Wenn Punk auf Polka trifft

Mit sechs Dudelsackbläsern, teils aus Los Angeles, spielt die österreichische Band Celtica erstmalig beim Burgfolk Festival im Schloß Broich auf. In diesem Jahr treffen bei der nunmehr 14. Auflage Polka-Metal auf elektronisches Mittelalter und Celtic Rock auf Pagan Folk. Die angesagten Bands dieser Szene sind am 14. und 15. August in Mülheim wieder dabei: Neben Celtica lassen Russkaja, Tanzwut, Omnia, Feuerschwanz, Vroudenspil, Heimataerde, Die Kammer, Puch ,N’ Judy, The O’Reillys and The Paddyhats und Circle J. die Burgmauern mit ihrem Sound erzittern. Wie gehabt, sind wieder elf Bands am Start.

Wie jedes Jahr blickt Organisator Michael Bohnes dem bunten Treiben im Burghof entgegen: „Klar, freue ich mich darauf.“ Er rechnet freitags mit 1000 und samstags sogar wieder mit 1500 Besuchern. International wie die Bands sind auch die Fans. Ein Festival, „das sich gut entwickelt hat“, sagt Bohnes. „Wenn sich eine Veranstaltung über 14 Jahre lang hält, ist das ein Zeichen von guter Qualität.“ Viele ähnliche Festivals würden aus dem Boden gestampft und nach zwei Jahren wieder sang- und klanglos von der Bühne verschwinden.

Burgfolk und Castle Rock (3. und 4. Juli) sind zwei Festivals von Ruf, die in einem Atemzug zu nennen sind. Zuerst war Castle Rock da, „zwei Jahre später wurde Burgfolk als Schwester gegründet“, sagt Bohnes. Während Castle Rock mit seinem dunkel-düster rockigen und etwas härterem Sound die Fans im „Kleinen Schwarzen“ von überall her anlockt, kommt Burgfolk mit knalligen Synthesizer-Mittelalterklängen und den schon mal als Ritter oder Burgfrau gewandeten Freunden dieser Musikrichtung daher. „Aber Schnittmengen zwischen diesen beiden gibt’s immer“, weiß Michael Bohnes.

Der Mitarbeiter des Kulturbetriebs ist quasi Vater der beiden städtischen Groß-Veranstaltungen, die weit über Broich hinausschallen. An die Premiere von Castle Rock 2002 kann er sich noch gut erinnern. Von den Besucherzahlen her „war das relativ überschaubar“. Mit „überschaubar“ meint Bohnes den eigenen Freundeskreis, der zum ersten Castle Rock kam. Wenn heutzutage vielfach Freunde des dunkel-düster-Rocks von auswärts ins Schloß Broich pilgern, „kommen mittlerweile 40 Prozent der Besucher aus Mülheim“, sagt Bohnes.

Nach 14 Jahren liegen die Festivals im internationalen Vergleich vorn. In einer Besucherumfrage des Fachmagazins „Sonic Seducer“ rangiert Castle Rock zum sechsten Mal in Folge unter den Top Ten der besten Open-Air-Veranstaltungen, erläutert Bohnes. Es bleibt also spannend, welche Fans aus welchen Regionen sich von „Tanzwut“ in diesem Herbst anstecken lassen.