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Stadtentwicklung

Wie es mit der „Schlimm City“ Mülheim weitergeht

09.10.2011 | 18:53 Uhr
Wie es mit der „Schlimm City“ Mülheim weitergeht
Zum vorläufigen Ende der „Schlimm City“ diskutierten in Mülheim Architekten, Designer, Künstler und Bürger über die Zukunft der Stadt und des Stadtentwicklungsprojektes. Foto: Stephan Glagla / WAZ FotoPool

Mülheim.Am Ende des Stadtentwicklungsprojektes „Schlimm City“ diskutierten Forscher, Architekten, Künstler und Bürger über Mülheims Zukunft. Die Stadt brauche ein Symbol, findet Designer Hermann Rokitta. Künstler Jan Ehlen wünscht sich Häuserbesetzungen.

In den vergangenen vier Wochen hat Mülheim „Schlimmes“ erlebt: Da waren Protestzüge , Interventionen, Diskussionen – künstlerische Stimmen zur Stadtentwicklung raunten vom Kaufhof über Eppinghofen bis in den Speldorfer Süden. Nun hat das Stadtspektakel ein Ende: das Projekt des Ringlokschuppens, „Schlimm City“, resümierte am Sonntag in der letzten Runde.

Wie lässt sich toter Raum mit Leben füllen?

Nach etwa 70 Veranstaltungen, 45 Projekten und über 4000 Besuchern wurde beim abschließenden Stadtgespräch „I love Schlimm City!?“ noch einmal kritisch diskutiert. Im ehemaligen Kaufhof, der DeZentrale von Schlimm City, haben sich Besucher zur Abschlussdiskussion in einen Kreis gehockt. Zur Redner-Runde gehören Ulrike Hass vom Institut für Theaterwissenschaften (Ruhruni Bochum), der Architekt Dirk Haas, der Designer Hermann Rokitta , der Künstler Jan Ehlen sowie Jens Imorde vom Netzwerk Innenstadt NRW. Der Einladung sind auch Mitglieder des WAZ-Leserbeirates gefolgt. Gespannt verfolgen sie das letzte Stadtgespräch und sprechen mit.

Vor allem geht es um die Frage nach der Entwicklung: Welche Ideen, Planungen und Arbeiten gibt es für die Stadt von morgen? Wie lässt sich toter Raum mit Leben füllen? Der Einzelhandel werde weniger , das Zentrum der Stadt zur sozialen Peripherie. Ist das Zentrum überhaupt noch Zentrum? Und daher: „Sollte der Fokus und die Förderung nicht mehr auf die Menschen anstatt auf Gebäude gerichtet werden“, fragt Moderator Holger Bergmann, künstlerischer Leiter des Ringlokschuppens.

Jens Imorde glaubt nicht, dass der Einzelhandel aus der Stadt verschwindet. Vielmehr existierten zwei Ebenen in einer Innenstadt: „Zum einen der Handel, zum anderen die individualisierte Ebene.“ Es gelte, den Ausgleich zwischen beiden zu schaffen. So bleibt also die Aufgabe, sich von der alten „Zentrumsidee“ zu verabschieden und neue Konzepte zu finden.

„Leute reinholen, begeistern, Identifikation mit der Stadt schaffen“

Bobby-Car-Rennen im alten Parkhaus

Ulrike Hass erinnert an die übersehenen Räume, die B- und C-Lagen der City, die als Raum für junge Künstler und Unternehmensgründer genutzt werden könnten, als Ort zum Ausprobieren. „So könnte man dem Ruhrgebiet die Parole geben ‚Wir sind Raum für junge Leute.“

Designer Hermann Rokitta gefällt die Idee. „Mülheim braucht ein Symbol, welches auch weit weg wahrgenommen wird, eine Identität als Anziehungspunkt.“ Nach dem Motto „Leute reinholen, begeistern, Identifikation mit der Stadt schaffen und darüber Finanzierungen planen.“

Dirk Haas sieht das anders: „Man muss Stadtentwicklung mit Leuten planen, die bereits vor Ort sind.“ Rokittas Vorschlag, getrennte Bereiche miteinander zu vernetzen, stimmt Haas jedoch zu. „Warum nicht ein Büro schaffen, in dem Künstler und Unternehmer nebeneinander arbeiten, unter einem Dach mit Kinderbetreuung“, schlägt Rokitta vor.

Schlimm City braucht eine Fortsetzung

Künstler Jan Ehlen geht einen Schritt weiter und denkt laut über die Besetzung leerstehender Gebäude nach. Denn: „Gerade in der Mülheimer Politik braucht es viel Druck, damit was passiert.“ So könnte Dringlichkeit aufgebaut werden – aus der am Ende Kreatives entsteht.

SchlimmCity

In einem Punkt sind sich alle einig: Schlimm City braucht eine Fortsetzung. „Das Projekt sollte kein einmaliges Feuerwerk sein, sondern einen Prozess in Gang setzen, der über Jahre gehen muss“, meint Moritz Darge vom WAZ-Leserbeirat. Beiratsmitglied Edith van Ewyk findet: „Nun sollten sich Arbeitskreise bilden, in denen sich Stadtplaner, Künstler, Unternehmer und Eigentümer zusammensetzen.“ Ergebnisse sollten fixiert, Denkansätze weiter gedreht werden. „Schlimm City als ständige Institution würde der Stadt gut tun“, findet Moritz Darge.

Kristina Mader

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Kommentare
11.10.2011
10:01
Fortsetzung gewünscht
von Pase_Lacki | #5

Es ist immer eine Frage, wie man was mitbekommt. Man kann nicht erwarten, dass immer einer hinter einem her rennt und die neuesten Veranstaltungen anpreist, man muss (oder sollte) vielleicht auch mal selbst aus dem Quark kommen. Ich frage mich, wie es möglich sein konnte, von SchlimmCity nichts mitzubekommen. Coolibri, Heinz, Waz haben darüber berichtet, bei Lokalzeit auf dem WDR wurde darüber berichtet, wenn man durch die Stadt lief, war der Kaufhof vollgekleistert mit Artikeln zu dem Thema, die Websiete vom Schuppen hat unsäglich viel darüber zu bieten gehabt und ein riesiges Plakat über der Schloßstraße hat auch nochmal darauf hingewiesen. Allerdings fand ich auch viele Programmpunkte sehr verkopft und habe mir nur die Abschlußparty am Samstag im Schuppen gegeben. Da war endlich mal wieder im Ringlokschuppen was los, wenn es auch besser hätte besucht sein können. Aber als Party-Organisator war der Kai Shanghai vom Hotel Shanghai absolut spitze. Andreas Dorau und Rowdy Superstar haben Spaß gemacht und einige waren auch verkleidet. Davon sollte es mal ein bisschen mehr geben, aber im Schuppen finden ja keinerlei Veranstaltungen mehr statt, die junge Leute mal dahin ziehen. Tanztheater, ab und an mal ein Konzert, das war es dann auch. Ich habe aber festgestellt, dass die ganze Sache rund um SchlimmCity kaum Leute interessierte, die um die 20 waren. Durch die Arbeit kenn ich einige in diesem Alter, die hatten zwar davon gehört, hat sie aber auch nicht interessiert. Da scheint bei vielen jungen Leuten absolutes Desinteresse vorzuherrschen. Hauptsache im Centro einkaufen und am Wochenende in irgendeiner Großraumdisse abzappeln, das reicht denen oftmals schon. Schade eigentlich.

10.10.2011
22:26
Wie es mit der „Schlimm City“ Mülheim weitergeht
von Melesigenes | #4

Jan Ehlen kommt aus seiner spätpubertären Phase auch nicht raus. Immer noch der gleiche Tenor wie in seiner Mülheimer Ausstellung von 2007: I shit in the Ecke und you say WOW.

10.10.2011
18:30
Fortsetzung gewünscht
von Kajovo | #3

Ich behaupte einfach mal, der Normal-Bürger hat gar nichts von Schlimm-City mitbekommen. Wenn alle Informationen so sind wie die Informationen zu Schlimm-City dann passt das wunderbar zu Mülheim an der Ruhr!

10.10.2011
15:24
Wie es mit der „Schlimm City“ Mülheim weitergeht
von modtiger | #2

„Schlimm City“ könnte das mülheimer Unperfekthaus sein. Die in der Diskussion angedachten Büros, in denen Künstler und Unternehmer nebeneinander arbeiten, könnte die DeZentrale sein. Das alles hat etwas von B- und C-Lage einer City. So sich kein Mieter findet, haben die Räume den Charme einer Industrie-Brache, sind genau jener tote Raum, den die Kreativen brauchen, um etwas neues zu schaffen.

10.10.2011
12:58
Fortsetzung gewünscht
von wohlzufrieden | #1

Besser wäre daran zu arbeiten, das eine Fortsetzung unnötig ist...

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