Wie ein turbulenter Kindergeburtstag

Über die finanziellen Probleme des Ringlokschuppens und den Kraftakt, der dem Team in diesem Jahr bevor steht, ist in den letzten Wochen viel geschrieben und lamentiert worden. Über das Programm dagegen wenig. Mit „Next Day“ von Philip Quesne stand am Wochenende ein Stück auf dem Spielplan, das man wahrlich nicht elitär nennen kann, was dem Programm zuweilen aber unterstellt wird. Auch eine intellektuelle Überforderung drohte hier nicht, denn auf der Bühne standen doch Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren, die auch an der Stückentwicklung wesentlichen Anteil hatten. Das muntere Treiben auf der Bühne glich eher einer großen Geburtstagsparty als einem Theaterabend. Das Überlebenstraining auf der Bühne verfolgte man dennoch gerne, zum einen, weil die 13 Akteure von Campo aus dem belgischen Gent das sehr souverän und charmant meisterten, zum anderen, weil es auch einfach Spaß machte.

Die Welt aus Kinderaugen zu betrachten, hat schon von jeher Künstler und Publikum fasziniert, weil man sich davon die größtmögliche Natürlichkeit erhofft, die keinen Zwängen oder zivilisatorischen Normierungen gehorcht. Aber so weit sollte man bei Philipp Quesne nicht gehen. Der 40-Jährige ist bekannt für seine „Sternstunden des Unspektakulären“ und dem „Theater der Absichtslosigkeit“, das für kleine Momente des Glücks sorgt. Beim Festival „Theater der Welt“ in Mannheim gab es zum Teil hämische Kritik. So schrieb Nachtkritik von der Sehnsucht nach der „feuchtwarmen Behaglichkeit im pränatalen Fruchtwasser“, die hier zum Ausdruck komme.

Das Ganze wirkt recht improvisiert: Ausgangspunkt ist, dass sich die Kinder nach einer Katastrophe selbst organisieren müssen. Immer wieder beraten sie sich, sie machen selbst Musik von Peer Gynt bis Nirvana, wobei ein Mädchen mit großer Geste dirigiert, backen Pfannkuchen und drehen einen Werbefilm - Werbung ist wohl ein fester Bestandteil ihres Leben. Schließlich schlüpfen sie in fluoreszierende Supermann-Kostüme, stoßen eine zuvor errichtete Schaumstoffwand um und attackieren als Übung für einen befürchteten Angriff von Außerirdischen das Publikum mit kleinen Schaumstoffwürfeln. Das wirft beherzt zurück und lacht.