Willkommen in Mülheim, Minister

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Gleich doppelten Ministerbesuch gab es gestern in Mülheim, und das darf man als Auszeichnung werten. NRW-Integra­tionsminister Guntram Schneider hatte Staatsministerin Aydan Özoğuz hierhin eingeladen, sie ist Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Beide schauten und hörten sich im Kommunalen Integrationszentrum ausführlich um, anschließend lobte Frau Özoğuz: „Der Ansatz in Mülheim scheint mir sehr, sehr gelungen. Es ist hier eine Herzensangelegenheit, das kann man deutlich sehen.“

Als das Kommunale Integrationszentrum im Dezember 2012 per Ratsbeschluss eingerichtet und zugleich die frühere RAA aufgelöst wurde, war es eines der ersten seiner Art in NRW. Inzwischen haben 49 der insgesamt 53 Kreise und kreisfreien Städte diesen Schritt vollzogen. Die Mülheimer Stelle arbeitet unter relativ stabilen Rahmenbedingungen: Sie verfügt über fünfeinhalb Stellen, darunter zwei ausgebildete Lehrer, wird jährlich mit etwa 300 000 Euro aus Landesmitteln plus 200 000 Euro aus dem städtischen Haushalt finanziert.

Die Förderung fließt per Gesetz jedoch nur, wenn ein aktuelles Integrationskonzept vorliegt (das geltende wurde durch den Stadtrat Ende 2013 verabschiedet) und alle zwei Jahre inhaltliche Schwerpunkte formuliert werden. Bemerkenswert in Mülheim sei, wie intensiv Migrantenorganisationen an der Netzwerkarbeit beteiligt sind, hob Schneider hervor: „Menschen aus anderen Kulturkreisen müssen nicht betüddelt werden“, vielmehr sollten sie aktiv mitgestalten. „Die Zusammenarbeit verschiedener Akteure funktioniert hier sehr gut.“

Das rege bürgerschaftliche Engagement, Stichwort: „Willkommen in Mülheim“, habe sich überregional herumgesprochen, aber „Ehrenamt braucht Hauptamt“, so Schneider. Weshalb er die Einrichtung Kommunaler Integrationszentren im Land flächendeckend anstrebt: „Sie haben sich bewährt und sind für die praktische Arbeit unabdingbar.“

Große Herausforderungen bleiben, auch weil die Zahl der Zuwanderer absehbar steigt. Sozialdezernent Ulrich Ernst nennt beispielhaft die schwierige Lage junger Flüchtlinge, die nicht mehr schulpflichtig sind, aber auch noch nicht arbeiten dürfen: „Wir sind derzeit im Gespräch mit den örtlichen Beschäftigungsgesellschaften und versuchen, Wege zu finden.“

Nach Aussage von Martina Kleinewegen, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, wird aber auch die schulische Bildung in den nächsten Jahren wichtiger Schwerpunkt bleiben: „Wir möchten insbesondere das Seiteneinsteigerkonzept verfeinern.“