„Wir sind für alle Bürger da“

Der Name ist Programm: Der Verein Mülheimer Nachbarschaft e.V. leistet seit fünf Jahren eine Art moderner Nachbarschaftshilfe, füllt die Lücke, die vielerorts durch den Rückgang traditioneller Strukturen entstanden ist.

„Wir haben uns damals überlegt: Wie begegnen wir als Mülheimer Wohnungsbau, MWB, der zunehmenden Vereinsamung der Menschen und ihrem steigenden Alter“, sagt Wilfried Cleven, Vereinsvorstand. „Wir sprechen die Menschen an, gehen auf ihre Bedürfnisse ein, versuchen die Gemeinschaft der Genossenschaft zu stärken.“

So gründete der MWB, mit 8500 Mitgliedern größter Vermieter in der Ruhrstadt, 2010 den Verein, der sein Ladenlokal an der Friedrich-Ebert-Straße 6 bewusst vom Stammsitz losgelöst hat, damit keine Berührungsängste entstehen.

„Wir möchten die Bürger einladen, vorbeizuschauen, uns kennen zu lernen, uns ihre Sorgen mitzuteilen“, so Mitarbeiterin Alexandra Teinovic. Der Nachbarschaftschaft beitreten (monatlicher Beitrag: 2,50 Euro, 2 Euro für MWB-Mitglieder) könne jeder, nicht nur MWB-Mitglieder.

Verein kümmert sich um Probleme

„Oft kommen Menschen herein, plaudern sich warm und rücken dann nach und nach mit ihren Anliegen heraus“, erzählt Alexandra Teinovic. Sie berichten zum Beispiel, dass eine Nachbarin neuerdings verwirrt durchs Treppenhaus laufe, der Ehemann sich seit kurzem zum Nachteil verändere oder es immer wieder Ärger mit einem Hausbewohner gebe. Sie sehe dann nach dem Rechten – kontaktiere, falls nötig, einen Sozialarbeiter oder einen ihrer Pflegepartner -- Behmenburg, Caritas und Diakonie – und frage nach, ob sie helfen können. Auch mit dem DAK-Hausnotruf bestehe ein Kooperations-Vertrag. „Wir bringen die Menschen zusammen, organisieren Nachbarschaftsfeste auf den Grundstücken unserer rund 4800 Wohneinheiten und versuchen, die Feiern, wie zum Beispiel in der Saliersiedlung geschehen, langfristig zu etablieren“, so Alexandra Teinovic. Das gehöre für sie zur „Quartiersentwicklung“ hinzu.

Für die Freizeitgestaltung seiner Mitglieder (und auch Nichtmitglieder) organisiert der Nachbarschaftsverein eine bunte Mischung aus Museumsbesuchen, Führungen durch den Gruga-Park, die Friedrich-Wilhelms-Hütte oder ein Recycling-Unternehmen. Die Besuche der Weihnachtsmärkte in der weiteren Umgebung, auch mal mit Übernachtung, gehören zu den Highlights im Jahreskalender. „Wir waren schon in Dresden, Aachen, Münster, Gent oder Nürnberg“, erinnert sich Wilfried Cleven.

„Jetzt, da unsere Gartenhöfe in Saarn fertig gestellt sind, möchten wir im dortigen Gemeinschaftsraum eine neue Veranstaltungsreihe etablieren“, freut sich Alexandra Teinovic. Los geht’s am 2. März mit einem immer am ersten Montag im Monat statt findendenden Frühstück – wie bei allen Aktivitäten ist jeder Bürger willkommen. Ergänzt werden soll die Reihe durch regelmäßig stattfindende Vorträge oder Workshops. Zur klassischen Nachbarschaftshilfe zählen die ehrenamtlichen Wohnpatenschaften. „Wer Pate sein möchte, heißt Neumieter mit Brot und Salz willkommen, ist für sie erster Ansprechpartner“, so Teinovic.

Auch eine Zweitschlüssel-Deponie bietet der Verein – mit 24-stündiger Zugriffsmöglichkeit.

Ideen für weitere Projekte gibt es reichlich – eine Aktivwoche „Nachbarschaft bewegt sich“, ist für Anfang Juni in Heißen geplant.