Zielgerichtete Stadtentwicklung

Es gibt immer Situationen, in denen hat man den Eindruck, dass die Rechte in einer Verwaltung nicht weiß, was die Linke tut, denn die Abstimmungsprozesse werden umso schwieriger je größer die Apparate werden. Dann können Chancen verloren gehen, weil bestimmte Möglichkeiten gar nicht bekannt waren. Die Lösung dafür scheint eigentlich ganz einfach zu sein. Alle Beteiligten müssen an einen Tisch und Reden. Diese Erkenntnis war die Geburtsstunde einer Runde, die in der Stadtverwaltung unter dem Namen Flächenkonferenz läuft. Was so naheliegend klingt, ist in der Realität natürlich komplizierter. Vielleicht 30 Personen aus unterschiedlichen Ämtern, die deshalb auch immer einen unterschiedlichen Blick auf eine Fläche haben, kamen bei der Premiere zusammen, um zielgerichtet über das Zukunftspotenzial unterschiedlicher Flächen zu sprechen. Mit welcher Priorität Flächen zu versehen sind, in welcher Regelmäßigkeit sie auf Wiedervorlage kommen und in welchem Prozedere sie in der Flächenkonferenz behandelt werden, hat der Werkstudent Maximilian Klar entwickelt, der darüber seine Examensarbeit schreibt. Planungsdezernent Peter Vermeulen zeigte sich nach dem ersten Durchgang dieser Konferenz begeistert von dem Ablauf, weil die Teilnehmer hinterher einen ganz anderen Blick erhalten.“ Das ist absolut lohnenswert“, sagt Vermeulen und lobt vor allem auch das Instrumentarium, das der Student entwickelt hat. Auch um Kontakte zu privaten Akteuren, etwa den Kirchen geht es hier.

Examensarbeit eines Studenten

Thematisch war der Anstoß durch ein Positionspapier des Deutschen Städtetages gekommen, der das Spannungsfeld thematisierte, in dem sich künftig Stadtentwicklung bewegt: zwischen Flächenknappheit, demografischem Wandel, knappen Finanzen und brach gefallenen Flächen. Derzeit würden in Deutschland täglich über 100 Hektar Freifläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke vernichtet. Strategien seien nötig, um diesen Flächenverbrauch zu stoppen. Einmalig ist eine solche Abstimmung keineswegs, auch in Essen ist das inzwischen Praxis, aber Mülheim habe dabei durchaus seine Besonderheiten, freut sich Vermeulen.

Das Areal der heutigen Max-Kölges-Schule ist so eine Fläche, deren Zukunft bei der Konferenz besprochen wurde. Hier kommen mehrere Nutzungen zusammen. Im vorderen Bereich befindet sich noch eine Kita, der hintere Bereich mit dem Schulgebäude, das sich in einem erbärmlichen Zustand befindet, ließe sich eine Wohnnutzung realisieren, da es verkehrsgünstig gelegen ist. Großer Erschließungsaufwand wäre hier nicht mehr zu betreiben.

Eine wichtige Voraussetzung für die zielgerichtete Behandlung einer Fläche ist es dabei, dass alle relevanten Daten auf einer Plattform gebündelt werden. Dazu zählen unter anderem Größe, Planungsrecht, Eigentümerstruktur, Belastung der Fläche, die bisherige Beschlusslage oder erforderliche Gutachten. Schon durch die Abwägung dieser Daten können erste Einschätzungen zur Zukunft der Fläche abgegeben werden.