Zurücklehnen und genießen
06.10.2008 | 18:37 Uhr 2008-10-06T18:37:00+0200So regelmäßig, wie sich die Laubbäume lichten, finden in Mülheim die „Herbstblätter” statt: eine Lese-Reihe der Stadtbücherei mit Partnern. Die nunmehr zehnte Auflage, die vom 13. Oktober bis 5. November läuft, umfasst insgesamt neun Veranstaltungen.
Gleich zum Auftakt der „Herbstblätter” wird angestoßen: mit der Sommelière und Zeitschriftenkolumnistin Natalie Lumpp, die von ihren Besuchen Badener und Württemberger Weingüter berichtet. Die passenden Tropfen kann man gleich probieren.
Bereits vor zwei Jahren war die Weinexpertin bei den „Herbstblättern” präsent. Und „auf vielfachen Wunsch”, so Klaus-Peter-Böttger, Leiter der Stadtbibliothek, gibt es am 17. Oktober auch mit zwei anderen Damen ein Wiedersehen: Minck & Minck. Das Krimi-Duo aus Bochum bringt diesmal „abgemurkst” mit, den zweiten Band, in dem genau dieses wiederholt geschieht. Maggie Abendroth und Co. ermitteln . . .
Schließlich noch ein bekanntes Gesicht, mit einer geschulten Stimme verbunden: Schauspielerin Nina Hoger liest am 27. Oktober in der Kassenhalle der Sparkasse, mit der die „Herbstblätter” seit Beginn kooperieren. Hoger, die 2007 an selber Stelle Else Lasker-Schüler rezitierte, präsentiert wieder ihre lyrische Seite, diesmal Gedichte von Hilde Domin. Dabei begleitet sie das Ensemble Noisten, eine Gruppe, die jüdische Klezmer-Musik mit Flamenco, Jazz oder tamilischen Klängen weiterentwickelt.
Am letzten Oktobertag schließlich gehen die „Herbstblätter” auf Tour: In drei Bussen lesen drei Autoren – ein Vorhaben, das im Vorjahr abgebrochen und in der Bibliothek fortgeführt werden musste, weil die Akkus der akustischen Anlage aussetzten. „Diesmal läuft die Technik”, versichert Peter Beine, Sprecher der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG), an deren Betriebshof die Veranstaltung „mobiLES” startet.
Mit je einem Schriftsteller an Bord fahren die Busse los. Wahlweise lauscht man unterwegs Karen Duve („Taxi”), Peter Stamm („Wir fliegen”) oder Ricarda Junge („Eine schöne Geschichte”). Im halbstündigen Takt können die Gäste das Fahrzeug wechseln. „mobiLES” ist ein Projekt des Kultursekretariates NRW, das auch in anderen Revierstädten stattfindet, in Mülheim aber die „Herbstblätter” bereichert.
Die Reihe setzt auf niedrige Eintrittspreise – bis auf wenige Ausnahmen ist man mit fünf Euro dabei, für die Stadtbücherei nicht kostendeckend. „Wir subventionieren sie ganz bewusst”, erklärt Klaus-Peter Böttger. Und ein bisschen bekommt sein Haus auch zurück: Die bisherigen „Herbstblätter” hätten stets die Ausleihzahlen belebt.
Böttger verspricht, die Reihe werde auch in Zukunft fortgesetzt: „Erst recht im neuen Medienhaus, wo wir ganz andere Möglichkeiten haben.” Er meint: moderne, großzügigere Räume, die er derzeit vom Schreibtisch aus als Grundriss vor Augen hat. Riesige Blätter, nicht in Herbttönen, sondern in Blütenweiß.

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