100 Tote in Massengrab auf Olper Friedhof

Olpe..  Überall im Kreis Olpe feiern die Menschen an diesem Wochenende. Ganz anders vor 70 Jahren: Der Ostersonntag 1945 war einer der traurigsten Tage in der Geschichte der Stadt Olpe: Mehr als 100 Menschen, die weniger Tage vorher bei den Luftangriffen der Alliierten ums Leben gekommen waren, wurden in einem Massengrab beigesetzt. Pastor Franz Menke damals: „Mancher klagt Gott an, aber mit Unrecht. Wenn die Menschheit Gottes Gebote befolgt hätte, ständen wir jetzt nicht hier.“

Särge aus Fichtenbrettern

Während die Olper Innenstadt in Schutt und Asche lag, wurde am Karsamstag auf dem Olper Friedhof fieberhaft gearbeitet: 15 russische Kriegsgefangene hoben nicht nur das Massengrab, sondern auch zahlreiche Familiengräber aus. Das Sägewerk Heuell lieferte Fußbodenbretter an und die hiesigen Schreiner zimmerten eilig flache Fichtenkisten zusammen, unter die sie Kanthölzer als Tragegriffe nagelten. Französische Kriegsgefangene mussten die Leichen dann in die Särge legen und die Kisten vernageln.

Um Verwechslungen zu vermeiden, erhielt jeder Sarg einen Namenszettel. Diese Zettel existieren noch: Sie gehören ebenso zum Bestand des Olper Stadtarchives wie beispielsweise Personenbeschreibungen von Vermissten und Einsatzpläne der Such- und Bergungsmannschaften.

Ein Trupp notierte damals: „Lebend geborgen: Haus Bonzel: 1 Kind; Haus Dornseifer: Bernhard Dornseifer, Herr Wolf und eine weibliche Person; Milchhaus Rademacher: 1 Knabe. Gefallen: Haus Bonzel: 1 Knabe; Haus Dornseifer/Wolf: 5 männliche, 3 weibliche; Deutsche Bank: Herr Enders, 1 weibliche Angestellte. „Dass so etwas heute noch vorhanden ist, ist schon etwas ganz Besonderes“, so Stadtarchivar Josef Wermert.

So mancher Toter, den die Bergungstrupps aus der Asche der niedergebrannten Häuser gegraben hatten, brauchte keinen Sarg: Die sterblichen Überreste passten in ein kleines Kästchen.

Leichenteile in der Rochuskapelle

Von der Kapelle des Krankenhauses, an der die Opfer des Bombardements auf Bahren lagen, wurden die Toten mit Handwagen, Pferdefuhrwerken und ein paar Lastkraftwagen zum Olper Friedhof transportiert.

In der dortigen Rochuskapelle ein grauenhafter Anblick: Auf dem Fußboden lagen die verstümmelten Körper und Leichenteile, die nicht zu identifizieren waren.

Die Beisetzung in dem Massengrab fand am Ostersonntag bereits sehr früh am Morgen statt - um 6 Uhr. Denn je heller es wurde, desto größer war die Gefahr, von einem weiteren Luftangriff überrascht zu werden. „Tiefe Trauer erfüllt uns alle, inniges Mitleid mit den Angehörigen der vielen Toten, die nun in diesem Grabe geborgen werden sollen“, sagte Pastor Menke. „Ihnen gilt unsere Teilnahme. Wir klagen mit ihnen über so viel Leid und Weh, aber wir klagen auch an: den Geist, der dieses Unglück und Leid verschuldet hat.“
Quellen: „Olper Heimatstimmen“ und „Von der Weimarer Republik bis zur Gegenwart“, Teilband 1.