Willkommen in Mülheim sucht dringend Ehrenamtler

Der Europa-Pavillon war im vergangenen Sommer Ort vieler schöner Integrationsfeste.
Der Europa-Pavillon war im vergangenen Sommer Ort vieler schöner Integrationsfeste.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
  • Die Flüchtlingsinitiative erstellt ihr Winterprogramm für die Räume an der Friedrich-Ebert-Straße
  • Die Begegnungsstätte im Müga- Europapavillon ist über die Wintermonate geschlossen
  • Für das erfolgreiche Schwedenstuhl-Projekt sucht Reinhard Jehles größere Räume

Mülheim. Seit Anfang Mai war sie jeden Sonntagnachmittag geöffnet: Die Begegnungsstätte von „Willkommen in Mülheim“ im Europa-Pavillon in der Müga. Nun bleibt sie bis zum Winterende geschlossen. Die Flüchtlingshilfsinitiative hat nämlich beschlossen, jetzt wo es kälter geworden ist, ihre Aktivitäten nach drinnen zu verlagern. Als Alternative zur Begegnungsstätte im Grünen steht ein Ladenlokal an der Friedrich-Ebert-Straße bereit. Schon seit einem Jahr hat WIM dort eine Zweigstelle errichtet, MWB stellte für drei Jahre kostenlos die Räumlichkeiten zur Verfügung. Bisher war dort nur die Spendenausgabe untergebracht. Nun soll das Ladenlokal auch als Versammlungsort dienen.

Sprachkurse und Behörden-Tipps sind angedacht

Geplant sind unterschiedliche Angebote. Einige stehen schon fest: Sprachunterricht wird von zwei Flüchtlingen erteilt werden, die schon gut Deutsch können. An einem anderen Tag wird das Gesundheitsamt über Gesundheitsvorsorge, Ernährung und Hygiene informieren. Tipps, wie Behördengänge leichter erledigt werden können, sollen an einem anderen Nachmittag im Mittelpunkt stehen.

Denkbar sind aber noch viele zusätzliche Angebote. So hat Robertina Al-Ashouri vom Zentrum für Integration und interkulturelle Kommunikation die Unterstützung ihres Vereins angeboten, der sich schon seit langer Zeit in der Integrationsarbeit engagiert. Neben der Erfahrung kann der Verein vor allem auch etwas anderes einbringen: helfende Hände.

Darüber ist WIM-Vorsitzender Reinhard Jehles derzeit sehr froh: „Wir suchen im Moment besonders stark nach Ehrenamtlichen. Sowohl unter den Flüchtlingen wie auch unter den Einheimischen.“ Drei Familien aus Albanien, die feste Stützen der Arbeit waren, haben kein Asyl bekommen und mussten zurück.

„Mir war schon damals klar, dass irgendwann eine Ernüchterung eintreten wird“

Der feste Kern der Aktiven aus Deutschen wie aus Flüchtlingen umfasst aktuell rund 30 Personen. Jehles betont: „Jetzt fängt die eigentliche Arbeit erst an.“ Damit meint der WIM-Gründer die Mühen der Ebene, die nun ein Jahr nach dem euphorischen Sommer der Willkommenskultur bewältigt werden müssten, damit die Integration tatsächlich gelinge. Das koste Anstrengung.

„Mir war schon damals klar, dass irgendwann eine Ernüchterung eintreten wird.“ Schon seit einiger Zeit hat er einen Rückgang bei den Sachspenden festgestellt. „Das hängt auch damit zusammen, dass die Menschen, die jetzt kommen, besser ausgestattet sind als ihre Vorgänger.“ Dadurch hat die Arbeit neue Akzente bekommen. Ging es früher vor allem darum, die Ausgabe der Spenden zu organisieren, werden nur Angebote entwickelt, die den Flüchtlingen dabei helfen sollen, ihren Tag sinnvoll zu gestalten.

Die Schwedenstuhl-Werkstatt wird langsam zu klein

So war vor einigen Monaten schon das Schwedenstuhl-Projekt entstanden. Mittlerweile sei das Auftragsbuch gut gefüllt, berichtet Jehles. So gut, dass er Ausschau nach einer zusätzlichen Gewerbefläche hält. Denn zur Zeit ist die Stuhl-Werkstatt noch in Jehles’ Dekodruck-Betrieb an der Solinger Straße untergebracht. Doch dort wird es langsam zu eng. Jehles hat schon einen geeigneten Ausweich-Ort im Blick.

Neben sinnvoller Beschäftigung sind soziale Kontakte wichtig. Deswegen gab es die wöchentlichen Zusammenkünfte im Europa-Pavillon. Die Idee dahinter: Die Flüchtlinge lernen sich untereinander besser kennen, aber auch die Spaziergänger in der Müga machen am Pavillon Station.

„Ich muss zugeben, dass ich von dem zweiten Punkt nicht so viel erwartet habe“, sagt Jehles. Doch er musste sich eines Besseren belehren lassen. Die Kontaktaufnahme zwischen Flüchtlingen und Einheimischen lief gut. Bei gutem Wetter kamen im Schnitt bis zu 50 Personen in die Müga. Und selbst wenn es regnete, waren es immer noch um die 20.

Wenn auch nun der Pavillon geschlossen hat, Möglichkeiten zu solchen Zusammenkünften soll es auch an der Friedrich-Ebert-Straße geben. „Die Straße ist ja gut frequentiert. Wir werden sehen, ob Leute einfach mal vorbeischauen“, sagt Jehles. „Die Tür wird jedenfalls immer offen sein.“