34 Attendorner feierten vor 70 Jahren Erstkomnunion

Was wir bereits wissen
Kurz nach dem Bombenangriff und vor dem Kriegsende war nichts normal.

Attendorn..  34 Männer und Frauen des Jahrgangs 1935/36 trafen sich am Samstagmorgen in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist, um ihre Gnadenkommunion zu feiern. Vor 70 Jahren gingen sie alle zum ersten Mal zum Tisch des Herrn. Der Zelebrant, Pastor Martin Cloer, machte in der Messe deutlich, dass „wir uns Kraft in der Eucharistie holen“.

Es wurden die alten Kirchenlieder gesungen, so auch das Kommunionlied „Unserm Herzen soll die Stunde ewig unvergessen sein“, und Organist Paul Maiworm spielte zum Schluss des Gottesdienstes „Die Himmel rühmen“. Anschließend gingen die Jubel-Kommunikanden ins Hotel Zur Post, um das Wiedersehen gebührend zu feiern. Im nächsten Jahr soll ein großes Jahrgangstreffen folgen.

Verhängnisvoller Tag

So harmonisch wie das Treffen am Samstag war die Erstkommunion vor 70 Jahren weiß Gott nicht. Es waren die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs, in die die Vorbereitungen und die Kommunionfeier 1945 fielen. Noch am Morgen des 28. März 1945, dem für Attendorn verhängnisvollen Tag, des Bombenangriffs, waren die Kinder um 8 Uhr zum Gottesdienst gegangen. Danach war Üben für den großen Tag mit Pfarrer Josef Köster und Ursulinen-Schwester Martina angesagt.

Es sollte das letzte Üben in der Pfarrkirche gewesen sein, wie sich später herausstellte. Denn kurze Zeit nach dem Zusammentreffen, zwischen 10.50 und 11.10 Uhr, warfen 22 Flugzeuge der Royal Air-Force 132 Fünf-Zentner- und Brandbomben über Attendorn ab. Dabei erhielt auch der Sauerländer Dom einen Volltreffer, Zwiebelturm und Kirchdach wurden zerstört.

Heinz Halberstadt, der zu den 120 Kommunion-Anwärtern von damals gehörte, war nach dem Treffen in der Pfarrkirche nicht sofort nach Hause, sondern ins Café Humberg am Bahnhof gegangen, wo ihn kurz darauf der Fliegeralarm überraschte. Er flüchtete, wie viele andere Attendorner, in die Tropfsteinhöhle, die als Luftschutzbunker genutzt wurde. Der spätere Sparkassendirektor erinnerte sich noch, dass er erst am Mittwochabend der Karwoche wohlbehalten zu Hause ankam.

Weil die Pfarrkirche zerstört war, konnte die Kommunionfeier dort nicht stattfinden und Pfarrer Köster hatte allen freigestellt, wo sie ihre Erstkommunion empfangen wollten. 18 Kinder gingen nach Ennest, um sich dort der Feier anzuschließen, einige nach Listerscheid und Lichtringhausen. In Biekhofen wurde eine Notkirche in einer Scheune eingerichtet, auch dort empfingen einige zum ersten Mal die Heilige Kommunion. Auch in der Klosterkirche sowie den Kapellen des Ursulinenklosters und des Krankenhauses wurde Erstkommunion gefeiert.

Rosenkranz und Sammeltasse

Nachdem die Pfarrkirche notdürftig wieder hergerichtet war, hatte Pastor Köster für Pfingstsonntag noch eine gemeinsame Feier angesetzt, denn in den Wirren dieser Kriegstage hatten nicht alle Kinder die Erstkommunion empfangen.

Ein gerahmtes Kommunionbildchen erhielt an diesem Tag jeder von der Kirche geschenkt. Heinz Halberstadt erinnert sich auch an die Geschenke von damals. Ein Rosenkranz, eine Sammeltasse oder ein gebrauchtes Taschenmesser sind heute Kleinigkeiten, aber in Kriegszeiten waren sie schon bedeutend.