Wie viel Köln steckt in Mülheim?
18.02.2010 | 20:46 Uhr 2010-02-18T20:46:00+0100
Es gehört für viele Mülheimer zum täglichen Leben wie das Zähneputzen: U-Bahn fahren. Zwischen Hauptbahnhof und Rhein-Ruhr-Zentrum steigen täglich Tausende in den neun U-Bahnhöfen ein und aus – bei vielen fährt seit dem Bekanntwerden der Baumängel an der Kölner U-Bahn ein mulmiges Gefühl mit: Sind wir sicher oder wurde hier genauso schlampig gearbeitet? Nils Hoffmann entwarnt: „Unsere Anlage ist 30 Jahre alt – und sie steht noch immer wie eine Eins.“ Der Pressesprecher der Mülheimer Verkehrsgesellschaft erklärt auch gleich mit geologischen Fakten, warum die Sorgen der Kölner nicht auf Mülheim projizierbar sind. Eine gesonderte Prüfung wird aber nicht eingeleitet.
In Köln wurde auf Sand gebaut – so makaber das angesichts drohender Ausmaße klingen mag. „Wir haben in Mergel gearbeitet“, sagt Hoffmann. Das Material sei viel stabiler. „Außerdem wird ein technisches Gebäude wie ein Tunnel kontinuierlich begangen. Außer an Weihnachten gibt es keinen Tag, an dem die Kollegen nicht durch den Tunnel gehen.“ Durch den Tunnel gehen, ja, nach Verschleißerscheinungen Ausschau halten, okay. Aber eine nochmalige Überprüfung der Statik, damit eventueller Baupfusch, mit dem vermutlich auch die Domstädter nicht gerechnet haben, rechtzeitig entdeckt wird, ist nicht vorgesehen.
Auch die Stadt sieht dazu keinen Anlass. „Wir werden nicht alle Wände aufhacken“, erklärt der Beigeordnete Klaus Beisiegel und verweist auf den Betreiber. Einer, der es aber für fahrlässig hält, nur auf Glück zu vertrauen, ist Bernd Börgers. „Es ist unerlässlich, dass man die Statik nochmal überprüft“, erklärt der Gewerkschafter der IG Bau. Denn aus seiner mehr als 25-jährigen Berufserfahrung weiß er: „Pfusch gibt es immer wieder – und wir stellen ihn vor allem bei Großaufträgen fest.“
Die Erklärung ist einfach: In der Baubranche herrscht ein erbitterter Preiskrieg. Und die Kommunen sind angehalten, dem preisgünstigsten Unternehmer den Auftrag zu erteilen. „Nur über Illegalität kann man den Preis halten“, sagt Börgers, „die andere Alternative ist: Ich hole mir über Nachfolgeaufträge noch einiges rein.“ Die großen Unternehmen würden schnell Subunternehmer und osteuropäische Arbeitskräfte beschäftigen. „Es machen weiß Gott nicht alle schlechte Arbeit, aber Deutschland ist mit der fachlichen Ausbildung ein anderer Standard.“ Aus Gesprächen mit Unternehmern wisse er, dass diese bei Leihkräften „10 bis 40 Prozent Schlechtleistungen einkalkulieren. Die Stammarbeiter müssen’s dann wieder gerade biegen.“ Auf die Frage, ob die Baubranche ein schmutziges Geschäft sei, antwortet Bernd Börgers kurz und knapp: „Absolut!“
Auch bei Neubauten von Einfamilienhäusern wird Schindluder betrieben: Dekra-Prüfer hatten herausgefunden, dass an Fenstern, Türen, Putz sowie Heizungen und Sanitäranlagen qualitativ mangelhaft gearbeitet wird. Zumindest in diesem Bereich scheint Mülheim jedoch auf sicheren Füßen zu stehen. „Baumängel sind immer ein Thema“, sagt Frank Esser, Vorstand der Mülheimer Wohnungsbau, „wir hatten aber in den letzten Jahren kaum Auseinandersetzungen.“ Das mag daran liegen, „dass wir nicht den billigen Jakob beauftragen, sondern darauf achten, örtliche Firmen zu beauftragen, die mit eigenen Leuten arbeiten.“
Eine Einschätzung, die Klaus Beisiegel, teilt. Nennenswerte Baumängel, also Schäden, die mit vielen tausend Euro nachgebessert werden müssen, habe es so gut wie gar nicht gegeben: „Möglicherweise ist das Glück – möglicherweise aber auch, weil die Unternehmen der Region sonst einen Gesichtsverlust befürchten.“ Auch Klaus-Dieter Kerlisch, Leiter des Amtes für Verkehrswesen und Tiefbau, sieht die Bauleitung auf Mülheims Straßen „bestens geregelt“. Er hat dagegen eine andere Sorge: „Ich weiß gar nicht, warum dieses Thema so hochsterilisiert wird.“
Vielleicht haben sich das die Kölner Kollegen auch vorher gefragt…

22:20
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20:19
Oh,da habe ich die neuseten Beigeordneten-Wahlen in MH wohl verpasst!
Aber zum Glueck gibt es ja den Qualitaetsjournalismus von derwesten.de ... @Beigeordneter Beisiegel