Das aktuelle Wetter Mülheim 8°C
Handchirurgie

Wie ein Zeh den menschlichen Daumen ersetzen kann

29.06.2012 | 06:00 Uhr
Wie ein Zeh den menschlichen Daumen ersetzen kann
Akute und chronische Handverletzungen, Unfälle oder Verschleißerscheinungen: Mit solchen Fällen beschäftigt sich Handchirurg Dr. Christian Soimaru.Foto: Joachim Kleine-Büning

Mülheim.  Ein Schnitt und der Daumen ist ab: Im Evangelischen Krankenhaus Mülheim kommen solche und andere Fälle der rekonstruktiven Chirurgie auf den Operationstisch von Chefarzt Dr. Christian Soimaru. Auch bei Arthrose kann eine Operation helfen.

Unsere Hände benutzen wir ganz selbstverständlich, ohne darüber nachzudenken, wie viele Muskeln, Sehnen und Gelenke tagein tagaus zusammenspielen, wenn wir tasten oder greifen. Der Handchirurg Dr. Christian Soimaru, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie am Evangelischen Krankenhaus , referiert am 30. Juni, beim „Treff um 11“ (11 Uhr) über Handverletzungen.

Akute oder chronische Handverletzungen, Unfälle oder Verschleißerscheinungen – womit haben Sie es häufiger zu tun?

Dr. Christian Soimaru: Im handchirurgischen Alltag hält sich das hier in Mülheim die Waage.

Schnittverletzungen behandeln Sie aber sicher regelmäßig?

Soimaru: Ja, aber etwa auch Kreissägenverletzungen. Das ist Notfallchirurgie, wenn wir zum Beispiel einen abgetrennten Finger annähen. Diese Versorgung geht aber nur in einer bestimmten Zeitspanne und kann nicht warten. Solche Verletzungen kommen zwar nicht jeden Tag vor. Aber wir können das hier versorgen.

Noch häufiger als Schnittwunden kommen aber Knochenbrüche vor – wenn man stürzt und sich an der Hand zum Beispiel einen Finger- oder einen Mittelhandknochen bricht.

Welche Verschleißerkrankung der Hände behandeln Sie besonders oft?

Soimaru: Das ist die Arthrose des Daumensattelgelenks, die so genannte ­Rhizarthrose. Der Daumen ist ja der einzige Finger, der gegen die Langfinger geführt werden kann, um etwas zu greifen. Dieses Gelenk bewegt man am Tag unzählige Male, und da gibt es eben auch im Alter Verschleißerscheinungen. Im frühen Stadium kann man versuchen, es konservativ mit Ruhigstellung und Kühlung in den Griff zu bekommen. Aber wenn es ein gewisses Stadium erreicht hat, muss man operativ tätig werden.

Was ist ein weiteres Betätigungsfeld für einen Handchirurgen?

Soimaru: Sämtliche Tumore, die im Handbereich auftreten können. Handtumore sind zwar eine sehr seltene Erkrankung, aber damit sollte man zu einem Handchirurgen gehen.

An einer Hand befinden ja sich die Knochen, Sehnen, Blutgefäße, die Nerven und Muskeln, das Fettgewebe und die Haut auf sehr engem Raum. Das sind alles verschiedene Strukturen, die auch verschiedener chirurgischer Vorgehensweisen bedürfen. Wir verwenden bei den Eingriffen Operations-Mikroskope und Lupenbrillen.

In welchen Fällen können Handchirurgen Patienten noch helfen?

Soimaru: Man kann Finger ersetzen, wenn man sie nicht mehr replantieren konnte. Heute gibt es die Möglichkeit, durch einen Zehentransfer, eine Zehe als Daumenersatz an die Hand zu verpflanzen. Die rekons­truktive Chirurgie spielt eben auch in die Handchirurgie mit hinein.

Ein Zeh zum Greifen, das ist schwer vorstellbar . . .

Soimaru: Wenn man eine komplett gesunde Hand hat, aber keinen Daumen mehr, dann kann man mit dieser Hand nur einen Bruchteil von dem machen, was man normalerweise gewohnt ist.

Einen fehlenden Daumen mit einer Prothese zu versorgen, das ist immer suboptimal. Man kann den Zeh mit seinen Nerven verpflanzen, so dass man eine gewisse Sensibilität erreicht.

Bettina Kutzner



Kommentare
Aus dem Ressort
Kammer sieht Mülheim schlecht mit Ärzten versorgt
Ärzteversorgung
Im Schnitt behandelt jeder Hausarzt in Mülheim im Jahr 4788 „Fälle“ und damit 47 Prozent mehr als anderswo in Nordrhein. Ärztekammer stellt nun Antrag auf Sonderbedarf: Es fehlen in der Stadt Hausärzte, beklagt der Vorsitzende der Ärztekammer Mülheim.
Mülheimer Beratungsstelle KoKoBe feiert Zehnjähriges
Soziales
Seit zehn Jahren hilft die Beratungsstelle KoKoBe Menschen in Mülheim mit geistiger Behinderungund ihren Angehörigen bei allen Fragen rund ums Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Von Anfang an war die KoKoBe als offener Treff konzipiert.
Erlös der Literatouren geht ans Mülheimer Hospiz
Spende
Eine kulturelle Reise durch Literatur, Poetry Slam und Musik ist die erfolgreiche Veranstaltungsreihe „Literatouren“ im Medienhaus. Nun übergaben die Organistoren die Einnahmen, die dabei in den Hut gesteckt wurden, dem Mülheimer Hospiz.
Halloween - Hier steigen die besten Grusel-Partys der Region
Halloween
Schon längst ist Halloween nicht mehr nur ein komischer Brauch, der irgendwann mal aus den USA zu uns geschwappt ist. Die Grusel-Nacht hat sich zum willkommenen Partyanlass gemausert. Locations in der ganzen Region locken mit aufwendiger Deko, um bei lauter Musik die bösen Geister zu vertreiben.
299 Stellen stehen in Mülheim auf der Siemens-Streichliste
Wirtschaft
299 Stellen stehen auf der Siemens-Streichliste für den Standort Mülheim. Der Konzern gab diese Zahl am Montag auf einer Mitarbeiterversammlung bekannt. Die Niederdruckschaufel-Produktion soll ganz nach Ungarn verlagert werden. Mitarbeiter sind in Sorge, dass noch weitere Arbeitsplätze folgen.
Umfrage zur VHS
Eine der großen politischen Debatten im Herbst wird sich um die Zukunft der Volkshochschule drehen. Wie soll es mit der maroden VHS weitergehen?

Eine der großen politischen Debatten im Herbst wird sich um die Zukunft der Volkshochschule drehen. Wie soll es mit der maroden VHS weitergehen?

 
Fotos und Videos
Ferientipps im Herbst
Bildgalerie
Herbstferien
Night for Masters
Bildgalerie
Voll auffe Omme
Lichtfestival
Bildgalerie
freiLICHTbühne