Zum 100. Geburtstag Rückblick auf ein bewegtes Leben

Friederike Habel wurde im Sudetenland geboren. Heute feiert sie ihren 100. Geburtstag in Eppinghofen.
Friederike Habel wurde im Sudetenland geboren. Heute feiert sie ihren 100. Geburtstag in Eppinghofen.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Friederike Habel feiert heute ihren 100. Geburtstag. Zwei Kriege prägten das Schicksal ihrer Familie, die in Mülheim eine neue Heimat fand.

Mülheim.. Als Friederike Habel geboren wurde, warfen deutsche Zeppeline Bomben auf London ab – der Erste Weltkrieg wütete in Europa. Ihr Vater fiel als Soldat, noch bevor seine Tochter am 7. April 1915 in Böhmen zur Welt kam. Friederike Habel und ihre Familie überlebten den Zweiten Weltkrieg und fanden in Mülheim eine neue Heimat. Am heutigen Dienstag feiert sie ihren 100. Geburtstag.

An ihr Heimatörtchen Böhmisch Aicha im damaligen Sudetenland an der tschechischen Grenze erinnert sich Friederike Habel gerne zurück. „Ich bin zweisprachig aufgewachsen und spreche heute noch tschechisch“, berichtet die Eppinghoferin. An der Heißener Straße hat sie heute ihr Zuhause. Eine Erinnerung an die alte Heimat hängt gleich im Flur ihrer Wohnung: Ein Trachtenkleid. „Das schaut sie sich gerne an“, sagt Sohn Jürgen Habel, der sich liebevoll um seine Mutter kümmert.

1939 Hochzeit in Karlsbad

In Karlsbad hatten Friederike Habel und ihr Mann 1939 geheiratet, kurz darauf kam Sohn Jürgen zur Welt. Die Familie lebte in Dresden, als der Vater 1943 nach Mülheim geschickt wurde, „wo er Kriegsschäden bearbeiten sollte“. Um die Familie wieder zusammenzuführen, entschloss sich Friederike Habel im Februar 1945, ihrem Mann ins Ruhrgebiet zu folgen.

„Dafür musste ich mir extra eine Genehmigung einholen“, erinnert sie sich. Mit dem Zug ging es 600 Kilometer in Richtung Westen. Als Mutter und Sohn in Mülheim beim Vater an die Tür klopften, war dieser überrascht und wollte die beiden gleich wieder zurückschicken.

Informationen über den Krieg über den Volksempfänger

„Er meinte, dass es in Mülheim viel zu gefährlich für uns sei wegen der Bombenangriffe.“ Aus dem Volksempfänger erfuhr die Familie kurz darauf von den Luftangriffen auf Dresden. „Wären wir da geblieben, hätten wir das sicher nicht überlebt“, glaubt Jürgen Habel. Schließlich wohnten sie gleich neben der Dresdener Frauenkirche. Ihr gesamtes Hab und Gut wurde bei dem Bombenangriff zerstört, so dass die Mutter nur ein einziges Fotoalbum in die neue Heimat retten konnte. Dieses ist heute ihr größter Schatz. Die Familie blieb auch nach Kriegsende in Mülheim, wo sie sich wohl fühlte und der Vater eine Stelle in der Verwaltung bekam. „Wir wohnten in Broich, Speldorf, später auch in Eppinghofen“, zählt Jürgen Habel auf.

Um der Heimat in der Ferne nah zu bleiben, trat die Familie in die Sudetendeutsche Landsmannschaft ein. „Außerdem sind wir immer viel gereist, haben Europa gesehen, Norwegen, Spanien, Griechenland.“ Ohnehin: Aktiv sei die Mutter immer gewesen. Ob das der Grund für ihr hohes Alter ist? „Ich bin immer viel gelaufen – manchmal bis zum Speldorfer Friedhof und zurück“, erinnert sich die freundliche alte Dame. Ihren Geburtstag feiert sie heute im kleinen Kreis mit Familie und Freunden.

Die WAZ gratuliert ihr herzlich!