Wie in einer Jugendherberge

Die Stadt braucht dringend kurzfristig Wohnraum für Flüchtlinge. Die ehemalige Grundschule am Fünter Weg, in der 80 Menschen vorübergehend untergebracht werden sollen, ist nun termingerecht fertiggestellt worden. Morgen ziehen dort 18 Albaner ein, deren Ankunft der Stadtverwaltung von der Bezirksregierung in Arnsberg schon angekündigt worden ist. Sie kommen als Paare oder als Familien mit bis zu fünf Personen.

In der ehemaligen Schule sind dafür nur noch wenige Vorbereitungen zu treffen. Der Umbau ist abgeschlossen, im Hof sind Duschcontainer aufgestellt worden, die Vorgaben durch den Brandschutz wurden erfüllt - jetzt ist die Möblierung im vollem Gange. Die Kühlschränke sind noch in den Kartons verpackt, Tische und Stühle fehlen noch und die Schränke müssen auch noch aufgebaut werden.

Sieben Wochen hat der Umbau gedauert. Frank Buchwald, Leiter des für die städtischen Immobilien zuständigen Amtes, beschreibt ihn als eine Gratwanderung. Einerseits müssen für die Flüchtlinge menschenwürdige Unterkünfte geschaffen werden, andererseits müsse mit dem Geld sparsam umgegangen werden, denn die Unterbringungsmöglichkeit besteht nur für den übersichtlichen Zeitraum von achteinhalb Monaten. Dann werden hier die Mitglieder des Wohnhofs Fünte aktiv, die sich rund um das 1907 errichtete Gebäude ihren Traum vom inklusiven Mehr-Generationen-Wohnprojekt realisieren wollen.

150 000 Euro hat der Umbau dann doch gekostet, Buchwald hatte gehofft, mit deutlich weniger auskommen zu können. „Wir haben mehr in Sicherheit investiert als in Komfort“, versichert er. Der Brandschutz muss in einer Sammelunterkunft, in der 80 Menschen zusammenleben, ernst genommen werden. Die Gefahr, dass irgendjemand aus Versehen vergisst, die Herdplatte auszuschalten, sei hoch. „Gefährlich ist dann der Rauch, der ins Treppenhaus zieht“, erzählt Buchwald. Brandmeldeanlagen sind überall installiert, außerdem stellen zwei Baugerüste einen zweiten Fluchtweg sicher. „Wir werden mit den Bewohnern und der Feuerwehr auch Brandschutzübungen machen“, kündigt er an. Bereits in fünf Sprachen hängen im Treppenhaus die Verhaltensregeln im Brandfall.

In den acht Klassenräumen sollen jeweils zehn Personen untergebracht werden. Mit Rigipswänden sind die 65 Quadratmeter großen Klassenräume unterteilt worden. Stockbetten wurden aufgestellt, die Matratzen liegen noch zusammengerollt und in Folie verschweißt auf dem Bettgestell. Ebenfalls aus Brandschutzgründen wurden jeweils zwei Klassenräume auf einer Etage mit einem Wanddurchbruch miteinander verbunden. Man fühle sich wie in einer klassischen Jugendherberge oder wie auf dem Campingplatz, wie Buchwald meint. Die Toiletten sind auf dem Hof und wurden noch einmal aufgehübscht. Die Duschcontainer hat ein lokaler Anbieter vermietet. „Hier können auch ruhig alle Sechs gleichzeitig duschen, ohne dass es kalt wird“, meint Buchwald. Im Keller stehen in einem Raum Waschmaschinen und Trockner, im anderen stehen die Herde und im dritten die Spültische. Das Dachgeschoss, wo sich die Hausmeisterwohnung befand, bleibt ungenutzt. Ein von den Nachbarn angesprochener Feuchtigkeitsschaden sei schon vor Jahren behoben worden, so Buchwald. In allen Zimmern sei die Raumluft gemessen und für gut befunden worden.

Einziges Manko: Die großen Fenster sind noch gardinenlos. Auch im Schlafbereich könnte ein Vorhang für die nötige Privatsphäre sorgen.

Heute um 18.30 und Freitag, 18 Uhr, können die Nachbarn die Unterkunft besuchen: 455-5401