900 ausgebildete Behinderte in der Region noch ohne Arbeit

Attendorn/Kreis Olpe..  Sonja Zimmermann und Annette Halbfas strahlen: „Endlich können wir mal zeigen, was wir können“, sagt Annette Halbfas. Die beiden Beschäftigten der Werthmann-Werkstätten in Attendorn freuen sich, dass Dr. Bettina Wolf, Leiterin der Arbeitsagentur Siegen, anlässlich des Welttags der Menschen mit Behinderungen für ein Tagespraktikum in die Werkstatt gekommen ist und die Arbeit der beiden Beschäftigten und ihrer Kollegen in der mechanischen Bearbeitung kennenlernen wollte.

Beeindruckt von der Leistung

Für Dr. Bettina Wolf ist das ein wichtiger Termin. „Ich wäre auch an jedem anderen Tag gekommen, denn auch schwerbehinderten Menschen die Chance auf einen Arbeitsplatz zu geben, ist ein wichtiges Anliegen der Arbeitsagentur.“ Daher sitzt sie gemeinsam mit dem Team der mechanischen Bearbeitung der Werthmann-Werkstätten an einer großen Werkbank und sortiert kleine Dichtungsringe für den Bausatz eines Herstellers für sanitäre Anlagen. „Da musste ich mich ganz schön konzentrieren“, zeigt Dr. Wolf sich beeindruckt von der Leistung der Beschäftigten der Werkstatt. „Gleichzeitig reden und sortieren, das ist schon schwierig, schließlich sollen keine Fehler auftreten.“ Dass keine Fehler auftreten, ist auch dem Leiter der Werthmann-Werkstätten, Andreas Mönig, wichtig: „Wir werden von der Industrie als Partner geschätzt, der sich besonders durch seine große Termintreue und seine hohe Qualität auszeichnet“, berichtet er. „Wir machen Arbeit für Menschen mit geistiger und physischer Behinderung erst möglich und sorgen dafür, dass diese nicht arbeitslos sind, sondern am Arbeitsleben teilnehmen können.“

Die Teilnahme am Arbeitsleben zu fördern ist auch das Ziel der Arbeitsagentur, denn derzeit sind in der Region noch über 900 schwerbehinderte Männer und Frauen arbeitslos. „Angesichts dessen, dass weit über die Hälfte dieser Personen ausgebildete Fachkräfte sind, fällt mir das Verständnis dafür schwer“, zeigt sich Dr. Bettina Wolf enttäuscht.

Für alle Seiten ein Gewinn

Daher tritt die Arbeitsagentur gerade an die Betriebe in der Region heran, die zu wenige oder gar keine Schwerbehinderten beschäftigen und daher die sogenannte Ausgleichsabgabe zahlen müssen. „Wir wissen aus Erfahrung: Die Beschäftigung eines Schwerbehinderten ist für alle Seiten ein Gewinn. Für den Schwerbehinderten, für die Gesellschaft und natürlich für den Betrieb.“ Derzeit zahlen nach Berechnungen der Arbeitsagentur 588 Arbeitgeber die Ausgleichsgabe. „Das sind 588 Arbeitgeber zuviel“, findet Dr. Bettina Wolf.