einig: Richter Richard Sondermann und seine Schöffen, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, der psychologische Gutachter und der 19-jährige auf der Anklagebank selbst: Im Gefängnis hat der derzeit in der forensischen Psychiatrie in Eickelborn behandelte Angeklagte nichts zu suchen. Jetzt begann der Prozess gegen den aus Mecklenburg-Vorpommern stammenden jungen Mann, der als Kind mit seinen Eltern ins Siegerland umsiedelte und wegen vergleichbarer Delikte einschlägig vorbestraft ist. Es ging und geht fast immer um Brandstiftung. Offenbar darum, dass sich der Heranwachsende irgendwie Geltung verschaffen will. Und immer dann, so beteuerte er gestern vor Gericht, wenn durch Konflikte in Familie oder bei der Ausbildung ausgelöster Stress die Oberhand gewännen, „dann schaltet sich bei mir der Kopf aus.“

So auch im Oktober 2013 in Netphen, als er sich eines Abends als Mitarbeiter des Ordnungsamtes ausgab und ein Pärchen mit einer spontanen Personenkontrolle überraschte. Unter anderem gewappnet mit einer Identifizierungsmarke, einer Soft-Air-Pistole unter der Jacke, einem Messer und einem Funkgerät. Täuschend echt muss er dennoch nicht gewirkt haben. Der Mann des Pärchens, ein Bundeswehr-Soldat, lachte nur und verständigte die Polizei.

Ausbildung im CJD Eichhagen

Ernster hätte es gut einen Monat später enden können: Der junge Mann absolvierte eine Ausbildung im Christlichen Jugenddorf Eichhagen im Garten- und Landschaftsbau und wohnte auch dort. In der Nacht zum 27. November 2013 dann wieder der fatale „Klick“ im Kopf des Angeklagten. Plötzlich marschiert er in die Wäscherei und zündet den Inhalt eines Wäschekorbs an, danach legt er sich wieder ins Bett. Die Brandmeldeanlage schlägt an, der Brandstifter springt aus dem Bett, weist die nächtliche CJD-Aufsichtsperson daraufhin, es müsse wohl in der Wäscherei brennen, faselt etwas davon, er sei von der Feuerwehr per Handy informiert worden und versucht auch noch, mit dem Feuerlöscher in die stark verrauchte Wäscherei vorzudringen, um seinen eigenen Brand zu löschen. Die CJD-Aufsicht, eine 52-jährige Sozialpädagogin, erinnerte sich gestern im Zeugenstand: „Ich hab’ ihn zurückhalten müssen: Er hat immer wieder versucht, zu löschen.“

Glück für beide: In einem Nachbarraum lagerten Gasflaschen, bis zu denen das Feuer zum Glück nicht vordrang.

Kleine Lügengeschichten

Schon als Kind, so schilderte die Jugendgerichtshilfe Äußerungen der Mutter des 19-Jährigen, sei er auffällig gewesen mit einem Hang zu kleinen Lügengeschichten. Der Besuch der Förderschule, eine Therapie in der Jugend-Psychiatrie Herborn sind ebenso im Lebenslauf festgehalten, wie die Scheidung der Eltern. Von Kindesbeinen an war der Angeklagte bei der Feuerwehr. Bis 2007, als er wegen einer Unterschlagung gehen musste. 2011 schließlich ein Urteil wegen Brandstiftungen im Erndtebrücker Wald. Nach der Festnahme des CJD-Brandes schickte ihn der Haftrichter sofort nach Eickelborn, da man von einer schwerwiegenden Personlichkeitsstörung ausging.

In Eickelborn soll er aber nicht bleiben: Richter Sondermann nahm den Vorschlag auf, den Angeklagten in der sozialtherapeutischen Einrichtung „Hof Sondern“ unterzubringen. Ob das möglich ist, soll bis zum nächsten Prozesstag am 2. Juni geklärt werden.