Das aktuelle Wetter Muelheim 13°C
Kirche

Widerstand gegen mögliche Kita-Schließung

28.10.2010 | 14:12 Uhr
Widerstand gegen mögliche Kita-Schließung
Kindergarten Unterm Regenbogen. Foto: Roy Glisson

Mülheim.Der Pfarrbezirk der Markusgemeinde in Dümpten und Winkhausen lehnt sich auf: Presbyterium will das Gemeindezentrum Knappenweg samt Kita schließen. Letztere war die pikanterweise erst im Sommer für viel Geld für die U3-Betreuung umgebaut worden.

Der evangelischen Markuskirchengemeinde in Dümpten und Winkhausen droht die Zerreißprobe. Ursache für größeres Ungemach ist ein am Montagabend gefasster Beschluss des Presbyteriums, mit dem Gemeindehaus am Knappenweg (Winkhausen) auch noch ein zweites von drei Gemeindezentren aufzugeben, um den Weg freizumachen für eine Fusion mit drei weiteren Gemeinden im Norden. Widerstand gegen den Beschluss regt sich insbesondere im Umfeld der von der Schließung betroffenen Kindertagesstätte, die pikanterweise erst im Sommer für viel Geld für die U3-Betreuung umgebaut worden ist.

Das Presbyterium, Leitungsgremium gewählter Gemeindevertreter, hatte gestern Mittag durch den Kirchenkreis seinen Beschluss verkünden lassen. „Evangelische Markuskirchengemeinde will sich neu orientieren“, so der Titel. Man habe sich nun doch entschieden, am 1. Juni 2011 in die Fusion mit den Nord-Gemeinden Dümpten, Johannis und Styrum einzusteigen.

Dafür zeigte man sich bereit, die Forderungen der anderen Nord-Gemeinden zu erfüllen, neben dem Gemeindezentrum Rolands Kamp (Schließung zum 31. Dezember) ein weiteres Gemeindezentrum aufzugeben – das Haus am Knappenweg in Winkhausen soll Ende 2011 dichtmachen, die dort untergebrachte Kindertagesstätte „Unter dem Regenbogen“ (zertifiziertes Familienzentrum) im Sommer 2012. Bestehen bleiben soll nur das Zentrum am Springweg. Trotz der Schließung von zwei der drei Gemeindezentren sollen alle drei Pfarrstellen (Esther Kocherscheidt, Petra Jäger und Hans-Joachim Norden) erhalten bleiben, obwohl nur noch Petra Jäger über eine Predigt-Heimstätte verfügen wird.

Amt überrascht

Das Amt für Kinder, Jugend, Schule zeigte sich „überrascht“. Die stellvertretende Amtsleiterin Lydia Schallwig sagte zur WAZ, zuvor nichts von den Planungen erfahren zu haben. „Wir werden uns jetzt schnell im Haus zusammensetzen, um abzuklären, wie die Situation vor Ort ist“, sagte sie. Man müsse schauen, wie ab Sommer 2012 der Betreuungsbedarf im Bezirk sicherzustellen sei. Hierzu werde man auch das Gespräch mit der Gemeinde suchen, um abzuklopfen: Wird das Haus verkauft? Kann die Kita von einem anderen Träger übernommen werden? Muss gar die klamme Stadt einspringen, um die Versorgung mit Kita-Plätzen sicherzustellen? Fragen über Fragen, die unvermittelt aufgetaucht seien.

Viele Gemeindeglieder zeigen sich verstört über den Beschluss des Presbyteriums, an vorderster Front kämpft der Kita-Förderverein gegen die Entscheidung. Bereits am Montag hatte er eine Mahnwache zur Presbyteriumssitzung organisiert, viele kamen. Protest-Koordinatorin Christina Schäfermeier: „Wir fühlen uns verraten und verkauft. Wir machen weiter und werden das nicht akzeptieren.“

Schäfermeier kritisiert nicht nur den Beschluss an sich, aus dem „Herzstück des Stadtteils“ mit benachbarter Ganztagsschule und ökumenischem Zusammenwirken von evangelischer und katholischer Gemeinde einen Teil herauszuoperieren, von dem das Gemeindeleben durch vielfältigste Angebote profitiere. Schäfermeier kritisiert das Presbyterium dafür, im Alleingang gehandelt zu haben, ohne die Gemeinde anzuhören und mitzunehmen.

Neues System der Sozialvermarktung

Schon im Mai hatte eine Schließung des Gemeindezentrums in der Diskussion gestanden – als Voraussetzung für eine Fusion mit den anderen Nord-Gemeinden. Doch war die Gemeindespitze noch vor fünf Monaten der Ansicht, auf die Schließung verzichten zu können. Betriebs- und Instandhaltungskosten sollten durch ein neues System der Sozialvermarktung, ins Spiel gebracht von Pfarrer Hans-Joachim Norden und unterstützt vom Kita-Förderverein, gedeckt werden. Dass die Schließung doch wieder Thema wurde, komme einer Überrumpelung der engagierten Gemeindeszene gleich, so Schäfermeier. Äußerst kurzfristig habe die Presbyteriumsvorsitzende, Pfarrerin Esther Kocherscheidt, für die Ferien eine Gemeindeversammlung und für Montag besagte Sitzung des Presbyteriums angesetzt. Bei der Gemeindeversammlung habe Kocherscheidt „viel zu wenig Zeit für eine Diskussion eingeräumt“. Der Antrag aus der Gemeinde, besser eine Pfarrstelle aufzugeben als das Gemeindezentrum, sei „abgebügelt“ worden.

Kocherscheidt wies die Vorwürfe gegenüber der WAZ zurück. Das Presbyterium habe keine andere Möglichkeit gesehen, das Gemeindeleben zu sichern. Eine Pfarrstelle aufzuheben, liege nicht in der Kompetenz des Presbyteriums. Überdies sei die Gemeinde nicht überrumpelt worden. Die Einladung zur Versammlung sei ordnungsgemäß erfolgt, die Sitzung des Presbyteriums sei, anders als unterstellt, ohnehin angesetzt gewesen, die Stadt sei vorab informiert worden. Unklar blieben Kocherscheidts Aussagen in der Frage, warum die Gemeinde noch im Sommer die Kita aufwändig umbauen ließ, um nur wenig später ihr Aus zu beschließen. Das Land wird Geld zurückfordern – das wird den Gemeindeetat ungemein belasten.

Mirco Stodollick

Facebook
 
Kommentare
10.11.2010
20:15
Widerstand gegen mögliche Kita-Schließung
von einer aus Winkhausen | #69

Warum geht denn eigendlich nicht Beides? Warum kann man nicht fusionieren und trotzdem eine Sozialvermarktung ausprobieren? Es möchte niemand etwas boykottieren, uns ist sehr daran gelegen etwas zu bewegen und neue Wege in der Kirche und mit der Kirche einzuschlagen. Wir möchten versuchen, einen Beitrag zur Erhaltung zu leisten, ohne zusätzliche Kosten zu bereiten. Ob der Versuch gelingt, das liegt nicht allein in unserer Hand. Aber wir sind hochmotiviert und das Risiko, das wir damit eingehen, ist unserer Ansicht nach überschaubar und vertretbar.Warum wird uns nicht die Chance gegeben? Warum? Wieso müssen wir uns an hören wir müssen solidarisch sein wer ist denn mit uns solidarisch? Vorallem vermisse die Solidarität in der eigenen Gemeinde, man hätte ja auch z.B. gemeinsam an einer Sozialvermarktung arbeiten können, um mit 2 Zentren in die Fusion zugehen! Was spricht dagegen mal etwas Neues auszuprobieren, vielleicht ist das ein Pilotprojekt wie Kirche in Zukunft funktioniert kann. So wie Kirche bisher war, funktioniert es ja offensichtlich nicht mehr.Warum wird im Mai entschieden, wir erhalten das Gemeindezentrum und den Kindergarten, bauen diesen noch für eine Menge Geld um, und nach nicht einmal 8 Wochen Betriebszeit wird beschlossen wir schließen. Das Geld muß komplett zurückgezahlt werden (60.000Euro!!!). Dazu kommt noch die Terminierung der Schließung, es sind 2 Jährige aufgenommen worden, die Mitte 2012 noch 2 Jahre bis zum Schuleintritt haben!! Was sollen die Eltern jetzt machen?? Es ist eine Frechheit und Boshaft von einem Presbyterium, einen solchen Schließungstermin festzulegen, es wird den jetzigen Eltern nicht mal die Möglichkeit gegeben das der
Kindergarten ausläuft. Wo gibt es den so was? Wieso muß eine Gemeinde unter einem Presbyterium leiden, in dem die Fronten untereinander so verhärtet sind?

10.11.2010
12:38
Widerstand gegen mögliche Kita-Schließung
von einerausLukas | #68

Liebe Markuskirchengemeinde wenn für euch alles kein Problem ist und ihr schön alle Gelder zusammen bekommt, dann schließt euch halt nicht der Nordgemeinde an. Habt weiter euren Kleinkrieg, den ihr führt und geht über kurz oder lang Pleite.
Der Nordgemeinde kann es doch egal sein und glaubt mir dem großteil ist es auch egal.

Aber wenn ihr das Auto dann vor die Wand gefahren habt stellt euch nicht vor, dass die Nordgemeinde euch mit offenen Armen aufnimmt.

Ich hab es satt zu lesen was ihr armen alles aufgeben müsst. Auch andere Gemeinden müssen im Rahmen der Fusion auf eine ganze Menge verzichten und in Johannis ist es nicht nur der Goehteplatz.( Information ist alles !!!)
Ist es irgendjemandem mal in den Sinn gekommen das man vielleicht nicht nur verliert, sondern wenn man sich öffnet, vielleicht auch etwas gewinnen kann?

10.11.2010
08:42
Widerstand gegen mögliche Kita-Schließung
von JackoDjange | #67

Wurde aus den Zahlen die vergestellt wurden eigentlich klar das die Finanzierung der Kindertagesstätte nur aus einem kleinen, zu vernachlssigenem, Teil von Kirchensteuereinnahmen finanziert wird?

Wurde erwähnt wie hoch der Kirchenanteil an der Finanzierung der Gemeinde und somit auch der Kindertagesstätte wirklich ist?

09.11.2010
12:28
Widerstand gegen mögliche Kita-Schließung
von Christian Stöckmann | #66

Da fällt mir doch selbst auf, ich habe sogar DREI Fragen finden können.

09.11.2010
12:26
Widerstand gegen mögliche Kita-Schließung
von Christian Stöckmann | #65

Es ist wirklich schwierig, einen Beitrag zu schreiben, der Fragen aufwirft, die noch nicht in den letzten 64 Artikeln gestellt und mehr oder meist weniger beantwortet wurden. Ich habe noch zwei finden können:
1. Wo waren die streitenden Hobbykreuzritter der Markuskirche, die jetzt für Winkhausen Mahnwachen organisieren und eine einzelne Pastorin ans Kreuz nageln als der Rolands Kamp geschlossen wurde? Ist doch schließlich eine Gemeinde! Zu diesem Zeitpunkt habe ich niemanden dieser Selbstdarsteller gehört oder gesehen.
2. Wie fühlt sich ein Mensch, der den kompletten Teil einer Gemeinde, der ihm unterstellt ist, aus finanziellen Gründen verliert? Der Teil, der als Einziger noch Struktur und Zulauf in der Kinder- und Jugendarbeit hatte und den er jetzt aufgeben muss, um im direkten Anschluss von einem Mob zum Judas und Verräter gemacht zu werden? Ganz sicher gibt es darauf nur eine Antwort.
3. Was sagt der Pastor der betroffenden Gemeinde in Winkhausen und wenn er was sagt, wo kann ich es lesen? Es ist schwer zu finden. Was sagst er, wenn seine treuen Ehrenamtlichen eine Kollegin unter der Gürtlelinie beschimpfen? Lesbe oder Fette Sau war da auf der Gemeindeversammlung zu hören. Gut, das erste ist wahrlich kein Schimpfwort, wurde aber doch als solches missbraucht, richtig?
Ich schließe mich meiner Pastorin an, denn auch ich habe keine Ahnung von Zahlen. Deswegen wird mir sicher irgend jemand verbal auf die Finger hauen, wenn ich sage, lasst Markus in Frieden ruhen und baut auf seinen Trümmern, denn nichts anderes sehe ich momentan, drei eigenständige, zufriedene Gemeinden,mit genügend Platz für die Egos der einzlenen Pastoren, die sich respektieren und gegenseitig dulden können............oder seht euch mal die Angebote der anderen Gemeinden an.

02.11.2010
16:38
„Lasst die Kirche im Dorf!“
von Clemens Plazek | #64

Wieso macht man nicht gleich eine große ökumenische Fusion mit St. Barbara und Christ König? Wenn das mit der Mitgliederentwicklung so weiter geht, ist es wie im Altenberger Dom, 8:00-10:00 Uhr und 13:30-15:30 Uhr evangelisch, die restliche Zeit katholisch.
Als Katholik heiße ich die evangelischen Schwestern und Brüder schon einmal herzlich willkommen!

02.11.2010
11:13
„Lasst die Kirche im Dorf!“
von tekriemue | #63

Soweit ich weiß, hat die EKiR doch eigene oder externe Steuer- und Unternehmensberater, die an allen Enden die Geldflüsse regeln. Wieso kommt so eine(r) nicht mal nach Mülheim-Nord und hilft denen, die verzweifelt versuchen mit ihrem Ehrenamt bzw. theologischem Background die Kirche mit allen Möglichkeiten zu retten?

02.11.2010
09:37
„Lasst die Kirche im Dorf!“
von Michael Mettner | #62

Ich hoffe, dass es noch möglich ist eine sachliche Diskussion herbei zu führen, in denen
1. alle Fakten mal auf den Tisch gelegt werden
und
2. Eine Einvernehmliche Lösung gefunden wird.

Zu den Fakten (sparen oder ....)
Nimmt man sich mal den Finanzplan der Markuskirchengemeinde (da hat jeder die Möglichkeit Einblick zu nehmen) ist die Schließung eines Gemeindezentrums in Markus aufgrund der Kosten und Einnahmesituation unabdingbar gewesen.
Mit der einen Schließung hat Markus die Möglichkeit unter der Berücksichtigung verschiedenster Annahmen in den nächsten Jahren einen Überschuss oder zumindest einen ausgeglichenen Haushalt zu erwirtschaften!
Ich bin der Meinung, dass eine Fusion den Nordgemeinden natürlich in Summe helfen wird, nicht in eine Sparspirale zu kommen.
Aber warum soll noch mehr gespart werden, wenn es keine Not dazu gibt.
Ich gebe zu, dass es für ein Presbyterium nicht möglich ist, unter den vorliegenden Umständen (keine Vollstädigen schlüssigen Informationen) sich für eine Richtung (Fusion/keine Fusion /welche Bedingungen) zu entscheiden und daraus viel Unverständnis für die Gemeindeglieder mit den entsprechenden Emotionen entstanden ist.
Vielleicht ist es ja möglich mit einem neutralen Vermittler eine Lösung, die für 80% tragbar ist zu erreichen.
In der Hoffnung einer christlichen Lösung!!!!!!!!

01.11.2010
17:50
„Lasst die Kirche im Dorf!“
von 2ueberParr | #61

@48/49 Eva Schilp: Ich meinte echte Werbung! Nicht jeder liest den Blick, auch nicht, wer das Gemeindeblatt empfängt, weil er / sie (noch) Kirchensteuer zahlt.
Ich bin manchmal selbst erschrocken, was die Mitglieder nicht an Aktualitäten aus der Gemeinde kennen, obwohl versucht wird alle zu informieren.
Als Unternehmer kenne ich das Problem, dass nur 3% der Werbung überhaupt nachhaltig wirken. Da muss man dran bleiben!
ich habe da so spontan auch keine Idee, was noch getan werden kann, da ich die Internas des Fördervereins nicht kenne, würde aber gerne helfen.
Es geht mir ja auch der Gemeinde mit allen Möglichkeiten zu helfen und zwar sachlich, konstruktiv und langfristig.

30.10.2010
23:29
„Lasst die Kirche im Dorf!“
von Dirk Biesgen | #60

Wenn in Ihren Augen Kinder und alte Leute nichts zählen sei Gott Ihnen gnädig. Und mit Ihnen mitfliegen möchte ich schon lange nicht. Das ist das eigentliche Problem. Aber das wird sich lösen, so oder so. (Und wo Sie sich Ihre persönliche Gnade hinschieben können, ... naja, denken Sie sich den Rest)

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3878994/create

Umfrage der Woche
Die Bauarbeiten für die Ruhrpromenade haben begonnen. Im März 2013 soll sie fertig sein. Prima Promenade an der Ruhr?

Die Bauarbeiten für die Ruhrpromenade haben begonnen. Im März 2013 soll sie fertig sein. Prima Promenade an der Ruhr?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Stimmen zum Rauchen
Video
Video
Pfingst-Spektakulum
Bildgalerie
Mittelalter in Broich
Pfingst-Renntag
Bildgalerie
PFERDERENNEN
"beGeistert"
Bildgalerie
Pfingstfest
Aus dem Ressort
Grüne setzen sich mit Kampagne für mehr Zivilcourage ein
Sicherheit
Nach den jüngsten gewaltsamen Übergriffen und der zunehmenden Zerstörung wollen die Grünen in Mülheim einen Mentalitäts-Wechsel herbeiführen. Sie verlangen von den Bürgern mehr Engagement beim Verhindern von gewaltsamen Übergriffen und Vandalismus.
Kulturaustausch beim Schnibbeln und Rühren
Besuch aus Tansania
Es wird geschnibbelt und gerührt, geplaudert und gelacht. Fünfzehn Männer und Frauen stehen um die Kochinseln der Lehrküche und bereiten ihr Mittagessen gemeinsam vor.