Wie die Straßenbahn Städte belebt

Die neuen Mülheimer Niederflurstraßenbahnen sollen ab Mai ausgeliefert werden.
Die neuen Mülheimer Niederflurstraßenbahnen sollen ab Mai ausgeliefert werden.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Ausstellung „Die moderne Tram in Europa“ dokumentiert die Wiedergeburt schicker Flaniermeilen. Mülheims neue Bahnen werden ab Mai ausgeliefert.

Mülheim.. „Die Straßenbahn ist für mich das Schaufenster einer Stadt – mitfahren und sehen, was sich in den Straßen bewegt. Gefällt mit etwas, steige ich an der nächsten Haltestelle aus.“ Der Kollege Luc Buisson kommt aus Bordeaux, wo die Straßenbahn nicht nur ihm seit zehn Jahren neue Lebensqualität bringt.

Wie das klappt, können Besucher in der Ausstellung „Die moderne Tram in Europa“ im Medienhaus sehen. Mülheim ist weit davon entfernt, hat den Anschluss fast verpasst. Die Schautafeln zeigen mit guten Bildern und Erklärungen, was sich mit den Bahnen Gutes für eine Kommune bewegen und verwirklichen lässt, wenn Politiker den Mut aufbringen, es auch zu wollen und durchzusetzen.

In Bordeaux, auch in München, Prag, Tours, Marseille, Barcelona oder Madrid haben Straßenbahnen sich nach Jahrzehnten der Abstinenz die menschlichen Lebens- und Arbeitsräume zurückerobert. Autos sind dort nicht mehr der einzige Fortbeweger. Breite Straßen haben sich in schicke Fußgängerboulevards gewandelt. Die Straßenbahn bringt die Kunden in die Läden – wie beim bequemen Schaufensterbummel. Eine Haltestelle direkt am Straßencafé bedeutet ebenso neue, abgasfreie Lebensqualität in diesen Städten.

[kein Linktext vorhanden] In seiner Eröffnungsrede betonte Klaus-Peter Wandelenus, Geschäftsführer der Mülheimer Verkehrsgesellschaft mit Blick auf Diskussionen um die Zukunft des Nahverkehrs an der Ruhr: „Diese Ausstellung soll die Debatte nicht neu anregen, sondern man kann hier sehen, wie es in anderen Städten mit der Straßenbahn läuft“.

"Haltestelle als Visitenkarte einer Stadt"

Wandelenus zeigte auch auf ein Bild mit einer gelb leuchtenden Tram und wiederholte: „Mülheim braucht dringend neue Straßenbahnen. 42 haben wir mit der Essener Verkehrs AG bestellt.“ Das erste der 15 Mülheimer Niederflurfahrzeuge erwartet er Anfang Mai.

„Nach den Fahrerschulungen wollen wir die Bahnen so schnell wie möglich in den Fahrgasteinsatz bringen – vorausgesetzt, alle Mängel sind beseitigt.“ Wie die neue Mülheimer Straßenbahn – modern jetzt Tram genannt – aussieht, ist in der Ausstellung ebenfalls zu sehen.

„Haltestelle als Visitenkarte einer Stadt“, lautet ein anderes Thema – die Bilder sprechen für sich. Straßenbahnen bringen auch Eleganz auf die Schiene. Die Franzosen zeigen das, weil jede Stadt „ihre“ das Stadtbild mit prägende Tram hat – kein Einheitsmuster.

Die Straßenbahn ist Impulsgeber für Stadt und Wirtschaft, bietet Chancen mit Rasengleis in Parks und Abschnitten ohne Oberleitungsmasten. Diese Ausstellung zeigt, was bereits Wirklichkeit ist.