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Zu viel von zu wenig

15.09.2009 | 18:54 Uhr

Gustav-Heinemann-Gesamtschule: Lehrerlücke ist größer als es der Stellenplan ausweist und der Lehrermarkt ist leergefegt.

Die Debatte um die Lehrerausstattung in Mülheim gewinnt an Schärfe. In einem ungewöhnlichen Akt ist gestern die Leitung der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Widerspruch zur Bezirksregierung in Düsseldorf gegangen. Wie Schulleiterin Christa van Berend und Organisationsleiter Elmar Schröer erklärten, fehlten ihrer Schule mehr als 1,9 Stellen. Mit dieser Angabe hatte die Bezirksregierung Düsseldorf am Montag einen Brandbrief der Schulpflegschaft als unbegründet zurückgewiesen. Gegenüber der NRZ bekräftigte der Leiter der Düsseldorfer Schulabteilung, Thomas Hartmann, diese Einschätzung. „Schulen sind eigenverantwortlich. Wenn man uns dann für Fehlstände verantwortlich machen will, ärgert uns das.”

Die Schule verwies dagegen darauf, dass es darauf ankäme, welche Daten man zugrundelege und stützt sich auf das so genannte Kontenblatt vom Mai. Nach dem ist die Schule mit einem Minus von 6,68 Stellen ins Schuljahr gestartet. Kontenblätter werden bei der Bezirksregierung geführt und stellen eine Ist-Soll-Prognose dar. Die Lücke vergrößere sich noch, wenn man Erkrankungen und Elternzeit hinzuzähle. Das aber tut die Aufsichtsbehörde nicht. Dafür gebe es einen Vertretungspool, aus dem „so gut wie immer” (Hartmann) Ersatz zu beschaffen sei. Über derart bedingte Lücken dürften sich Schulen mithin nicht beklagen.

Van Berend und Schröer aber betonen, dass die reine Stellenbetrachtung das tatsächliche Angebot auf dem Arbeitsmarkt ignoriere. So habe die Gustav-Heinemann-Gesamtschule zwar tatsächlich zum neuen Schuljahr vier Stellen ausschreiben dürfen. Nur eine aber konnte auch besetzt werden: „Der Markt an ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern ist so gut wie leergefegt”, heißt es in der Erklärung.

Diese Sicht bestätigen auch andere Praktiker aus dem Schulbereich. Die Lehrergewerkschaft GEW beziffert die Zahl der im Regierungsbezirk zum Schuljahreswechsel ausgeschriebenen Stellen auf 600. Ihnen standen 400 Bewerber gegegnüber. Und keineswegs jeder von ihnen erfüllt die Anforderungen. Van Berend sagt, sie werde es auch künftig vermeiden, „Lehrpersonal ohne qualifizierte Abschlüsse zur Abdeckung des Unterrichtsbedarfes einzusetzen.” Das deckt sich mit den Erwartungen, die die Schulpflegschaft formuliert hat. Die Vorsitzende Alexandra Neuendorf sieht, wie engagiert die Lehrer versuchten, die „hochwertige Arbeit” aufrechtzuerhalten. Sie sieht aber auch, dass die „offenkundige Unterbesetzung” das verhindert und Lehrer an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gehen müssten - und manchmal darüber hinaus.

Neuendorf versteht zudem nicht, warum bislang nur die Bezirksregierung und dann auch nur über Pressemitteilungen reagiert. „Wir haben”, sagte sie gestern, „den Brief an Schulministerin Sommer adressiert, und von ihr erwarten wir auch eine Antwort.”

Detlef SCHÖNEN

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16.09.2009
18:14
Zu viel von zu wenig
von Thomas Klappstein | #3

Endlich hat da mal eine Schulleitung einen ***** in der Hose - und widerspricht den lebensfremden und schönrechnenden Bürokraten in den Bezirksregierungen. Da wünscht man sich einfach mehr von.

16.09.2009
17:44
Zu viel von zu wenig
von AndererBuergerMH | #2

Da habe ich andere Erfahrungen gemacht. Mit denen im Ministerium oder Bezirksregierung kann man schon kommunizieren, wenn man erst mal den richtigen Ansprechpartner erwischt hat, per Telefon und E-mail. Nur mit offiziellen Briefen an Eltern/Schulpflegschaft tun sie sich schwer, müssen sich an den Dienstweg halten, sonst gibts u.U. schnell einen auf die Nuss, insbesondere bei heiklen Themen.

War aber unter Schäfer und Vorgängern um keinen Deut anders.

Demgegenüber bekomme ich aus unserem Rathaus bei Angelegenheiten, für die unsere Stadtverwaltung originär zuständig ist, manchmal auch nach Wochen gar keine Antwort, manchmal auch sehr schnell innerhalb von Stunden. Kommt immer drauf an, wo man vorstellig werden muss.

Manche haben einfach ein - ich will gar nicht kundenorientiert sagen - partnerschaftliches Verständnis von ihrem Job in Bezug auf den Bürger, den es betrifft. Dann läuft es prima.

Bei anderen muss man beinahe handgreiflich werden, bevor die sich auch nur rühren (Schock- oder Schlafstarre ? - werden wir nie wissen)

16.09.2009
16:28
Zu viel von zu wenig
von buergerMH | #1

Schön, dass die dortige Schulpflegschaftsvorsitzende den Mut gefunden hat, diesen Weg (Brief ans Ministerium, Gang an die Presse) zu gehen.

Schön auch, dass die dortige Schulleitung das offensichtlich nicht zu verhindern versucht hat (wie es an anderen Schulen - auch in MH - leider so oft passiert).

Die Erfahrung mit dem unsäglichen Kommunikationsstil des Ministeriums (keine Antwort) kann ich leider nur bestätigen. Das ist kein Einzelfall, das ist Standard im Hause Sommer.

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