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7. Museumsnacht

Zauberhafte Begegnungen

14.09.2008 | 18:37 Uhr

Hunderte von Bürgern sind unterwegs. Es ist die 7. Museumsnacht.

Wie ein stummer Wächter ragt er in den blauen Himmel. Eine Menschengruppe steht vor dem Bismarckturm auf der Wiese des Kahlenbergs. Wartet auf die Begrüßungsworte des Turmherren. „Im Rahmen der siebten Mülheimer Museumsnacht erkläre ich die Ausstellung „AnDer Nacht und Nebel” für eröffnet”, sagt Künstler Jochen Leyendecker, der hier im Bismarckturm sein Atelier hat. „Schwarzarbeiten” lautet der Untertitel der Ausstellung, die noch bis zum 5. Oktober zu sehen ist. Düstere Bilder und schwarze Skulpturen führen die Besucher immer weiter hinauf, bis zur Spitze des Bismarckturms. Die Nacht wird hier ein wenig dunkler, greifbarer. „Wir möchten unsere Kunst an ungewöhnlichen Orten präsentieren”, erläutert Leyendecker. Das ist auf jeden Fall gelungen. Das fast hundert Jahre alte Gemäuer liefert die richtige Atmosphäre. Ganz oben auf dem Turm kann dann frei geatmet werden. Dort oben reicht der Blick weit über die Stadt und das Ruhrtal. Den Ausblick von hoch oben haben auch die lebendigen Riesenfrauen, die vor der Camera Obscura stehen. Die Ausstellung des Projekts von Fotograf Hans-Werner Leidemann heißt „Starke Männer - Große Frauen”. „Ich habe die Beobachtung gemacht, dass karrierebewusste Männer oft eine Frau im Hintergrund haben, die sie antreibt”, erklärt er. Seine männlichen Modelle werden in Normalgröße und sehr finanzkräftig dargestellt. Die Frauen stehen auf Leitern, die durch lange Kleider verdeckt werden. Sind also doppelt so groß wie die Männer. „Das soll ihre Stärke zeigen. Die Frau hat das Sagen”, so der Künstler. Er stelle die Beziehung zwischen Mann und Frau da. Von menschlichen Beziehungen und ihren Charaktereigenschaften hat auch Mitternachtsmagier Dr. Knut Knackstedt Ahnung. Mit seiner tiefen Stimme zieht er die Besucher des Leder- und Gerbermuseums in seinen Bann. Ein Pavianschädel liegt auf seinem Tisch. Und die Haut einer Tarantel. Freiwillige sollen sich eines seiner mystischen Objekte auswählen ohne, dass er sieht was sie wählen. „Junge Mädchen möchten etwas Besonderes sein. Sie müssen sich entwickeln und aus etwas her-ausschlüpfen”, sagt der Magier und errät damit, dass das kleine Mädchen die Tarantelhaut in Händen hält. Mit etwas mehr Humor, alt bekannten Tricks und einem typischen Zauberernamen tritt der große Aladdin am Haus Ruhrnatur vor sein Publikum. Er faltet seine Zeitung zusammen und gießt ein Glas Wasser hinein. „Das funktioniert nur mit Ruhrwasser”, sagt der Magier ernst. Die Zuschauer lachen. Als er die Zeitung auseinander faltet, ist sie weder nass, noch läuft irgendwo Wasser herunter. Dann faltet der kleine Mann mit den roten Wangen seine Zeitung zusammen und gießt das verschwundene Wasser zurück ins Glas. Danach lässt er einfach eine Zigarette in einer Jacke verschwinden, jongliert mit Bällen und brennenden Stäben und spuckt Feuer. Die Nacht der Museen hat für jeden ihren Zauber.

Nathalie LOERKE

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Kommentare
10.10.2008
20:30
Zauberhafte Begegnungen
von BirgitW | #2

I visited the camera obscura, but it was disapointing that it was only in German, also they have an english website. Lots of things have been out of order, although it should be a new museum?!

15.09.2008
09:54
Zauberhafte Begegnungen
von Bildungsbürger | #1

Als ein von extern Beteiligter möchte ich meine erheblichen Zweifel darüber zum Ausdruck bringen, dass die Lange Nacht der Museen mit ihrem so vielseitig attraktiven Programm das geeignete Podium ist, Jugendlichen einen Rahmen zum Abfeiern und zügellosen Alkoholkonsum zu ermöglichen. Wer mit dem Fünf-Liter-Partyfaß Nachschub unterm Arm schon am zweiten Tourhalt sichtbar und hörbar angetrunken aus dem gesponsorten Partybus stolpert, ist wohl kaum an der gebotenen Museums-Kultur interessiert.
Das eigene Feigenblatt als Antwort auf die erziehungspolitische Dauerfrage jeder Veranstaltung „Wie begeistere ich die Jugend dafür?“ kann eine solche organisierte “Tour de Promille“ jedenfalls nicht sein.
Ums mit Fritz Eckenga zu sagen: „...und darüber könnt‘ Ihr in der nächsten Halbzeitpause mal ‚ne Viertelstunde nachdenken! Viertelstunde...schafft Ihr schon!“

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