Zum Dank gab es mal ein Huhn
20.08.2007 | 23:29 Uhr 2007-08-20T23:29:16+0200Die Ärztin Britta Budde-Schwarztmann hilft dort, wo sonst keiner hinkommt
MENSCHEN IN MÜLHEIM Es sind Dörfer ohne Namen, die sie aufsucht, irgendwo weit draußen im Dschungel, weit weg von Orten, die nächste Stadt liegt Stunden mit dem Auto entfernt. Trommeln kündigen die weiße Ärztin an, die Mülheimerin Dr. Britta Budde-Schwartzmann. Die Kinderchirurgin hilft dort, wo sonst keine Ärzte hinkommen, in Ghana. Demnächst wird sie mit einer mobilen Klinik unterwegs sein.
Zurzeit ist sie auf Heimaturlaub in Mülheim. Hier ist sie aufgewachsen, hat die Luisenschule besucht, ihr Abitur gemacht und später in Aachen Medizin studiert. Afrika habe sie schon immer gereizt, sagt sie. Ärztin in einer deutschen Klinik, mit Festvertrag und Karriereaussicht - nein, das sei nichts für sie. "In Afrika werde ich gebraucht, da weiß ich: Wenn ich nicht helfe, hilft keiner."
Mit ihrem Mann, einem Arzt aus Tel Aviv, ging sie in den 90er Jahren das erste Mal nach Afrika, arbeitete in einem Missionskrankenhaus. "Ich machte alles, Geburten, Kaiserschnitte, Wundversorgung, kleine Bauch-Operationen, versorgte Kinder mit Malaria." Alles mit bescheidenen Mitteln, mit zwei Stunden Strom am Tag. Zwölf Stunden arbeitete sie täglich. "Es ist ein ständiger Kampf gegen den Tod, und ich versuche, einen Schritt schneller zu sein."
Drei eigene Kinder - zehn, fünf und anderthalb Jahre alt - hat das Mediziner-Paar, das sonst in Israel lebt, inzwischen. Sie gehen mit nach Afrika, besuchen dort eine Schule, leben mit in dem kleinen Steinhaus, das die Eltern beziehen, essen Maisbrei, Reis, Früchte. Sie lernen Twi, einen Dialekt, den sie in Ghana sprechen. Sie lernen vor allem auch Bescheidenheit.
Diese Bescheidenheit der Menschen in Ghana fasziniert Britta Budde-Schwartzmann, ihre Fröhlichkeit begeistert sie, ihre Dankbarkeit macht sie manchmal verlegen. Einmal, erzählt sie, habe sie nach der Behandlung eines Kindes ein Huhn von der Familie geschenkt bekommen. "Wissen Sie, das ist dort ein Mercedes."
Bescheidenheit, sagt die Mediziner, habe sie selbst zufrieden, glücklich gemacht. Sie lacht viel und schwört, dass sie in Ghana intensiver lebe. Abends sitze sie mit ihrem Mann zusammen bei Kerzenlicht, und sie erzählten sich von ihrem Tag, von Erfolgen und Niederlagen. "Das Schlimmste ist, wenn mal wieder ein Säugling gestorben ist, und ich ihn in ein Tuch gehüllt den Eltern übergeben muss."
Mit der mobilen Klinik, einem umgebauten Wagen, will sie wieder die Dörfer ansteuern, aus denen die Menschen nie eine Klinik erreichen könnten. Leichtere Fälle behandelt sie direkt vor Ort, schwer Kranke werden in die Missionsklinik gebracht. Sie finanzieren das Projekt über eine Stiftung, die ihr Mann in Israel gegründet hat.
In Mülheim wohnen ihre Eltern, ihre Freundinnen. Sie geht über die Schlossstraße bummeln, lässt ihre Blicke durch die Fülle der Angebote schweifen. Welch' eine andere Welt! Eines, sagt sie, falle ihr besonders auf: "Es ist erschreckend, wie wenige Kinder es hier gibt."

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