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Wirtschaft will Mitarbeitern mit Kind und Kegel mehr helfen - nur wie?

20.01.2012 | 17:49 Uhr
Wirtschaft will Mitarbeitern mit Kind und Kegel mehr helfen - nur wie?
Wie lassen sich Berufstätigkeit und private Verpflichtungen besser unter einen Hut kriegen? Die Wirtschaft wird allmählich, da sich Fachkräftemangel abzeichnet, sensibler für das Thema.Foto: Ingo Otto

Mülheim.Eine Patentlösung wird es nicht geben können. Das ist das ernüchternde, aber doch wenig überraschende Ergebnis eines von der Agentur für Arbeit initiierten Spitzentreffens mit Vertretern aus Wirtschaft, Verbänden und den Städten Mülheim und Oberhausen zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Klar ist indes allen Beteiligten: Arbeitgeber werden auf diesem Feld aktiver werden müssen, um angesichts des vorhersehbaren Fachkräftemangels Mitarbeiter zu halten und neue für sich zu gewinnen.

Nach dem mehr als dreistündigen Gespräch hatte Agentur-Geschäftsführer Heinrich Lehnert zunächst Mühe, eine Bilanz für das Spitzengespräch zu ziehen. Ein klares Ergebnis gab es ja nicht. Oder doch: Die Probleme der Unternehmen, ihren Mitarbeitern zu helfen, deren Arbeitssituation mit der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause besser in Einklang zu bringen, seien vielschichtig. Das Siemens-Modell, in Mülheim seit neuestem einen Betriebskindergarten vorzuhalten, ist natürlich keines für Mittelständler. Siemens hat 5000 Beschäftigte, ein durchschnittlicher Handwerksbetrieb, so Jörg Bischoff von der Kreishandwerkerschaft, sieben. . .

Folgerichtig sind Verbundlösungen erstrebenswert. Diese will die Wirtschaftsförderung Mülheim & Business , so ihre Ankündigung jüngst, für die Gewerbegebiete am Hafen und rund um die Geitlingstraße in Heißen einzustielen versuchen.

Angebote für Kinderbetreuung decken den Bedarf nicht ab

Dass bestehende Angebote zur Kinderbetreuung den Bedarf nicht decken, räumt Sozialdezernent Ulrich Ernst ein. Man könne mit vorhandenen Finanzierungsmitteln keine Betreuung anbieten, die einen so großen Zeitraum abdecke, dass für alle Arbeitnehmer gesorgt werden könne.

Anja Bremer vom Ev. Krankenhaus kennt die Probleme. Rund um die Uhr sind Ärzte und Pflegekräfte (auch in den drei Seniorenheimen und demnächst dem Hospiz der Stiftung) im Schichteinsatz. Man versuche schon, Eltern unter den Beschäftigten über die Dienstplangestaltung entgegenzukommen, doch das gelinge nur begrenzt. Zusätzlich schwierig: Pendler, die in Mülheim arbeiten, aber anderswo wohnen. Das EKM gibt ihnen eine Broschüre mit Ansprechpartnern für die Kinderbetreuung in der Region in die Hand. Dankbar zeigte sich Bremer nun für den Hinweis der Awo, dass sie als überregional tätige Organisation möglicherweise den passenden Eltern-, auch Pflegeservice anbietet und aus einer Hand bedarfsgerechte Angebote vermitteln kann (www.elternservice-awo.de). Das Fraunhofer Institut in Oberhausen setzt auf externe Dienstleister, die Betreuungshilfen organisieren.

Kind und Beruf sind oftmals nicht in Einklang zu bringen

Eine Lösung im Bereich der Kinderbetreuung, die auch das EKM prüft, könnte laut Oberhausens Sozialdezernent Reinhard Frind etwa sein, dass Mittelständler – unter Beachtung aller rechtlichen Vorgaben – eine Tagespflegegruppe möglich machen: „Damit könnte ein Arbeitgeber fünf Mütter glücklich machen.“ Wobei, so sein Mülheimer Pendant Ulrich Ernst, „solche Dinge Geld kosten“. So viel, dass bei Geringverdienern fast der komplette Lohn draufginge. Wieder ein Problem.

Dieter Schwabl vom Mülheimer Bäckerei-Filialisten Döbbe (47 Standorte) kennt das Problem nur zu gut, dass Mitarbeiterinnen nur schwer zu halten sind, wenn gleichzeitig die Kinderbetreuung sicherzustellen ist. „Sie leiden extrem unter der Situation.“ 20 % Personalfluktuation habe Döbbe im Jahr, jede vierte ausscheidende Kraft gebe aufgrund der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf auf. Dabei hält Schwabl den Döbbe-Standard für flexibel, dass mit wöchentlichem Wechsel im Zwei-Schicht-System gearbeitet wird: Morgens ab 6 Uhr bis mittags – und mittags bis abends um 21 Uhr. Weder um 6 noch um 21 Uhr aber haben Kindertagesstätten geöffnet.

Beratung zu Kinderbetreuung und Angehörigenpflege, so Sozialdezernent Ernst, können Berufstätige und Unternehmen im Amt für Kinder, Jugend und Familie („Servicestelle Betreuung“ am Kohlenkamp) oder im Sozialamt einholen. IHK-Präsident Dirk Grünewald unterbreitet Unternehmen das Angebot, sich an den IHK-Ausschuss „Familie + Beruf = Zukunft“ zu wenden. Dort versuche man Ideen aufzugreifen, Unternehmen zusammenzubringen, Probleme anzugehen.

Mirco Stodollick

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