Werkstätten mit Aussicht

Ulrich Plümer blickt optimistisch ins nächste Jahr. Der Einrichtungsleiter der Fliedner-Werkstätten bilanziert ein gutes Wirtschaftsjahr – mit einer „guten bis sehr guten Auslastung“ der Werkstätten. Konkrete Zahlen will er zwar nicht nennen. Er vergleicht aber den Umsatz mit dem eines mittelständischen Unternehmens.

Die Werkstätten der Theodor-Fliedner-Stiftung zählen derzeit rund 650 Beschäftigte mit einer geistigen Behinderung oder einer psychischen Erkrankung und 125 Mitarbeiter, darunter betreuende Gruppenleiter, Betriebsstättenleiter und Assistenten.

Im 1800 Quadratmeter großen Zentrallager an der Pilgerstraße werden derzeit 2500 Artikel konfektioniert und für ihren Abtransport fertig gemacht. Gerade gegen Ende des Jahres kommt es hier auch schon mal zu Stoßzeiten. Besonders gefragt sind derzeit die in der Schreinerei hergestellten Kleinmöbel und der Klassiker Garten uns Landschaftsbau. „Unsere Kunden kommen zu 95 Prozent aus der regionalen Industrie, so dass auch unsere Aufträge konjunkturellen Schwankungen unterliegen,“, sagt Ulrich Plümer. Es sei ein „ständiges Auf und Ab.“

Hoher Betreuungsaufwand

Rundfunkanstalten, wie der WDR und SWR, gehören ebenso zu den Kunden der Fliedner-Werkstätten wie der Logistiker Silag, der Kosmetikhersteller L’Oreal oder die Königsbrauerei. Unternehmen, die Aufträge an beschützende Werkstätten, wie die der Fliedner-Stiftung vergeben, profitieren vom verminderten Mehrwertsteuersatz (7 statt 19 Prozent) und können 50 Prozent ihrer Kosten auf ihre Schwerbehindertenabgabe anrechnen.

Ulrich Plümer betont, dass die Fliedner-Werkstätten kein normaler Wirtschaftsbetrieb, sondern eine Rehabilitationseinrichtung mit hohem betreuerischen und technischem Aufwand sind. Und dennoch „bekommen wir aber von unseren Kunden keinen Bonus, wenn es um Preis, Qualität und Liefertreue geht. Das ist heute ein knallharter Wettbewerb.“ Und um den bestehen zu können, pflegen Ulrich Plümer und sein kaufmännischer Leiter, Peter Fricke, Kontakte zur Wirtschaft und zu anderen Arbeitgebern. Vor allem aber leben die Werkstätten von der Mundpropagande zufriedener Kunden. Für die Zukunft kann sich Ulrich Plümer vorstellen, in den Ausbau der Metallarbeiten zu investieren, mit dem Ziel, Auftraggebern den passgenauen Zuschnitt von Metallteilen anzubieten – und so vielleicht weitere neue Kunden gewinnen zu können.