Zwei irakische Musiker und die Melodie des Friedens

Auf Konzerten singen Raid Abo (Mitte, re.) und Abo Abo (Mitte, l.) in ihren Liedern gegen den Terror und die Gewalt an.
Auf Konzerten singen Raid Abo (Mitte, re.) und Abo Abo (Mitte, l.) in ihren Liedern gegen den Terror und die Gewalt an.
Foto: Abo
Was wir bereits wissen
Raid Abo und Abo Abo erheben ihre Stimme gegen den Terror. Die Musiker aus Nord-Irak engagieren sich zudem für Flüchtlinge, geben etwa Deutsch-Unterricht in der Mülheimer Feldmann-Stiftung.

Mülheim.. Üblicherweise engagieren sich Künstler für eine Sache, mit dem, was sie können – nämlich mit ihrer Profession. Bei den Musikern Raid Abo (41) und Abo Abo (39) geht das Engagement über die Konzert-Bühne hinaus. Die beiden Brüder sind Anfang 2000 nacheinander aus dem Nord-Irak gekommen und wissen, wie Menschen sich im völlig fremden Land fühlen. Weil Verständigung die Basis von Integration ist, gibt Raid Abo, Dolmetscher und Sprach-Lehrer, der Anglistik studierte, in der Feldmann-Stiftung Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge. „Der Kontakt zum Team der Feldmann-Stiftung ist gut“, sagt er.

Für sie ist es ein Ehrenamt mit Anliegen: „Es ist uns eine große Freude, anderen helfen zu können, die Hilfe brauchen.“ Hilfsbereitschaft sei Ehrensache, „das haben wir in unserer Familie so gelernt“. So haben sie auch Kontakt zur Flüchtlings-Initiative „Wim“ gesucht, „wegen Kleiderspenden, die bei Hilfstransporten in den Irak gehen sollen“. Die guten Verbindungen sind da und Mülheim gefällt den derzeit in Essen lebenden Musikern. „Wir sind auf der Suche nach einer Wohnung in Mülheim.“

"Die Musik macht uns fröhlich"

Um Lebensfreude und ein friedliches Miteinander zwischen Menschen aller Religionen zu stiften, geht’s den beiden Brüdern bei ihrer Musik. „Die Musik macht uns fröhlich. Und es ist auch eine Freude, ein Lächeln auf den Gesichtern der Menschen im Publikum zu sehen.“

In ihrer Heimat ist ihnen das Lachen schon vor langem vergangen. Raid Abo und Abo Abo gehören zur Bevölkerungsgruppe der Jesiden, einer Minderheit im Irak, die von der Terrormiliz des Islamischen Staates mit aller Gewalt verfolgt wird. Die beiden Brüder berichten davon, dass „fast 80 Prozent der Jesiden vor dem IS auf der Flucht sind“. Sie wissen von mehr als „5000 Männern, die geköpft wurden, von massenhaften Vergewaltigungen und verkauften Kindern“ in der Krise, die 2014 ihren vorläufig traurigen Höhepunkt erreichte, und lange vorher begann. „Aus Angst vor dem Regime im Irak“ waren die Musiker geflohen. In ihrer Heimat sind sie dafür bekannt, weil sie ihre Stimme gegen den Terror und die Gewalt mit klaren Worten erheben. „Wir waren die ersten Jesiden, die über die Probleme der Jesiden gesungen haben“. Im Irak fühlten sie sich, ihre Eltern, sechs Brüder und zwei Schwestern nicht mehr sicher, weil der politisch links orientierte Vater „auf der schwarzen Liste stand“. Bis auf einen Bruder kam die ganze Familie nach Deutschland.

Hier können sich Raid Abo und Abo Abo ohne Angst frei entfalten: „Wir glauben an die Liebe. Und wenn die Liebe weiterbesteht, dann geht auch das Leben weiter.“

Ein Konzert im Theater an der Ruhr

Das Leben von Raid Abo und Abo Abo ist Musik und Poesie, gepaart mit humaner Botschaft. Daheim bleiben und kämpfen – darin sahen die Brüder keinen Weg für sich. Mit ihren Liedern, selbst komponiert und geschrieben, wollen sie ein Zeichen setzen für Menschlichkeit. „Aber unsere Lieder haben auch mit unserer Moral zu tun.“ Songs, die Klartext sprechen über Macht, Missbrauch und Gräueltaten. Bei Festivals in Deutschland und im Ausland, in Flüchtlingsdörfern und auch „sehr viel bei Demos“ treten sie auf, beteiligen sich an Kampagnen zur Flüchtlingshilfe. Kürzlich gab das Duo ein Konzert im Theater an der Ruhr. „Das war super und sehr voll. Viele Flüchtlinge waren dabei.“ Zusammen mit Êzîdîn Nadia Murad, die es aus der Gefangenschaft der Terrormiliz IS geschafft hat, und die für den Friedensnobelpreis nominiert ist, möchten sie gern ein Video machen. Neue Lieder sind ebenfalls in Planung, erläutern die Brüder: „Dafür suchen wir aber noch einen Produzenten.“