Wer anderen hilft, hat mehr Chancen

Eppinghofen..  „Was muss man alles bei einer Bewerbung für ein Praktikum beachten?“ Das fragt Henryk Lüderitz, Achtklässler. Die Realschüler von der Mellinghofer Straße wissen es genau: „Alle anreden und Adressen korrekt auf ein sauberes Blatt schreiben.“ „Ordentlich angezogen sein beim Vorstellungsgespräch.“ „Den Menschen in die Augen sehen und fragen, was man tun kann.“ „Die Hände aus den Taschen nehmen“, antworten die Mädchen und Jungen.

In einem Trainingskurs macht Lüderitz die Jugendlichen fit für das wirkliche Leben, gibt Verhaltenstipps, „damit Ihr Euren Wunsch-Job bekommt“.
Für die Mädchen und Jungen ist das ein anstrengender Tag. Sie erfahren, dass gute Noten nicht alles im Leben bedeuten. „Wenn Ihr nicht mit anderen in der Gruppe arbeiten könnt oder wollt, dann bleibt Ihr draußen“, lautet die harte Botschaft aus der Wirklichkeit. Darum lässt Henryk Lüderitz den Schüler spielen.

Nachdem die Regeln klar sind, müssen alle ihren Mund halten – absolutes Redeverbot. Die Gruppe soll trotzdem nach den Vorgaben spielen. Danach wechseln die Gruppenbesten in ein anderes Team, welches andere Spielregeln hatte. Auch in diesem Durchgang müssen alle ohne zu reden miteinander klarkommen. Ein Team fliegt sofort raus, weil es gesprochen hat.

Was für Beobachter so leicht aussieht, ist für viele Jugendliche harte Arbeit. „Viele sind das nicht gewohnt. Andere begreifen schnell und regeln das“, erläutert Pia Murrau. Die Assistenztrainerin studiert noch. „Diese Stunden bringen mir wertvolle Lebenserfahrung.“

Die Gruppenwechsler haben die Regelunterschiede bemerkt. „Ich habe dann so mitgemacht, wie die anderen spielten.“ „Ich habe versucht, zu erklären, wie ich das Spiel gelernt habe“, resümieren sie. Beide lagen mit ihrem Tun richtig: Manchmal gibt die Mehrheit in der Bürogemeinschaft den Takt vor. In anderen Fällen ist sie offener für neue Ideen „und Ihr könnt helfen, Euch einbringen. Das müsst Ihr können und versuchen“, macht Lüderitz den Schülern Mut.

„Der hat echt gute Tipps gegeben“, sagt Rawsan, die in einer Anwaltskanzlei ihr Praktikum macht und mehr lernen möchte als Akten sortieren. Esra, Aycan und Simge machen ihr Praktikum in einem Kindergarten: „ Der hat das gut erklärt. Beim Spiel wäre mehr Zeit besser gewesen.“ „Ich gehe zu Evonic. Das wird ganz anders als in der Schule“, meint Lion.

„Die Schüler sollen das in den Ferien verarbeiten und gestärkt in die Praktika gehen“, begründet Judith Koch das Zukunftstraining. „Jugendliche brauchen mehr lebensnahe Hilfen und Orientierung“, fügt die Schulleiterin hinzu. Darum sei es wichtig, solche Trainingseinheiten in den Unterricht einzubauen. Alle vier Klassen der Jahrgangsstufe – 120 Jugendliche – hat Henryk Lüderitz in den vergangenen Tagen an der Mellinghofer Straße nicht nur auf das Praktikum vorbereitet. „Die Mädchen sind etwas besser im Umsetzen der Aufgaben“, hat Assistentin Pia Murrau beobachtet.