Weiße Flotte startet in die neue Saison durch das Ruhrtal

Die Ruhrtalbrücke über Mintard und die „Mülheim an der Ruhr“ leuchten bei der ersten Fahrt in der Frühlingssonne.
Die Ruhrtalbrücke über Mintard und die „Mülheim an der Ruhr“ leuchten bei der ersten Fahrt in der Frühlingssonne.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit der "Mülheim an der Ruhr" vom Wasserbahnhof bis Kettwig und zurück. Junge Familien und Jahreskarteninhaber treffen sich an Bord.

Mülheim.. „Einen sonnigen guten Morgen, willkommen zur ersten Fahrt mit der Weißen Flotte.“ So begrüßen Kapitän Günther Sachse und Matrose Rainer Röllke die Gäste am Wasserbahnhof. Einige von ihnen sitzen bereits eine halbe Stunde vor der Abfahrt auf der Bank. Andere entscheiden sich spontan: „Wir wollen mitfahren, wo gibt es Fahrkarten?“ „Alles an Bord“, bittet der Matrose alle auf das Schiff. Um 11.05 Uhr macht er das dicke Tau los und die „Mülheim an der Ruhr“ – das Flaggschiff der Weißen Flotte – gleitet auf dem Fluss Richtung Kettwig dahin. Besseres Wetter zum Saisonstart war nicht möglich.

Die Plätze auf dem Sonnendeck sind gut belegt. „Schau mal, dort ist der Thyssenpark, danach kommt die Tomate. Auf der Anderen Seite das Stauwehr vor dem Altruhrarm“, erklärt ein Mülheimer Ehepaar Mitreisenden aus Bochum und Herten Sehenswürdigkeiten, die vorbeiziehen. Der Kahlenberg macht seinem Nahmen alle Ehre: Der Orkan „Ela“ hat auf dem Hang viele Bäume umgeknickt. Auf dem Saarner Ruhrufer, beiderseits der Mendener Brücke, sind ebenfalls die Sturmschäden noch gut sichtbar.

Wiedersehen mit einem alten Bekannten

Der Kapitän bremst das Schiff ab. „Das hätte ich jetzt nicht gedacht, aber rechnen mussten wir mit ihm“, sagt Rainer Röllke. Am Anleger „Hahnenfähre“ steht Reinhard Gertz, Jahreskarteninhaber. Beide begrüßen sich, sie kennen sich seit Jahren. Der Dieselmotor vor der Schiffsschraube muss mächtig arbeiten. „Wir haben immer noch leichtes Hochwasser. Die Ruhr drückt ganz schön“, kennen Kapitän und Matrose den Fluss mit seinen Biegungen. „Da brauchen wir bis Kettwig etwas mehr Zeit.“

Nächster Stopp am Saarner Ufer. Gleich fünf Kinder mit Müttern und Vater steigen zu und nehmen flott die Treppe auf das Oberdeck. Die kleinen laufen bis ans Heck, wo sie sehen können, wie die Schraube das Ruhrwasser schäumen lässt. Später kommt der große Moment: Luisa, Henri, Anton und Elina dürfen dem Kapitän am Steuerrad beim Kursmachen zuschauen. Günther Sachse freut sich mit ihnen, erklärt ihnen die Ruhrtalbrücke. Auch das gehört zum Service. Ein paar Minuten später stehen die vier in der Bugkabine und die Mütter helfen ihnen beim Drehen des Luftsteuerrades.

Anschließend zum Bummeln oder Eisessen

„Wir sind aus Moers. Bei uns gibt es so schöne und kurze Schifftouren nicht“, erklärt Anna Raeck. „In Kettwig gehen wir auf den Spielplatz und Eis essen.“ „Die Ruhr ist ein ruhiger Fluss. Der hat keine Wellen, mit denen ich sonst Probleme habe“, fügt Alesia Harke hinzu. „Auf der Rückfahrt steigen wir wieder bei ,Dicken am Damm’ aus und nehmen dort einen Kaffee. Wir sind mit dem Auto dort, weil man am Wasserbahnhof kaum parken kann“, wissen die jungen Frauen.

„Wir gehen jetzt in Kettwig bummeln“, freuen sich Susanne Day und ihr Mann Volker auf einen sonnigen Mittag. „Wir nehmen das Schiff um 14 Uhr zurück zum Wasserbahnhof.“ Dann werden sie die meisten der anderen Fahrgäste wieder treffen, die unterhalb der Altstadt aussteigen. Günther Sachse trägt einer Seniorin noch den Kinderwagen samt Enkel die Treppe hinauf.

Die Besatzung arbeitet bis Oktober durch

Knapp 50 Passagieren hat Matrose Röllke auf dem Wasserweg nach Kettwig einen Fahrschein verkauft. „Das ist für die erste Tour in diesem Jahr schon gut. Am Nachmittag fahren mehr mit.“ Am Anleger vor der Staumauer steigen nur wenige Fahrgäste zu. Mit knapp 15 Minuten Verspätung legt das Schiff wieder ab und dreht um Richtung Mülheim.

Zwischendurch hat Sieglinde Hinz bereits die Tische abgewischt, Kaffeetassen, Kuchenteller und Gläser wieder eingesammelt. Sie hat ihre Bordküche im Unterdeck. „Das finden die Leute nicht so leicht. Ich arbeite lieber im Kiosk auf den anderen Schiffen. Aber die sind noch in der Werkstatt“, sagt die. Den ganzen Sommer lang übernimmt sie mit anderen Kolleginnen den Service an Bord. „Es macht mir Spaß, mit den Leuten zu sprechen.“ Auf der ersten Tour hatte hat sie bereits gut zu tun.

Die nächsten Fahrgäste warten bereits

Flott nimmt die „Mülheim an der Ruhr“ jetzt Kurs auf Mintard, fährt bei „Dicken am Damm“ durch und stoppt wieder an der „Hahnenfähre“. Monika und Wolfgang Teubner aus Bochum sind in Kettwig an Bord geblieben. Sie wollten zu ihrem Onkel Heinz Klaus nach Herten, den Frühjahrsputz erledigen.

„Bei Sonnenschein ist es aber schöner, eine Ruhrtour zu machen“, sagen sie. „Das Flusstal leuchtet herrlich und saftig grün.“ Jogger und Radler auf dem Leinpfad haben kaum eine Chance, das Schiff zu überholen. Reinhard Gertz hat unterwegs viele Fotos gemacht: „Man kann fast jede Woche von Deck aus Neues entdecken.“ 40 bis 50 Mal ist er auf der Ruhr jedes Jahr unterwegs.

„Die Jahreskarte ist eine tolle Sache.“ Am Wasserbahnhof hat sich bereits eine kleine Schlange Fahrgäste gebildet – für die nächste Tour. Auf dem Sonnendeck hat Barbara H. die Seite gewechselt: „Hahnenfähre, Wasserbahnhof, Kettwig, Hahnenfähre“ ist ihre Rundfahrt. „Da kann ich zwei Stunden prima entspannen.“ Pünktlich, um 13 Uhr, legt das Schiff wieder ab.