"Wir sind uns keiner Schuld bewusst"
10.10.2007 | 22:35 Uhr 2007-10-10T22:35:14+0200WIRTSCHAFT. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub bezieht Stellung zu den Verdi-Vorwürfen in Sachen Lohndumping bei Kik.
Vehement verwahrt sich der geschäftsführende Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann, Karl-Erivan Haub, gegen den von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erhobenen Vorwurf, Mitarbeiter der Tengelmann-Tochter KiK würden zu Dumpinglöhnen beschäftigt (die NRZ berichtete). "Wir sind uns in keiner Weise einer Schuld bewusst", erklärte Haub auf der gestrigen Bilanzpressekonferenz des Handelsunternehmens. "Wären die Menschen hoch unzufrieden, so würden sie nicht bei uns arbeiten kommen." Statisch betrachtet mögen 5,20 Euro netto zwar nach wenig aussehen, und ihm sei auch bewusst, dass die Kosten für Energie und Miete in den letzten Jahren stark gestiegen seien, so Haub. Doch sozial sei es, erst mal Arbeit zu haben "und sich dann im Unternehmen weiter entwickeln zu können." Die meisten Kik-Beschäftigten seien im Übrigen Teilzeit-Mitarbeiter, die etwas hinzu verdienten.
Dass Verdi den Textil-Discounter angreife, sieht Haub in einem anderen Zusammenhang begründet: Erstens wolle die Gewerkschaft Mitglieder gewinnen, zweitens solle damit das Thema Mindestlohn wieder in die Diskussion gerückt werden.
Strafanzeige liegt nicht vor
Entgegen den Behauptungen von Verdi gäbe es auch keine Strafanzeige gegen den geschäftsführenden Gesellschafter von Kik, Stefan Heinig. Dies bestätigte gestern auf NRZ-Anfrage der Pressesprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft, Detlef Nowotsch. "Uns liegt nichts vor."
"Das wundert mich sehr", meinte hingegen die Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Henrike Greven. "Die Strafanzeige gegen Herrn Heinig haben wir am 1. Oktober an die Staatsanwaltschaft geschickt." Seit einigen Tagen stünde das Telefon im Verdi-Bezirk nicht mehr still. "Uns rufen tagtäglich betroffene Kik-Mitarbeiter an, auch aus anderen Bezirken. Da ist sogar von nur 4,60 Euro Stundenlohn die Rede", so Greven gegenüber der NRZ. Verdi bleibt auch bei seinem Vorwurf, dass KiK-Beschäftigte keinen gesetzlichen und damit bezahlten Mindesturlaub hätten. Und das seit vielen Jahren. Ebenso gäbe es keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
Erfreulicheres kam bei der gestrigen Tengelmann-Pressekonferenz aber auch zur Sprache: Zwar verhandele man in Sachen Plus mit anderen Unternehmen über mögliche Partnerschaften, bestätigte Haub, doch die unter den Plus-Beschäftigten entstandene Unruhe sei unbegründet: Läden und Lager würden bei einer Partnerschaft nicht aufgelöst. "Und wenn wir keinen Partner finden, werden wir mit Plus alleine weitermachen", so Haub.

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